Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europa kämpft gegen die Epilepsie

26.02.2007
Uni Bonn beteiligt sich an internationalem Verbundprojekt

Es ist ein Projekt, in das Forscher wie Betroffene viel Hoffnung setzen: 29 Arbeitsgruppen aus 12 europäischen Ländern wollen in den nächsten vier Jahren unter anderem neue Therapien gegen Epilepsie entwickeln. Zehn Millionen Euro stellt die EU für das Verbundprojekt zur Verfügung, an dem auch das Uniklinikum Bonn beteiligt ist.

Epilepsie ist die häufigste neurologische Erkrankung; unter 1.000 Menschen sind im Schnitt fünf bis zehn Betroffene. Prominente Patienten waren beispielsweise Julius Caesar, Agatha Christie oder Alfred Nobel. Die Krampfanfälle treten in der Regel plötzlich auf und kündigen sich nicht an. Da Epileptiker bei einem Anfall das Bewusstsein verlieren, dürfen viele von ihnen kein Auto fahren und auch manche Berufe nicht ergreifen.

Mögliche Ursache einer Epilepsie sind Hirnerschädigungen wie beispielsweise Tumore. Oft liegt das Krampfleiden aber auch in der Familie: Inzwischen konnte die Wissenschaft bereits einige Erbanlagen identifizieren, die die Erkrankung auslösen. Bei anderen Epilepsie-Varianten vermutet man zwar eine erbliche Komponente; welches Gen genau betroffen ist, weiß man aber nicht.

... mehr zu:
»Epilepsie

"Es gibt viele verschiedene Formen der erblichen Epilepsie", erklärt der Bonner Epileptologe Professor Dr. Heinz Beck. "Jede Form wird durch andere Fehler im Erbgut ausgelöst." Erster Schritt bei der Gensuche ist es daher, möglichst viele Patienten zu finden, die unter einer bestimmten Epilepsie-Variante leiden. "Dabei hilft uns das EU-Projekt", erklärt Beck. "Schließlich arbeiten darin so viele medizinische Zentren zusammen, dass es viel einfacher wird, eine entsprechend große homogene Gruppe von Betroffenen zu finden."

Schlüsselrolle der Bonner Epileptologie

Die Bonner Epileptologie spielt bei dem EU-Projekt eine Schlüsselrolle. Patienten mit schweren Krampfanfällen, die sich auch medikamentös nicht in den Griff bekommen lassen, können sich hier nämlich einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Dabei entfernen Hirnchirurgen vorsichtig den Anfallsherd. "Das kranke Nervengewebe eignet sich natürlich hervorragend, um beispielsweise neue Epilepsie-Medikamente zu testen", erklärt Professor Beck. Die EU-Forscher wollen mit derartigen Gewebe-Experimenten auch herausfinden, warum manche Patienten auf Wirkstoffe ansprechen, andere dagegen nicht. Vermutlich sind dafür wiederum genetische Faktoren ausschlaggebend.

Viele ihrer Erkenntnisse verdanken die Epileptologen Versuchen mit epilepsiekranken Ratten oder Mäusen. Die Interpretation derartiger Studien ist aber oft schwierig: Nicht immer lassen sich die Ergebnisse einfach vom Tier auf den Menschen übertragen. "Auch in dieser Beziehung erhoffen wir uns Fortschritte", sagt Heinz Beck. "Wir wollen überprüfen, wie gut die heutigen Tiermodelle zum Krankheitsbild im Menschen passen und wie man sie gegebenenfalls verbessern könnte."

Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Beck
Life and Brain Center der Universität Bonn
Telefon: 0228/6885-270
E-Mail: Heinz.Beck@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Epilepsie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie