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Gesundheit am Arbeitsplatz

21.02.2002


Vertragsunterzeichnung zur Einrichtung der Stiftungsprofessur


Auch am Arbeitsplatz können vielfältige gesundheitliche Gefährdungen lauern. Durch Langzeitbeobachtungen in unterschiedlichen Industrieunternehmen und anderen Betrieben Zusammenhänge zwischen der Arbeitsumwelt und der Entstehung unterschiedlichster Erkrankungen zu erkennen, ist Ziel der Arbeitsepidemiologie. Die am Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin des Universitätsklinikums Münster (UKM) seit vielen Jahren betriebenen intensiven Forschungsaktivitäten auf diesem in Deutschland noch nicht ausreichend entwickelten Gebiet und die dabei in vielen Bereichen enge Kooperation mit der Degussa AG werden jetzt durch die Einrichtung einer Stiftungsprofessur nachhaltig gestärkt und weiter vorangetrieben.

Die Degussa AG stellt für diese Förderung des zukunftsweisenden Forschungsbereichs in Münster ab dem Sommersemester 2002 für die Dauer von fünf Jahren einen jährlichen Betrag in sechsstelliger Höhe zur Verfügung. "Mit der Stiftungsprofessur wird es möglich sein," so der Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin Prof. Dr. Ulrich Keil, "das gerade für eine Industrienation wichtige Gebiet der Arbeitsepidemiologie zu stärken und darauf hinzuwirken, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kleinerer und größerer Industrieunternehmen vor schädlichen Einwirkungen am Arbeitsplatz besser geschützt werden." Am 21.Februar 2002 wurde der Vertrag zur Einrichtung der Stiftungsprofessur unterzeichnet; Teilnehmer waren Dr. Dieter Kerner, Dr. Reinhard Stober und Dr. Rudolf Weinand von der Degussa AG sowie der Rektor der Universität Münster Prof. Dr. Jürgen Schmidt, Prorektor Prof. Dr. Normann Willich, der Dekan der Medizinischen Fakultät Prof. Dr. Clemens Sorg, der Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Münster Prof. Dr. Karl Heinz Rahn sowie Prof. Keil. Wie dieser anlässlich der Vertragsunterzeichnung betonte, verspricht er sich von der Stiftungsprofessur auch einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Forschung nach den Ursachen chronischer Erkrankungen, wie insbesondere von Krebs- und Atemwegserkrankungen.

Epidemiologische Studien an beruflich exponierten Populationen eröffnen nach Worten Keils die Möglichkeit, Personen, die in engem und oft intensiven Kontakt mit potenziell gefährlichen Substanzen stehen oder anderen gesundheitsgefährdenden Belastungen ausgesetzt sind, über längere Zeit zu beobachten und das Krankheitsgeschehen in diesen Gruppen abzuschätzen.
Expositionen gegenüber physikalischen und chemischen gesundheitsschädigenden Faktoren in Betrieben und Industrieunternehmen sind normalerweise stärker als in der allgemeinen Umwelt und erstrecken sich meist über längere Zeiträume. Mögliche gesundheitsschädliche Effekte einer Exposition auf den Menschen können daher laut Keil am ehesten in einer beruflich exponierten Population entdeckt werden.

"Die Beobachtung und Überwachung von beruflich exponierten Personen erlaubt, ungewöhnliche Krankheitsmuster zu entdecken und somit Rückschlüsse auf vermutete und unvermutete gefährliche Expositionen beziehungsweise Arbeitsbedingungen zu ziehen", erklärt der münstersche Epidemiologe einen wichtigen Nutzen der Arbeitsepidemiologie. Zudem führen Befunde aus epidemiologischen Studien in Betrieben seinen Angaben zufolge häufig dazu, verdächtige Substanzen im Laborexperiment weiter zu untersuchen. Meist gehen die Befunde der Epidemiologie denen der Grundlagenforschung um Jahre oder gar Jahrzehnte voraus. Als Beispiele hierfür verweist Keil auf die krebsauslösenden Wirkungen von aromatischen Kohlenwasserstoffen und Asbest.

Ein besonderer Vorteil epidemiologischer Studien in Betrieben liegt darin, die Wirkungen komplexer Expositionen und Arbeitsbedingungen abschätzen zu können. So entstehen zum Beispiel in der chemischen Industrie Hunderte von Zwischenprodukten, deren genauere Zusammensetzung und Gefährlichkeit nicht bekannt sind. Im Labor können diese Situationen nicht nachvollzogen werden. Eine epidemiologische Studie kann aber - wenn auch nicht immer einzelne Substanzen - so doch gefährliche Arbeitsplätze und Produktionsweisen identifizieren.

Von größter Bedeutung sind die Ergebnisse epidemiologischer Studien für die Anerkennung bestimmter Krankheitsbilder als Berufskrankheiten und für das gesamte Entschädigungswesen der Berufsgenossenschaften. Das Fehlen epidemiologischer Daten kann dazu führen, dass bestimmte chronische Krankheiten nicht als berufsbedingt anerkannt und einzelnen Arbeitern oder ihren Angehörigen die zustehende Entschädigung vorenthalten wird. Der Arbeitsepidemiologie kommt für die Erforschung der Ursachen von Krebs laut Keil große Bedeutung zu, weil häufig bestimmte Berufsgruppen den höchsten Expositionen gegenüber krebsauslösenden Substanzen, wie zum Beispiel Nitrosaminen, ausgesetzt sind und Studien an diesen so exponierten Gruppen Erkenntnisse über die Ursachen von Krebs erwarten lassen, die nicht nur der betreffenden Berufsgruppe, sondern auch der Allgemeinbevölkerung zugute kommen.

Die Frage nach dem Beitrag der Arbeitsumwelt zur Krebsentstehung bildet traditionell einen Schwerpunkt der Arbeitsepidemiologie. Um die Gesundheitsförderung und Prävention in Betrieben zu verbessern, muss die Arbeitsepidemiologie, wie Keil betont, aber auch auf weiteren Gebieten aktiv sein. Er verweist in diesem Zusammenhang auf Unfälle und Verletzungen, Lärmexposition, Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates, Hauterkrankungen, Asthma und allergische Erkrankungen und Fertilitätsstörungen, sowie auf die Früherkennung von Gefährdungen und Krankheiten durch gezielten Einsatz biologischer Marker - breite Forschungsfelder also, die mit Unterstützung der Stiftungsprofessur jetzt in weitaus größerem Maßstab als bisher in Münster vorangetrieben werden können.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://medweb.uni-muenster.de/institute/epi/

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