Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Messungen auf den Millimeter genau

22.03.2007
EU finanziert Forschungsprojekt im Ganglabor der Orthopädischen
Universitätsklinik Heidelberg / Fehlstellungen werden optimal korrigiert

Wie können Fehlhaltungen beim Gehen exakt gemessen werden?

Mit ihren Analysen im Ganglabor unter ärztlicher Leitung von Dr. Leonhard Döderlein leistet die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg Pionierarbeit und hat seit 1993 zahlreichen Patienten - vor allem Kindern - zu unbeschwerterem Gehen verholfen.

Jetzt hat der Technische Leiter des Labors, der Physiker Dr. Sebastian Wolf, gemeinsam mit sechs Partnern aus der Industrie ein tragbares Ganglabor entwickelt. Dieses Projekt wird von der Europäischen Union mit 1,5 Millionen Euro unterstützt. Das Kick-off-Meeting für die europaweite Entwicklung dieses Gang-Mess-Systems fand Anfang März 2007 im englischen Melton Mowbray statt. Das neue tragbare System soll Winkel und Beschleunigungsmesser sowie Muskelaktionsmesser umfassen und passt in einen einfachen Koffer.

... mehr zu:
»Analyse »Fehlstellung »Ganglabor

Abweichungen von der Norm werden millimetergenau erfasst

Das Ganganalyse-Labor kann Abweichungen von der Norm millimetergenau erfassen - im Gegensatz zum menschlichen Auge. Dr. Wolf erklärt hierzu: "Im klinischen Routinebetrieb beobachten Ärzte und Krankengymnasten den Gang eines Patienten und bewerten ihn. Ihre Erkenntnisse sind jedoch subjektiv und damit ungenau." Zudem werden im Ganglabor nicht sichtbare Funktionen wie Muskelkoordination und Gelenk-Drehmomente in der exakten Dokumentation des Gangs ebenfalls erfasst.

Dafür werden dem Patienten durch Infrarotlicht-reflektierende Marker auf mehreren Körperstellen aufgeklebt. Den Gang zeichnen zehn Infrarotkameras auf und übermitteln die Daten an den Computer, der die Gelenkstellungen während des Gehens räumlich genau berechnet. Kraftmessplatten im Boden des Ganglabors erfassen die Gelenkbelastung und zugleich registrieren Elektroden auf der Haut die Muskelaktivität, die ebenfalls während des Gehens gemessen wird. Durch den Vergleich mit den Daten gesunder Probanden kann festgestellt werden, ob und inwieweit die Bewegungsabläufe in der Gelenkkette der Beine abweichen.

Fehlstellungen werden durch Operationen dauerhaft korrigiert

Untersucht werden im Ganglabor überwiegend Patienten mit spastischen Lähmungen, die z.B. durch Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf bzw. bei der Geburt ausgelöst wer-den können. Typisch ist für sie ein mit den Armen rudernder Gang auf dem Vorfuß ("Spitzfußgehen") mit nach innen gerichteten Knien. Diese erheblichen Fehlstellungen werden in der Heidelberger Klinik mit Operationen wie der Begradigung der schief gewachsenen Oberschenkelknochen, der Verlängerung der Waden- oder Oberschenkelmuskulatur bzw. deren Verlegung behoben.

Inwieweit den Patienten hierdurch dauerhaft zu einer guten Gehfähigkeit verholfen wird, hängt insbesondere davon ab, wie gut das Gangbild korrigiert wird. Bei verbliebenen Fehlstellungen führen entsprechende Fehlbelastungen beim Gehen insbesondere in der Wachstumsphase häufig in einem selbstverstärkenden Mechanismus (Teufelskreis) zu einer Verstärkung dieser Deformitäten, die das Gehen abermals erschweren und unter Umständen weitere Folgeoperationen nötig machen.

Heidelberger Operation des Mehretagen-Eingriffs ist weltweit anerkannt

Durch die komplexen Messungen und Berechnungen im Gang-Analyse-Labor können solch unerwünschte Folgen vielfach vermieden werden. Mehr noch: Auf der Grundlage der Analysen können in der Heidelberger Klinik aufwendige sogenannte Mehretagen-Eingriffe geplant werden, eine weltweit anerkannte Methode, die optimale Ergebnisse erzielt und die Patienten schont. Unter Leitung von Dr. Leonhard Döderlein, dem Leiter des Bereichs Zerebralparesen und Technische Orthopädie der Klinik, operieren vier Ärzte gleichzeitig in einer fünf Stunden dauernden Operation sämtliche Fehlstellungen an Hüfte, Knie und Sprunggelenken sowie Fußfehlstellungen. Dem Patienten bleibt die Belastung weiterer Operationen erspart.

Norbert Dörholt | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie.uni-hd.de
http://www.g-a-m-m-a.org

Weitere Berichte zu: Analyse Fehlstellung Ganglabor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften

Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie