Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Angriff auf Grippeviren

22.02.2001


... mehr zu:
»Grippevire »Protein »Virus
Publikation in der März-Ausgabe von "Nature Cell Biology" - Gießener Virologe als Erstautor

Influenza A Viren stellen nach wie vor eine große Bedrohung für Mensch und Tier dar und sind für Tausende von Toten jährlich und ca. 65 Prozent aller weltweiten Grippefälle verantwortlich. Dabei entzieht sich das Virus immer wieder der Immunabwehr durch ständiges Ändern seines äußeren Erscheinungsbildes. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir uns jedes Jahr neu impfen lassen müssen. Antikörper, die gegen den Impfstoff vom letzten Jahr gebildet wurden, sind gegen die neuen Virus-Varianten unwirksam. Einen Weg, wie ein wirksamer Angriff auf Grippeviren gestartet werden könnte, hat ein Team aus Forschern von der JLU Gießen und der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg jetzt gefunden.

Die Virologen Dr. Stephan Pleschka (Institut für Virologie, Fachbereich 10 - Veterinärmedizin an der JLU Gießen) und Dr. Stephan Ludwig (Julius-Maximilians Universität Würzburg, vormals Gießen) sowie die Kollegen Dr. Thorsten Wolff (Robert-Koch Institut Berlin) und Dr. Oliver Planz (Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere, Tübingen) publizieren diese Forschungsergebnisse in der März-Ausgabe von "Nature Cell Biology", einer der Nature-Monatsschriften. Erstautor der Publikation "Influenza virus propagation is impaired by inhibition of the Raf/MEK/ERK signalling cascade" ist Dr. Pleschka. Am 15. Februar 2001 hat das Fachblatt die Forschungsergebnisse bereits in seiner Online-Ausgabe vorab bekannt gemacht. Auf den Wissenschafts-Internet-Seiten der britischen BBC News und Science war den deutschen Forschern einen Tag später die Titelstory gewidmet.

Das Forscherteam arbeitete mit einem Hemmstoff, der - anders als ein Impfstoff - die Viren nicht direkt angreift. Statt dessen blockierten die Virologen einen Signalweg in den Zellen, auf den die Viren offenbar angewiesen sind. Dies funktionierte folgendermaßen: Für seine Vermehrung ist das Virus auf eine lebende Zelle angewiesen, die infiziert und zur ausschließlichen Produktion neuer Viren umprogrammiert wird. Dabei ist das Virus von unterschiedlichen Leistungen der Zelle abhängig. Die Virologen versuchten nun, solche Abhängigkeiten zu identifizieren, die theoretisch für alle Influenza A Viren gelten sollten. Sie untersuchten, was die Blockade dieser Mechanismen für die Virusvermehrung bedeutet. Dabei zeigte sich, dass ein zelluläres Protein, die MEK-Kinase, durch die Virusvermehrung aktiviert wird und für einen essenziellen Transportschritt bei der Virusbildung notwendig ist. Wird dieses Protein durch eine chemische Substanz (Inhibitor) blockiert, nimmt die Zahl der neu gebildeten Influenza A Viren deutlich ab.

Bis zur Entwicklung eines Medikaments, so erläutert Dr. Pleschka, ist es noch ein langer Weg, da die MEK-Kinase normalerweise eine wichtige Funktion in der Zelle ausübt. Auch sind andere Stoffe bekannt, die die Virusvermehrung behindern. Aber eine Optimierung des Inhibitors biete hier grundsätzlich neue Möglichkeiten.

Kontaktadresse:
Dr. Stephan Pleschka
Institut für Virologie der JLU Gießen
Frankfurter Str. 107
35392 Gießen
Tel.: 0641/99-38391/38351 (Sekr.)
Fax: 0641/99-38359
E-Mail: Stephan.Pleschka@mikro.bio.uni-giessen.de

Charlotte Brückner-Ihl | idw

Weitere Berichte zu: Grippevire Protein Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie