Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Abrechnungssystem blendet chronischen Schmerz aus

11.12.2000


... mehr zu:
»DGSS »DRG »Schmerztherapie
Interdisziplinäre Schmerztherapie wird unmöglich
Prozedurenkatalog bedarf der Überarbeitung

Der jüngst veröffentlichte Prozedurenkatalog OPS 301 gefährdet die interdisziplinäre Schmerztherapie. Dieser Katalog, der die Grundlage für das neue, ab 2001 gültige Abrechnungssystem DRG sein soll, bildet medizinische operative und nicht-operative Leistungen ab. Der Katalog lasse die Probleme chronisch kranker Patienten und die komplexen Probleme der etwa sechs Millionen Schmerzkranken in Deutschland, die kosten- und personalaufwändige Leistungen benötigen, völlig unberücksichtigt, stellen das Präsidium der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS), in der mehr als 2600 deutschsprachige Schmerzspezialisten Mitglied sind, das Präsidium der DIVS, der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung der wissenschaftlichen Fachgesellschaften für die Schmerztherapie, sowie das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) in einer gemeinsamen Erklärung fest.

Leidenszeit verkürzen hilft auch Geld sparen

Alle wesentlichen Fortschritte der Schmerztherapie, die in jüngster Zeit auch in den Medien besondere Beachtung gefunden haben, basieren auf Interdisziplinarität. Von Beginn an legen Psychologen, Physiotherapeuten und Ärzte verschiedener Fachgebiete die Diagnostik und Therapie eines Patienten fest - ein für die deutsche Medizin ansonsten noch ungewöhnlicher Ansatz. Durchführbar ist das Konzept, dessen Effektivität wissenschaftlich erwiesen ist, nur, wenn diese Spezialisten Patienten gemeinsam untersuchen und in schwierigen Fällen auch gemeinsam behandeln können. Dieses Vorgehen verkürzt die Leidenszeit des Patienten, so dass trotz des großen Aufwandes die Kosten für die Solidargemeinschaft sinken.

Katalog ohne interdisziplinäre Maßnahmen

Doch die vorhandenen Kodierungssysteme bilden Patienten mit chronischen Schmerzen weder im ICD 10, dem für die DRGs relevanten Diagnosekatalog, noch in den Prozeduren angemessen ab. Trotz einiger Fortschritte im Detail ändert sich diese grundsätzliche Problematik auch im jetzt vorgelegten OPS 301 nicht: Jene Prozeduren, die die Besonderheiten der speziellen Schmerztherapie wiedergeben könnten, wurden entgegen den Vorschlägen der Fachleute nicht aufgenommen. Das betrifft insbesondere alle Maßnahmen, die eine interdisziplinäre Behandlung sicherstellen. Dadurch wird die neue OPS-Version eine stationäre Behandlung chronisch Schmerzkranker weitgehend unmöglich machen. DGSS, DIVS und DGAI fordern daher eine bessere Abstimmung des vorhandenen Katalogs auf die Bedürfnisse chronisch Kranker und chronisch Schmerzkranker. Neben der kurativen Medizin muss auch der palliativen Therapie in der deutschen Medizin Raum gegeben werden.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christoph Maier, Abteilung Schmerztherapie der Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum. Tel.0234/302-6366, Fax 0234/302-6367, E-Mail: christoph.maier@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: DGSS DRG Schmerztherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie