Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aus für Fruchtfälscher: Lebensmitteltechnologen der Universität Hohenheim schließen Kontroll-Lücke

06.03.2007
Joghurt, Marmelade, Fruchtpüree: Bislang waren Käufer auf die Ehrlichkeit der Lebensmittelindustrie angewiesen. Doch ein neues Verfahren kann endlich auch schwarze Schafe überführen.

Mehr Farbe als Frucht, Kürbis- statt Pfirsich-Püree - beim Früchteverfälschen hatten schwarze Schafe bislang einen Freifahrtschein. Denn obwohl der Gesetzgeber genau geregelt hat, wie viel Frucht tatsächlich in Lebensmitteln enthalten sein muss, gab es bislang kein Verfahren, das auch zu überprüfen. Mit einem technischen Kniff ist es den Lebensmitteltechnologen der Universität Hohenheim nun gelungen, die Kontroll-Lücke zu schließen, meldet die ZDF-Umwelt-Redaktion im Rahmen der Lebensmittel-Reihe "Was wir essen" am Sonntag, 11. März, ab 13:15 Uhr.

Das Foto erntefrischer Erdbeeren auf dem Joghurt suggeriert nicht nur authentischen Geschmack, er ist auch gesetzlich vorgeschrieben. Mindestens 3,5 Prozent Fruchtanteil müssen diese Becher enthalten.

Weiteren Aufschluss gibt das Kleingedruckte: "Joghurt mit Früchten" muss volle 6 Prozent Fruchtanteil haben, bei "Joghurt mit Fruchtzubereitung" reichen 3,5 Prozent, noch weniger ist es beim "Joghurt mit Fruchtgeschmack".

Was wirklich drin war, blieb allerdings Geheimnis der Hersteller. "Es gab Kontrollversuche, bei denen man den Joghurt durch feine Siebe spülte und nachwog, was übrig blieb", erklärt Prof. Dr. Reinhold Carle, Experte für pflanzliche Lebensmittel am Institut für Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie der Universität Hohenheim. "Die Methode war aber unzuverlässig, weil kleine Fruchtstückchen oder Fruchtmus das Sieb passierten", erklärt Prof. Dr. Reinhold Carle. Zudem leidet die Stückigkeit der Früchte durch Erhitzen und beim Pumpen der Produkte.

Bei seinem neuen Verfahren bediente sich Prof. Dr. Carle deshalb eines einfachen Kniffs: statt nach Früchten zu fischen, fahnden sie in einer chemischen Analyse nach Hemicellulose - einem typischen Bestandteil der Zellwände von Früchten, der in den Zellwänden von Früchten zu finden ist. "Damit können wir genau ausrechnen, wie hoch der tatsächliche Fruchtanteil ist."

Mit einer Zuckeranalyse kommt der Lebensmittelfachmann auch den Betrügern auf die Spur, die statt teuren Früchten billigen Ersatz verwenden. "Jede Frucht hat - wie wir Menschen auch - einen bestimmten "Fingerabdruck" - nur, dass der bei Früchten aus der Mischung verschiedener Zucker der Hemicellulose besteht. Durch die Zuckeranalyse können wir überprüfen, ob jemand statt teuren Aprikosen die günstigeren Pfirsiche oder gar Kürbis verarbeitet", sagt Prof. Dr. Carle.

Zur Anwendungsreife entwickelt muss das Verfahren jetzt nun noch den Weg in die Praxis finden. "Das Interesse ist hoch", hat Prof. Dr. Carle schon bestätigt bekommen. "Nicht nur bei Kontrollbehörden, sondern auch bei Molkereien, die sich bislang nur auf die Angaben ihrer Zulieferer verlassen mussten."

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Berichte zu: Joghurt Lebensmitteltechnologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie