Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schnelltest soll gefährdete Kinder vor Herzkrankheit schützen

06.03.2007
Tödliche Streptokokken enttarnen: Ein europäisch-indisches Forschungsprojekt

Eine Streptokokken-Infektion kann mit einer harmlosen Halsentzündung ausgestanden sein - sie kann aber auch tödliche Gefahr oder lebenslange Schädigung bedeuten. Entscheidend ist dafür meist der jeweilige Bakterienstamm, häufig auch die individuelle Anfälligkeit des Patienten. Wissenschaftler wollen jetzt einen Test entwickeln, mit dem sich die Gefährdung im Einzelfall schnell ermitteln lässt.

Dazu werden sie Patientenproben aus Indien auswerten, wo vor allem Kinder sehr häufig an bedrohlichen Streptokokken-Infektionen erkranken. Das Forschungsprojekt ASSIST, an dem sich Partner aus Europa und Indien beteiligen, wird vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig koordiniert. Die EU fördert es mit 1,5 Millionen Euro.

Experten schätzen, dass Streptokokken-Infektionen jedes Jahr bei rund 600 Millionen Menschen auftreten. Die Mehrzahl kommt mit einer kurzen entzündlichen Erkrankung in Hals oder Rachenraum davon. Fast zwei Millionen Menschen jedoch erleiden alljährlich eine der gefürchteten Komplikationen. Dazu zählen so genannte invasive Erkrankungen, bei denen großflächig Gewebe abstirbt, sowie rheumatisches Fieber, das oft Herzschäden nach sich zieht.

"Die rheumatische Herzerkrankung als Spätfolge einer Streptokokken-Infektion verläuft sehr dramatisch", erklärt Prof. Singh Chhatwal, Bereichsleiter am Helmholtz-Zentrum und Koordinator des ASSIST-Projekts. "Sie befällt vor allem Kinder, und häufig kann nur eine Herzklappen-Transplantation ihr Leben retten." Von den 15 Millionen Kindern weltweit, die an dieser Krankheit leiden, leben 6 Millionen allein in Indien. "Dort fehlt es oft an geeigneten Diagnose-Methoden und an Antibiotika, mit denen man die Krankheit gut auskurieren kann", sagt Chhatwal, der als gebürtiger Inder die Verhältnisse aus eigener Anschauung gut kennt. Anlass zur Hoffnung bietet es, dass nur weniger als zehn Prozent der vielen Streptokokken-Untertypen in der Lage sind, die schweren Komplikationen auszulösen. "Wenn man in einem unkomplizierten Test schnell erkennen könnte, ob jemand mit dem gefährlichen Erreger-Typ befallen ist, dann könnte man sich auf diese Fälle konzentrieren", meint Chhatwal. Und hofft: "Weil das weit weniger sind als die Gesamtzahl der an Streptokokken Erkrankten, wäre vielfach auch in ärmeren Gegenden eine intensive Antibiotika-Therapie möglich."

Die ASSIST-Forscher wollen in den kommenden Jahren Erkenntnisse über die in Indien verbreiteten Streptokokken-Stämme sammeln. Auch angeborene Dispositionen, die Menschen besonders anfällig für die gefährlichen Erreger machen, werden sie dabei untersuchen. Auf der Basis dieser Erkenntnisse soll dann der Schnelltest entwickelt werden. Denkbar wäre etwa ein Verfahren zum Nachweis bestimmter Oberflächen-Moleküle oder Gene, die nur bei den gefährlicheren Keimen auftreten. Die Datengrundlage liefert Patientenmaterial von der gefährdetsten Altersgruppe in der meistbetroffenen Gegend der Welt: "Die indischen Projektpartner", erklärt Chhatwal, "werden Rachenabstriche von 25 000 indischen Schulkindern nehmen und auswerten."

Das Forschungsprojekt ASSIST

ASSIST ist eine Abkürzung und setzt sich aus einigen Anfangsbuchstaben des vollen Projektnamens zusammen: "Comprehensive approach to understand streptococcal diseases and their sequelae to develop innovative strategies for diagnosis, therapy, prevention and control". Projektpartner sind neben dem Helmholtz-Zentrum das Karolinska Institut Stockholm (Schweden), die University of St. Andrews (Großbritannien) sowie drei indische Einrichtungen: Das Postgraduate Institute of Medical Education in Chandigarh, das Christian Medical College in Vellore und das All Indian Institute of Medical Sciences in New Delhi. Die EU unterstützt ASSIST im Rahmen ihres Programms "Specific measures in support of international cooperation" (INCO).

Manfred Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de/de/presse_und_oeffentlichkeit/pressemitteilungen/

Weitere Berichte zu: Schnelltest Streptokokken-Infektion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics