Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nur wer hören kann, lernt auch sprechen

28.03.2007
Hörtests bei Neugeborenen werden derzeit in NRW nicht flächendeckend durchgeführt. Deswegen haben die Universitätskliniken Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln und Münster ein Pilotprojekt gestartet, mit dem Ziel, ein qualitätsgesichertes, universelles Hörscreening für alle Neugeborenen in NRW einzuführen.

Auch heute noch werden Hörschäden bei Kindern zu spät festgestellt. Die Folgen sind eine verzögerte Entwicklung der Sprache. Allein in Nordrhein-Westfalen (NRW) kommen jedes Jahr 150.000 Säuglinge zur Welt, darunter schätzungsweise 300 bis 400 mit einem Hörfehler. Hörtests bei Neugeborenen werden derzeit in NRW nicht flächendeckend durchgeführt. Deswegen haben die Universitätskliniken Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln und Münster ein Pilotprojekt gestartet, mit dem Ziel, ein qualitätsgesichertes, universelles Hörscreening für alle Neugeborenen in NRW einzuführen. Die Koordination des Projektes liegt bei der Uniklinik Köln.

"Das Baby hört schon im Mutterleib, es kennt die Stimme der Mutter und auch des Vaters. Das Hören ist die Grundvoraussetzung für die Lautsprache (im Unterschied zur Gebärdensprache)", sagt Dr. Ruth Lang-Roth, ärztliche Leitung der Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Uniklinik Köln. "Wenn ein Säugling unter gravierender Schwerhörigkeit leidet, die nicht rechtzeitig behandelt wird, führt das zu schweren Störungen in der Sprachentwicklung. Leider werden solch gefährliche Hörschäden auch heute noch viel zu häufig erst nach dem dritten Lebensjahr erkannt."

"Das ist viel zu spät, da die Hörbahnreifung vor allem in den ersten beiden Lebensjahren stattfindet", sagt Professor Dr. Götz Schade, Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie am Bonner Universitätsklinikum. "Die Nervenbahnen zwischen Innenohr und Hör- und Sprachzentrum bilden sich dann auch mit Hilfe eines Hörgerätes häufig nicht mehr vollständig aus." Die betroffenen Kinder können die Defizite in der Informationsverarbeitung akustischer Reize nicht mehr aufholen und lernen somit nicht mehr richtig zu hören. Dadurch kommt es zu einer verzögerten Sprachentwicklung. Oft sind Schullaufbahn und daher der berufliche Werdegang beeinträchtigt.

Doch das Gehör von Säuglingen kann ganz einfach und schmerzlos schon in den ersten Tagen nach der Geburt getestet werden. "Es ist wünschenswert, alle Neugeborenen bereits in ihrer Geburtsklinik für nur circa 13 Euro pro Hörtest zu erfassen. Wir wollen jetzt in unserer Region von Null auf Hundert gehen", sagt Professor Schade. Dieses Früherkennungsprogramm ist nur dann erfolgreich, wenn möglichst alle auffälligen Kinder innerhalb der ersten Lebenswochen in einer pädaudiologischen Einrichtung nachuntersucht werden. Denn nur so wird sichergestellt, ob tatsächlich eine Hörstörung vorliegt und dass diese auch zeitnah behandelt wird. Eine hohe Quote kann durch datenbankgestützte Nachfassaktionen unterstützt werden. Bereits im Alter von 3 bis 6 Monaten sollen bei den betroffenen Kindern dann erste Hörgeräte angepasst sein. Im Nachbarland Hessen gibt es schon seit mehr als zwei Jahren ein erfolgreiches Hörscreening-Programm. 2005 wurden dort 18.000 Neugeborene untersucht; 49 litten unter einer Hörstörung.

Das durchschnittliche Alter, zu dem ein Hörfehler erkannt wird, konnte in
Hessen so von bundesweit 39 Monaten auf etwa drei Monate gesenkt werden. "Früh erkannte Hörstörungen können mit Erfolg behandelt werden. Das ist eine Chance für die Kinder auf eine Einschulung in die Regelschule und somit auch auf einen guten Start für ihren späteren Lebensweg", sagt Professor Schade.

Kontakte für die Medien:

Dr. Ruth Lang-Roth
Projektkoordination Neugeborenenhörscreening NRW
Leitung des Funktionsbereichs Phoniatrie und Pädaudiologie
HNO-Klinik an der Uniklinik Köln
0221-478-4750
E-Mail: ruth.lang-roth@uni-koeln.de
Professor Dr. med. Götz Schade
Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudologie
Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-11280
E-Mail: goetz.schade@ukb.uni-bonn.de
Frau Professor Dr. med. Chr. Neuschaefer Rube
Klinik für Phoniatrie, Pädaudiologie und Kommunikationsstörungen
Uniklinik Aachen
Pauwelsstraße 30
52074 AachenTel: 02418088954
E-Mail:phoniatrie@ukaachen.de
Professor Dr. med. Wolfgang. Angerstein
Leiter der eigenständigen Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie
HNO-Universitätsklinik der Universität Düsseldorf
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
Telefon: 0211-81-18623
E-Mail: angerstein@med.uni-duesseldorf.de
Frau Professor Antoinette Am Zehnhoff-Dinnesen
Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie
Westfälische Wilhelms- Universität Münster
Kardinal von Galenring 10
48129 Münster
Telefon: 0251-83-56859
E-Mail: A.am.Zehnhoff.Dinnesen@uni-muenster.de
Weitere Informationen:
http://ruth.lang-roth@uni-koeln.de
http://goetz.schade@ukb.uni-bonn.de
http://phoniatrie@ukaachen.de
http://angerstein@med.uni-duesseldorf.de
http://A.am.Zehnhoff.Dinnesen@uni-muenster.de

Markus Lesch | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-koeln.de/

Weitere Berichte zu: Hörstörung Phoniatrie Pädaudiologie Säugling

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie