Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Protonentherapie: Vertrag mit Kassen

29.03.2007
Versicherte großer Ersatzkassen können sich künftig bei schweren Krebserkrankungen am UK Essen mit Protonen bestrahlen lassen. Der heute von Mitgliedskassen des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen e. V. (VdAK) und dem UK Essen unterzeichnete Vertrag schafft die Grundlage, dass nach Inbetriebnahme des im Bau befindlichen West-deutschen Protonentherapiezentrums Essen (WPE) Patienten der DAK, TK, KKH, HMK und hkk in Essen bestrahlt werden können - voraussichtlich ab November 2009.

Mit der Protonenbestrahlung weitet das Universitätsklinikum sein Spektrum in der Therapie onkologischer Patienten aus. Die Bestrahlung mit Protonen erfolgt zielgenauer, schonen-der und kann mit höherer Dosis als die bisherige konventionelle Bestrahlung mittels Photonen angewandt werden. Die Protonentherapie stellt aus heutiger Sicht für bestimmte Indikationen, wie zum Beispiel Patienten mit Schädelbasistumoren und bestimmten kindlichen Tumoren, eine effektivere Behandlungsform dar. Bei anderen Krebsarten weist die Protonentherapie jedoch keine bedeutsamen Vorteile gegenüber der herkömmlichen Bestrahlung auf.

Das UK Essen und die Ersatzkassen legen daher gemeinsam fest, welche Krankheiten sich zur Behandlung eignen. "Der Vertrag umfasst spezielle, seltene Indikationen - unter anderem Tumore im Kindesalter, Leberzell-, Lungen-, Pankreas- und Ösophaguskarzinome sowie Kopf-Hals-Tumore und bestimmte Augentumore. Die Behandlung ist dabei von bestimmten Voraus-setzungen abhängig, insbesondere dem Stadium der Krebserkrankung sowie der Größe und Lokalisation des Tumors", erläutert Prof. Dr. Martin Stuschke, Leiter der Essener Strahlenklinik. Die Wirksamkeit der Versorgung werde im Rahmen begleitender wissenschaftlicher Studien überprüft, um sowohl die dauerhaft hohe Qualität der Versorgung als auch die Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu gewährleisten. Zudem werde ein wissen-schaftlicher Beirat eingerichtet, der auf Basis der gewonnen Erkenntnisse über die Weiterent-wicklung des Indikationsspektrums und der Protonentherapie insgesamt entscheiden soll.

"Unser Ziel ist es, die aufwändige Protonentherapie denjenigen Patienten zukommen zu lassen, die davon wirklich profitieren. Dafür haben wir mit der Universitätsklinikum Essen einen Partner gefunden, der vernünftige Medizin in den Mittelpunkt seines Handelns stellt und nicht von rein kommerziellen Interessen geleitet ist", betonte Dr. Werner Gerdelmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des VdAK.

Auch Reinhold Keil, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Essen, begrüßte das erzielte Verhandlungsergebnis: "Mit diesem Vertrag haben wir die Grundlage für eine innovative, qualitativ hochwertige und zugleich wirtschaftliche Patientenversorgung geschaf-fen." Mit den vereinbarten Vergütungspauschalen - 19.500 Euro für die alleinige strahlenthe-rapeutische Behandlung mit Protonen, 10.000 Euro für die Behandlung mit Protonen in Kombi-nation mit konventioneller Strahlentherapie und 16.000 Euro für die Behandlung von Augen-tumoren - werde der Preis sowohl den Wirtschaftlichkeitsanforderungen der Krankenkassen als auch dem Kostenrahmen des Universitätsklinikums gerecht.

"Allerdings können wir die Behandlung nur deshalb so kostengünstig anbieten, weil wir unser Zentrum als Public Private Partnership-Projekt verwirklichen. Die privaten Anbieter, die die Anlage finanzieren und errichten, an uns vermieten und dabei die technische Verfügbarkeit garantieren, haben wir in einem harten europaweiten Wettbewerb ausgesucht", fügt Keil hin-zu. Medizinisch betrieben wird die Anlage von der Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen (WPE) gGmbH, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft des UK Essen.

"Damit ist aber auch klargestellt, dass Protonentherapie nicht geeignet ist, um übertriebene Renditeerwartungen zu erfüllen", so Gerdelmann. Er erteilte zugleich den zahlreichen Investorenaktivitäten eine deutliche Absage, die Deutschland mit einem dichten Netz von Pro-tonenanlagen überziehen wollen. "Für mehr als fünf bis sechs Einrichtungen sind in Deutsch-land weder genug Patienten vorhanden, noch werden die erheblichen Investitionskosten von über 140 Millionen Euro refinanziert. Wir gehen davon aus, dass wir mit dem Essener Zentrum den Bedarf für ganz Nordrhein-Westfalen abdecken können - was die Augentumore angeht, sogar bundesweit."

Das Universitätsklinikum Essen steht auch mit anderen Kassenarten in Vertragsverhand-lungen. "Die optimale Behandlung von Krebspatienten ist eine zwingende Notwendigkeit und kein Profilierungsfeld im Kassenwettbewerb. Das sehen die Ersatzkassen erfreulicherweise genauso und haben keine Einwände, wenn sich in Zukunft andere Kassen dem Vertrag an-schließen", so Keil.

Nähere Informationen: Reinhold Keil, Kaufmännischer Direktor, E-Mail: reinhold.keil@uk-essen.de, Telefon: (02 01) 7 23 - 26 00; Dr. Volker Wendel, Geschäftsführer WPE, E-Mail: volker.wendel@uk-essen.de, Telefon: (02 01) 7 23 - 38 31; Thomas Ballast, Leiter der Abteilung Vertrags- und Versorgungsmanagement beim VdAK, E-Mail: thomas.ballast@vdak-aev.de, Telefon: (0 22 41) 1 08 - 2 82.

Kristina Gronwald | idw
Weitere Informationen:
http://universitaetsklinikum-essen.de

Weitere Berichte zu: Bestrahlung Protonen Protonentherapie VdAK WPE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

nachricht Malaria: Kooperierende Antikörper verbessern Immunreaktion
08.06.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics