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Weltweit erstmalig: MHH-Chirurgen transplantieren dem selben Patienten die vierte Lunge

21.02.2007
41-Jähriger leidet an pulmonaler Hypertonie / Patient fühlt sich in MHH gut aufgehoben

Zum ersten Mal haben Chirurgen der Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bei dem selben Patienten die vierte Lungentransplantation vorgenommen. "Wir sind mit dem Ergebnis dieser Operation sehr zufrieden", sagt Privatdozent Dr. Martin Strüber, Leiter des Bereichs Transplantation der Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirugie, der mit seinem Team die Operation durchgeführt hat.

Der Patient Kai-Uwe Hergenhan ist nach seiner Operation am 6. Februar 2007 wohlauf. Er litt an einer Lungenhochdruckerkrankung (pulmonale Hypertonie), bei der die Lunge langfristig beschädigt wird. Die Krankheit wurde bei ihm im Jahr 1990 diagnostiziert. Die durchschnittliche Lebenserwartung ohne Therapie beträgt drei Jahre ab dem Zeitpunkt der Diagnose. Der 41-jährige Familienvater aus Schmalkalden erhielt erstmals 1992 einen Lungenflügel. Bereits eineinhalb Jahre später verpflanzten ihm MHH-Chirurgen eine ganze Lunge. Die nächste Transplantation erfolgte 1998.

"Durchschnittlich überleben die Patienten eine Lungentransplantation sechs bis sieben Jahre", sagt Professor Dr. Axel Haverich, Direktor der Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirugie. Bei Kai-Uwe Hergenhan lag allerdings eine besondere Situation vor. Sein Organismus zeigte nach der ersten Lungenflügel-Verpflanzung heftige Abstoßungsreaktionen gegen das neue Organ. Dieser Entzündungsvorgang führte zu Veränderungen des Lungengewebes. Daraus resultierte eine Verengung der kleinsten Luftwege: Die Patienten können nicht mehr normal atmen, bekommen zu wenig Sauerstoff. Nur eine erneute Transplantation kann ihnen helfen. "Befürchtungen, dass eine neue Lunge schneller abgestoßen wird als das erste Transplantat, haben sich nicht bewahrheitet", sagt Dr. Strüber. Neueste Zahlen aus der MHH belegen: Bei einer erneuten Transplantation sei die Überlebensrate genau so hoch wie bei der ersten Verpflanzung. Die Operation ist aber weitaus komplizierter: Die transplantierten Organe verwachsen im Brustkorb, es entsteht vernarbtes Gewebe, das alte Transplantat ist deshalb schwieriger zu entfernen; gleichzeitig müssen die Nerven und Gefäße erhalten beiben.

Die Vergabe der Organe Verstorbener koordiniert die Stiftung Eurotransplant. Im Jahr 2005 wurden in Deutschland 3.777 Organe nach dem Tode gespendet. 1988 verpflanzte Professor Dr. Axel Haverich in der MHH bei einem Patienten erstmals eine Lunge. Seitdem haben MHH-Chirurgen der Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie 920 dieser Organe transplantiert, 70 Re-Transplantationen führten die MHH-Mediziner bislang durch; eine Patientin erhielt dreimal eine neue Lunge. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit 253 Lungentransplantationen, 101 davon wurden in Hannover durchgeführt.

Damit der Körper das Transplantat nicht abstößt, muss der Patient sein Leben lang so genannte Immunsuppressiva einnehmen - Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Voraussichtlich am 23. Februar 2007 wird Kai-Uwe Hergenhan die MHH verlassen, damit er den Geburtstag seiner zweiten Tochter mitfeiern kann - sie wird am 26. Februar sechs Jahre alt. Seine ältere Tochter ist 18 Jahre alt. "Ich fühle mich in der MHH gut aufgehoben und habe zu den Ärzten vollstes Vertrauen", sagt Kai-Uwe Hergenhan wenige Tage vor seiner Entlassung.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Martin Strüber, strueber.martin@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-3435.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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