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Hormone plagen auch Männer-Gemüter

04.03.2002


Sinkende Testosteron-Spiegel sollen "irritable male syndrome" auslösen

Männer leiden wie Frauen unter hormonell bedingten Gemütsschwankungen. Dies besagt eine Studie der Human Reproductive Sciences Unit des Medical Research Councils (MRC) in Edinburgh. Die Gemütsschwankungen, die durch ein Absinken des Testosteron-Spiegels bei männlichen Säugetieren nach Ende der Paarungszeit entstehen, sollen in ähnlicher Weise den Menschen betreffen. Die Studie wurde im Journal "Reproduction, Fertility and Development" Vol. 13, p. 567 publiziert und ist auf der Homepage abrufbar.

Benannt wird dieser hormonell bedingte Zustand der Lethargie, Depression und Nervosität mit dem englischen Begriff "irritable male syndrome" (IMS). Die Symptome gleichen der männlichen Menopause. Es ist ein bekanntes Phänomen bei Tieren nach der Paarungszeit, wenn die sexuelle Aktivität sinkt. Der Forscher Gerald Lincoln untersuchte das IMS zuerst an Schafen. Im Herbst steigt das Testosteron rasant an und fällt im Winter rasch wieder ab. Ursprünglich wurde aggressives Verhalten mit einem hohen Testosteron-Spiegel in Verbindung gebracht. Lincoln bemerktejedoch, dass Böcke sich eher Verletzungen zufügten, wenn sie einen niedrigen Testosteron-Spiegel aufwiesen. Weitere Untersuchungen an Elefanten und Rentieren zeigten ebenfalls das Auftreten des IMS nach der Paarungszeit.

Bekannt ist, dass das Testosteron beim Mann einen großen Einfluss auf sein Verhalten hat. Im Gehirn sitzen viele Rezeptoren für Testosteron und seine Umwandlungsprodukte. Setzt man bei Männern, die kein Testosteron produzieren können, die Hormonersatztherapie ab, zeigen jene die von Tieren bekannte Symptome des IMS, sagte Richard Anderson vom MRC. Ihr positiver Gemütszustand stellt sich wieder her, wenn die Behandlung erneut aufgenommen wird. Lincoln bezeichnet Stresssituationen als einen möglichen Grund für den Testosteron-Abfall. Es gibt wenige Studien, die dieses Phänomen am Menschen erklären, aber viele an Tieren. Untersuchungen an Primaten zeigen, dass, "Testosteron sinkt, wenn Stress die Corticoide (in der Nebenniere gebildete Hormone, zu denen unter anderem die Geschlechtshormone und Cortison zählen) himmelwärts schickt", so Lincoln.

David Handelsman, ein Experte auf dem Gebiet männlicher Hormone der Universität von Sydney, sieht die Auswirkungen von Testosteron-Schwankungen beim Mann vorsichtiger: "Die Änderungen des Testosteron-Spiegels sind beim erwachsenen Mann weitaus geringer, als die drastischen Schwankungen beim Schafbock." Der Endokrinologe David Abbott des Wisconsin Regional Primate Research Center in Madison meint hingegen: " Die Auswirkungen von Testosteron wurden lange Zeit nicht beachtet. Es wäre interessant, das IMS noch genauer zu untersuchen."

Ulrike Unterberger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.hrsu.mrc.ac.uk.
http://www.usyd.edu.au
http://www.primate.wisc.edu.edu

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