Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erhöhtem Übertragungsrisiko des BSE-Erregers zw. Menschen

28.03.2001


... mehr zu:
»BSE-Erreger »Blutspende
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erhöhtem Übertragungsrisiko des BSE-Erregers zwischen Menschen:
Zahlreiche vorbeugende Maßnahmen des Paul-Ehrlich-Instituts zur Sicherheit von Blut und Blutprodukten

In einer Veröffentlichung vom gestrigen Tag zeigen französische und britische Wissenschaftler, dass sich der Erreger der bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE, "Rinderwahnsinn"), wenn er einmal auf den Menschen übertragen wurde, an ihn anpassen kann (Proc.Natl.Acad.Sci. U.S.A. Vol. 98, S. 4142-4147, 2001). Diese Anpassung erleichtert seine Übertragung von einem Menschen auf den nächsten.
Die französischen und britischen Forscher zeigen auch, dass die Übertragung nicht nur dann erfolgreich ist, wenn infektiöses Gehirnmaterial in das Gehirn der Versuchstiere gespritzt wird (der übliche experimentelle Weg), sondern auch dann, wenn das Gehirnmaterial in die Blutbahn gegeben wird (was ja bei ärztlichen Behandlungen nicht beabsichtigt ist). Beide Befunde zusammen, die erleichterte Übertragung durch die Anpassung des Erregers und die erfolgreiche Übertragung durch die Blutbahn, geben Anlass zu der Sorge, dass die durch den BSE-Erreger verursachte menschliche Erkrankung (Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, vCJK) durch Arzneimittel menschlichen Ursprungs, insbesondere durch Blut und Blutprodukte, übertragen werden kann.
"Diese Sorge wird von uns geteilt", betont Prof. Johannes Löwer, der Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts, das in Deutschland für die Zulassung solcher Arzneimittel zuständig ist. "Aus diesem Grunde wurden bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Sie sind vor dem Hintergrund zu sehen, dass in Deutschland bisher keine Fälle von vCJK aufgetreten sind und dass bisher weltweit keine Übertragungen von vCJK oder den klassischen Formen der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit durch Blut und Blutprodukte beobachtet wurden."
Folgende Maßnahmen wurden in den vergangenen Jahren bereits ergriffen:
1. Rückruf von Blutprodukten, wenn sich herausstellt, dass einer der Spender nach der Spende an vCJK erkrankt ist.
2. Ausschluss von Blut und Plasma aus Großbritannien, wo bisher die bei weitem größte Zahl an vCJK-Fällen (95 Fälle, Stand:
5. März 2001) aufgetreten ist.
3. Ausschluss von potenziellen Spendern, die sich durch einen Aufenthalt von mindestens einem halben Jahr in Großbritannien zwischen 1980 und 1996 unwissentlich der Infektion mit dem BSE-Erreger ausgesetzt haben könnten. (Pressemitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts vom 14.11.2000)
4. Entfernung der weißen Blutkörperchen ("Leukozyten") aus Blutspenden, da es Hinweise darauf gibt, dass die Erreger, wenn sie im Blut vorkommen, wahrscheinlich vorwiegend mit den weißen Blutkörperchen assoziiert sind. (Pressemitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts vom 09.03.2000)
Andere Maßnahmen, z.B. der Ausschluss von Spendewilligen, die selbst einmal eine Transfusion erhalten hatten, werden derzeit erwogen. Bei einer Entscheidung ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich bei Blut und Blutprodukten in den meisten Fällen um lebenswichtige und daher unverzichtbare Arzneimittel handelt und dass bereits heute ein deutlicher Mangel an Blutspenden besteht.
Abschließend rät Prof. Löwer, Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts: "Alle Ärzte sollen in Ihrem Bemühen fortfahren, Blut und Blutprodukte nur dann einzusetzen, wenn sie unbedingt notwendig sind. Dabei ist dem Prinzip des "optimal use", nicht dem des "maximal use" zu folgen. Patienten aber sollten nicht leichtsinnig ihr Leben aufs Spiel setzen und Blut und Blutprodukte wegen eines theoretischen Infektionsrisikos ablehnen, wenn sie sie wirklich brauchen. Und schließlich sollen sich zur Blutspende alle die aufgerufen fühlen, die die Auswahlkriterien erfüllen. Ihr Blut wird dringend benötigt, insbesondere dann, wenn als Vorsichtsmaßnahme weitere Ausschlusskriterien eingeführt werden müssten."

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Susanne Stöcker | idw

Weitere Berichte zu: BSE-Erreger Blutspende

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neues Verfahren zur Inprozesskontrolle in der Warmumformung

18.08.2017 | Verfahrenstechnologie

Auf dem Weg zu künstlichem Gewebe- und Organersatz aus dem 3D-Drucker

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten