Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäisches Netzwerk zu neuromuskulären Erkrankungen gegründet

20.02.2007
21 Partner aus elf europäischen Ländern verbünden sich, um die Versorgung von rund 200.000 Patienten in Europa zu verbessern

Führende Ärzte und Wissenschaftler in Europa gründen ein Europäisches Netzwerk zur verbesserten Versorgung und Behandlung von Tausenden von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen.

Forscher an den Universitätskliniken in Freiburg und München koordinieren im Rahmen dieses von der Europäischen Gemeinschaft mit zehn Millionen Euro geförderten Netzwerks die Planung und Durchführung von klinischen Studien, sowie die Vernetzung von Biobanken und Patientenregistern. Am 18. und 19. Januar 2007 fand in Evry bei Paris die Eröffnungsveranstaltung des Netzwerks TREAT-NMD (Translational Research in Europe - Assessment and Treatment of Neuromuscular Diseases) statt, an der mehr als 100 Ärzte, Wissenschaftler und Patientenvertreter aus aller Welt teilnahmen.

TREAT-NMD (www.treat-nmd.eu) vereint 21 Partner aus elf europäischen Ländern (Großbritannien, Spanien, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Belgien, Niederlande, Italien, Finnland, Schweden und Ungarn). Partner sind dabei Universitätskliniken, Forschungsinstitute, Patientenorganisationen, bestehende nationale Netzwerke und Biotechnologie-Firmen mit einem Interesse an Muskelerkrankungen. Deutscher Partner des neuen europäischen Forschungsverbunds ist das bereits vor einigen Jahren gegründete und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte Muskeldystrophie Netzwerk (www.md-net.org), dem auch die Universitätskliniken Freiburg und München angehören.

Von neuromuskulären Erkrankungen sind in Europa mehr als 200.000 und in Deutschland etwa 40.000 Menschen betroffen. Zu dieser Gruppe von Erkrankungen gehören viele verschiedene Krankheitsbilder, die entweder die Muskeln selbst oder die den Muskel versorgenden Nerven betreffen. Meist führen die Erkrankungen zu chronischen motorischen Behinderungen, die bei Beteiligung der Atem- und Herzmuskulatur auch tödlich verlaufen können. Leider stehen bislang für die wenigsten dieser Patienten effektive, ursächlich wirksame Medikamente zur Verfügung. Die Entwicklung neuer Therapien ist aufgrund der relativen Seltenheit der Erkrankungen für die Pharmaindustrie häufig unattraktiv und nur Länder-übergreifend möglich ("orphan disease").

Ziel des von Prof. Kate Bushby und Prof. Volker Straub aus Newcastle (England) koordinierten Netzwerkes TREAT-NMD ist eine engere Zusammenarbeit führender internationaler Experten, um die Entwicklung neuer und verbesserter Therapien für Erkrankungen wie die Spinale Muskelatrophie und die Muskeldystrophie Duchenne zu ermöglichen und zu beschleunigen.

In Freiburg sind Prof. Rudolf Korinthenberg und Dr. Janbernd Kirschner am Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin der Universitätsklinik für die europaweite Koordination von Therapiestudien für neuromuskuläre Erkrankungen verantwortlich. Da die einzelnen Erkrankungen selten sind, soll durch eine enge europäische Zusammenarbeit die Möglichkeit geschaffen werden, neue Behandlungsansätze und Therapien möglichst rasch auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Unterstützt werden die Forscher in Freiburg dabei vom Zentrum für Klinische Studien (ZKS) unter der Leitung von Prof. Herbert Maier-Lenz.

Am Friedrich-Baur-Institut in München werden unter der Leitung von Prof. Hanns Lochmüller Strukturen geschaffen, die dazu beitragen sollen, standardisierte Biomaterialien von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen zur Verfügung zu stellen, um neue Therapieansätze in der Zellkultur auf ihre Wirksamkeit hin testen zu können. Des Weiteren wird an der Erstellung von multinationalen Patientenregistern gearbeitet, die die Planung und Rekrutierung klinischer Studien erleichtern werden.

Die beteiligten Kliniker und Wissenschaftler aus ganz Deutschland hoffen, im europäischen Verbund einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Therapiemöglichkeiten für diese zwar seltenen aber oft verheerend verlaufenden Nerven- und Muskelerkrankungen zu leisten.

Silvia Hornkamp, Mutter eines Jungen mit Duchenne Muskeldystrophie, sagt: "Unser Ziel ist erst dann erreicht, wenn unsere Kinder nicht mehr an der Muskeldystrophie sterben müssen. Der europaweite Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Ärzten macht uns glücklich und gibt uns neue Hoffnung auf zeitnahe Fortschritte in der Therapieforschung."

Kontakt:
Prof. Dr. Rudolf Korinthenberg
Tel.: 0761/270-4315
Fax: 0761/270-4475
E-Mail: rudolf.korinthenberg@uniklinik-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.treat-nmd.eu
http://www.md-net.org

Weitere Berichte zu: Duchenne Muskeldystrophie Muskelerkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie