Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Charité und HMI sichern Protonentherapie in Berlin. Augentumorpatienten haben weiter Chance auf rettende Behandlung

19.02.2007
Ein Kooperationsvertrag zwischen der Charité - Universitätsmedizin Berlin und dem Hahn-Meitner-Institut Berlin (HMI) rettet jetzt die Protonentherapie zur Behandlung von Augentumoren. Damit bleibt der einzige Standort in Wannsee erhalten, an dem in Deutschland die besonders wirksame Protonentherapie in der Augenheilkunde eingesetzt wird. Aufgrund politischer Entscheidungen wurde das Ionenstrahllabor des Hahn-Meitner-Instituts zum 31. Dezember 2006 geschlossen.

Der jetzige Vertrag sieht wesentliche Neuerungen der Zusammenarbeit vor: Die Charité übernimmt die Medizinphysiker des HMI, welche die aufwändige Planung der Strahlführung berechnen. Das HMI führt keine eigenen Forschungsarbeiten an der Beschleunigeranlage mehr durch. Sie steht nun ausschließlich für die Behandlung von Augentumorpatienten zur Verfügung. Aus diesem Grund wird die betriebswirtschaftliche Steuerung von der Charité übernommen, hierzu zählt auch der Aufbau eines nationalen und internationalen Netzwerkes an Partnerkliniken. Wie bisher wird die Augenklinik des Charité Campus Benjamin Franklin die medizinischen und organisatorischen Aspekte der Behandlung verantworten, während das Hahn-Meitner-Institut den Protonenstrahl bereitstellt.

Forschungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner betonte: "Das ist ein guter Tag für Berlin, für die Wissenschaftsmetropole ebenso wie für die Gesundheitsstadt, vor allem aber für die Menschen in dieser Stadt und darüber hinaus. Denn die in Deutschland bislang einzigartige, innovative Tumortherapie wird hier am HMI-Standort Wannsee fortgeführt. Neben dem unmittelbaren Nutzen, den die gesicherte Fortführung der Protonentherapie von Augentumoren durch den Kooperationsverbund Charité/HMI für das Gemeinwohl hat, entfaltet der damit einhergehende Know-how-Erhalt im Hinblick auf das geplante Partikeltherapiezentrum noch eine weiterreichende, insbesondere für den Medizinstandort Berlin nützliche Wirkung. Mein Dank gilt dem HMI, der Charité und der Bundesregierung für ihr Engagement und ihr Entgegenkommen."

"Wir freuen uns, dass unsere Ressourcen, die wir hier in Berlin aufgebaut haben, weiter genutzt werden können. Immerhin haben wir einen Standard erreicht, der sich weltweit sehen lassen kann", sagt Professor Michael Steiner, wissenschaftlicher Geschäftsführer des HMI. Bei dem Verfahren der Protonentherapie werden Protonen, Kerne von Wasserstoffatomen, mit einem Teilchenbeschleuniger zu einem Strahl gebündelt. Anders als beim Einsatz von Gamma- oder Elektronenstrahlen kann man damit sehr zielgenau Tumoren entfernen, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu beschädigen. So kann die Sehkraft eines Auges auch dann gerettet werden, wenn sich der Tumor in heiklen Bereichen wie in der Nähe des Sehnervs oder der Netzhaut befindet. Überwiegend werden so Aderhautmelanome behandelt, die als bösartige Tumoren das Augenlicht und Leben des Patienten gefährden. Seit 1998 hat die Charité am Berliner Hahn-Meitner-Institut in Wannsee über 800 Patienten aus ganz Deutschland sowie dem europäischen Ausland behandelt.

Für deutsche Patienten bedeutet der Erhalt der Beschleunigeranlage, dass sie sich weite Behandlungswege nach Frankreich oder in die Schweiz ersparen können. Aber auch für Patientenkreise im Ausland dürfte der Standort Berlin attraktiv sein. Die Charité - Universitätsmedizin Berlin setzt auf die Erschließung neuer Märkte, insbesondere auch in Osteuropa. "In erster Linie geht es darum, auch im internationalen Raum bekannt zu machen, dass es an der Charité so ein effizientes therapeutisches Verfahren gibt", erklärt Prof. Detlev Ganten, Vorstandsvorsitzender der Charité. Und Prof. Michael Foerster, Leiter der Klinik für Augenheilkunde am Campus Benjamin Franklin und Pionier auf dem Gebiet der Protonentherapie, ergänzt: "Neueste Auswertungen belegen, dass die Heilungserfolge aufgrund unserer langjährigen Erfahrung weltweit gesehen in der Spitzengruppe liegen - ein Qualitätskriterium, das für Patienten und Krankenkassen immer wichtiger wird."

Die Anlage im Hahn-Meitner-Institut eignet sich aufgrund ihrer Strahlstärke insbesondere für Augentumore. Für Tumorerkrankungen an anderen Organen ist ein "Zentrum für Partikeltherapie" geplant, mit dem die Charité kooperieren wird.

Kontakt:
Kerstin Endele
Leiterin Geschäftsbereich Unternehmenskommunikation
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Tel.: 030 - 450 570 401
kerstin.endele@charite.de
Dr. Ina Helms
Pressesprecherin Hahn-Meitner-Institut Berlin
Tel 030 - 8062 2034
ina.helms@hmi.de

Kerstin Endele | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie