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Damit Arbeit nicht krank macht - Beschäftigte als Experten ihrer eigenen Gesundheit

20.03.2007
Ein Forschungsprojekt entwickelt neue Wege zum Gesundheitsschutz im Betrieb

Spektakuläre Einzelfälle, wie die Selbstmorde von drei Angestellten bei Renault, haben in letzter Zeit den Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Gesundheit in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

Aber auch jenseits solcher Extremfälle fordert die Leistungssteigerung durch neue Managementkonzepte und Organisationsformen ihren Preis: Vor allem psychische Belastungen nehmen stark zu; psychische Erkrankungen sind heute schon die vierthäufigste Ursache für Krankschreibungen. Und allein in Deutschland werden die durch mangelnden Arbeitsschutz entstehenden Kosten für Sozialversicherungsträger und Unternehmen auf fast 40 Mrd. € geschätzt.

Hier tickt eine Zeitbombe, die nur durch vorbeugenden Arbeits- und Gesundheitsschutz entschärft werden kann. Das Projekt PARGEMA ("Partizipatives Gesundheitsmanagement") verfolgt eine vielversprechende Idee: moderne Professionalität um eine "dritte Säule" zu erweitern. Denn hohe Ansprüche an die inhaltliche Qualität und den ökonomischen Erfolg der Arbeit sind heute selbstverständlich geworden, für die Ansprüche an Gesundheit und Wohlbefinden gilt das noch längst nicht. Beschäftigte sind schon Experten ihrer Arbeit - jetzt sollen sie auch Experten ihrer eigenen Gesundheit werden.

Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz ist Aufgabe der Unternehmen, aber ohne die systematische Beteiligung der Beschäftigten gelingt diese Aufgabe nicht. Im Projekt PARGEMA erarbeiten deshalb Sozial- und Arbeitswissenschaftler gemeinsam mit Beschäftigten, Führungskräften und Arbeitnehmervertretungen neue Formen eines partizipativen Gesundheitsmanagements. Sie stützen sich dabei auf gesetzliche Grundlagen. Denn was viele nicht wissen: Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes für die Beschäftigten erforderlich sind. Und diese "Gefährdungsbeurteilung" umfasst auch die psychischen und sozialen Belastungen, die in den letzten Jahren so stark gewachsen sind. Auf dieser Basis entwickelt PARGEMA einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess für den Gesundheitsschutz im Betrieb, die "Präventionsspirale". Und diesen Prozess legt PARGEMA beteiligungsorientiert an: Bei jedem Schritt werden die Beschäftigten unmittelbar einbezogen - als Experten ihrer eigenen Gesundheit.

Workshops und Schulungen im Betrieb sowie empirische Untersuchungen bilden die Grundlage für "maßgeschneiderte" Maßnahmen, deren Umsetzung vom Projekt unterstützt wird. Daraufhin werden die Wirkungen dieser Maßnahmen überprüft, und es kann eine neue Runde der Präventionsspirale eingeläutet werden. Zugleich schafft PARGEMA ein Expertennetzwerk, auf dessen Unterstützung Beschäftigte, Betriebe und Institutionen zurückgreifen können. Und die Ergebnisse und Produkte der Arbeit werden weitervermittelt: über die Webseite des Projekts (www. pargema.de), verschiedene Kommunikationsplattformen (u.a. pravention-online.de) und Veröffentlichungen, aber auch über Institutionen, Verbände und Projekte (u.a. das Projekt "Gute Arbeit" der IG Metall).

Das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben PARGEMA wird vom Juni 2006 bis zum November 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Projektträger DLR (Arbeitsgestaltung und Dienstleistungen) innerhalb des Förderschwerpunkts "Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz" betreut. Die Koordination liegt beim Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. - ISF München; beteiligt sind zudem die Arbeitsgruppe Arbeits- und Organisationspsychologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Lehrstuhl Wirtschafts-, Arbeits- und Industriesoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, das Institut für Autonomieforschung IfA/Cogito e.V., Berlin sowie das Beratungsunternehmen Forschung - Beratung - Umsetzung Rolf Satzer, Köln.

Das ISF München ist ein unabhängiges, seit 1965 bestehendes Sozialforschungsinstitut mit gut 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und spielt eine führende Rolle auf den Gebieten der Arbeits- und Industriesoziologie. Verantwortlich für PARGEMA sind dort Dr. Nick Kratzer und Dr. Wolfgang Dunkel.

Rückfragen zu dieser Pressemitteilung können Sie jederzeit an Frank Seiß, Pressestelle des ISF München stellen. Kontaktdaten: Tel. 089/272921-78, frank.seiss@isf-muenchen.de

Frank Seiß | idw
Weitere Informationen:
http://www.pargema.de
http://www.isf-muenchen.de

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