Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pneumologie aktuell: die COPD-Leitlinie 2007 der Deutschen Atemwegsliga

15.03.2007
Die COPD (Chronic obstructive pulmonary disease: Chronisch obstruktive Bronchitis und Lungenemphysem) wurde bislang als reine Lungenerkrankung eingestuft.

Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die COPD mit einer abnormen Entzündungsreaktion einhergeht, die den gesamten Organismus beeinflusst. Die neuen Erkenntnisse haben eine Aktualisierung der COPD-Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga erforderlich gemacht.

Mannheim. Expertenschätzungen zufolge leiden 10 - 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland an einer COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Die Häufigkeit der COPD ist damit etwa doppelt so hoch wie die des Asthmas. Experten prognostizieren darüber hinaus weltweit eine rasante Zunahme, so dass COPD im Jahr 2020 Platz drei der häufigsten Erkrankungen belegen und damit eine große medizinische Herausforderung darstellen wird.

"In den letzten Jahren hat sich unser Verständnis der Erkrankung COPD grundlegend geändert", so Prof. H. Worth, Fürth, Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga. Wurde die COPD bislang als reine Lungenerkrankung eingestuft, zeigen neuere Untersuchungen, dass die COPD mit einer abnormen Entzündungsreaktion einhergeht, die den gesamten Körper beeinflusst. Die neuen Erkenntnisse haben eine Aktualisierung der COPD-Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga erforderlich gemacht.

Anders als in der ursprünglichen Version der COPD-Leitlinie aus dem Jahr 2002 wird die außergewöhnliche, in erster Linie durch Zigarettenrauch verursachte Entzündungsreaktion jetzt in der Definition der COPD berücksichtigt, so Prof. C. Vogelmeier, Marburg. Diese ausgeprägte Entzündungsreaktion in der Lungenperipherie ist bei allen Schweregraden der COPD nachweisbar. Darüber hinaus wird die COPD in der neuen Leitlinie mit der Entwicklung einer Reihe signifikanter extrapulmonaler Effekten verbunden. Dazu gehören z. B. Gewichtsverlust, Muskelschwäche, Osteoporose, Depression und endokrinologische Störungen. Die COPD wird deshalb heute zunehmend als Systemerkrankung verstanden, die infolge der chronischen Entzündungsvorgänge und der gesteigerten Atemarbeit zu einem erhöhten Energie- und Proteinumsatz mit Folgen für den gesamten Organismus führt, so Prof. Vogelmeier.

Zur Diagnostik empfiehlt die neue COPD-Leitlinie die Erfassung des BODE-Index. Der BODE-Index (B: body-mass-index, O: obstruction, D: dyspnoea, E: exercise capacity) ist ein multidimensionaler Score, der durch Berücksichtigung von FEV1, Atem¬not, körperlicher Belastbarkeit und Körpergewicht einen besseren Prädiktor für die Mortalität darstellt, als die Einsekundenkapazität alleine.

Das Stufenschema der medikamentösen Therapie der stabilen COPD bleibt in der neuen Leitlinie mit Ausnahme des Wegfalls der Stufe 0 nahezu unverändert, da es sich in den vergangenen Jahren bewährt hat. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Behandlung mit lang wirkenden Bronchodilatatoren nicht nur bequemer, sondern auch effektiver ist als der Einsatz von kurz wirksamen Substanzen. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass die Kombination eines lang wirkenden Betamimetikums mit einem lang wirkenden Anticholinergikum die Lungenfunktion effektiver verbessert als die Einzelsubstanzen. Weiter konnte in den letzten Jahren klar herausgearbeitet werden, dass inhalierbare Steroide erst bei einem FEV1 von unter 50 % des Solls und mindestens einer steroid- und/oder antibiotikapflichtigen Exazerbation pro Jahr indiziert sind.

Eine besondere Position in der neuen COPD-Leitlinie nimmt die nicht medikamentöse Therapie ein. Dabei stellt körperliches Training, so Prof. Worth, das am besten evaluierte nicht medikamentöse Therapieverfahren dar. Körperliches Training bei COPD bewirkt eine Minderung der Atemnot, verbessert die Belastbarkeit, verringert die Exazerbationshäufigkeit und steigert die Lebensqualität. Körperliches Training wird in der Langzeittherapie der COPD ab Schweregrad II (mittelgradige COPD) neben der medikamentösen Therapie empfohlen.

Wie beim Asthma sollte auch bei COPD die strukturierte Patientenschulung essentieller Bestandteil des Therapieregimes sein. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Patientenschulung bei COPD die Selbstkontrolle der Erkrankung steigern, die Zahl der Exazerbationen reduzieren, die Lebensqualität steigern und die Krankheitskosten reduzieren kann. Die Deutsche Atemwegsliga verbreitet hierzu das Schulungsprogramm COBRA und bietet qualifizierende Train-the-Trainer-Seminare an.

Das Management von Exazerbationen der COPD wurde in der neuen Leitlinie auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet und ergänzt. Dabei werden Exazerbationen der COPD als ein über die tageszeitlichen Schwankungen der Symptome hinausgehendes Ereignis im Verlauf der Erkrankung definiert. Häufigste Ursachen der Exazerbation sind wahrscheinlich virale und/oder bakterielle Atemwegsinfektionen. Die neue COPD-Leitlinie bewertet den Einsatz von Antibiotika bei Exazerbationen wesentlich detaillierter als in vorangegangenen Fassungen.

Weitere Informationen sind erhältlich bei:
Deutsche Atemwegsliga e. V.
Im Prinzenpalais / Burgstraße
33175 Bad Lippspringe
oder bei
iKOMM o Information und Kommunikation im Gesundheitswesen GmbH
Röntgenstraße 6a
53177 Bonn
Telefon 0228 - 37 38 41
Fax 0228 - 37 38 40
info@ikomm.info

Dr. Ulrich Kümmel | idw
Weitere Informationen:
http://www.ikomm.info
http://www.atemwegsliga.de

Weitere Berichte zu: COPD COPD-Leitlinie Entzündungsreaktion Exazerbation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie