Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautkrebs: Tumor-Impfung wirksamer als Chemotherapie?

14.02.2001


Ein Schubs für das Immunsystem

Mannheim (so) - Klinische Studien haben gezeigt, dass bei Patienten mit Nierenzellkrebs und Hautkrebs eine Tumor-Impfung wirksam sein kann. Das Impf-Prinzip: So genannte Killerzellen werden mobilisiert, um die Geschwulst zu vernichten. Dadurch hören die Tumoren auf zu wachsen, verkleinern sich oder verschwinden bestenfalls sogar. Doch bislang wurden erst sehr wenige Krebs-Patienten geimpft. Außerdem fehlt es an direkten Vergleichen zu anderen Behandlungsformen. Erstmals wird jetzt die Wirksamkeit einer therapeutischen Impfung gegen Hautkrebs in einer klinischen Studie mit dem Effekt einer Chemotherapie verglichen. Deutschlandweit werden in sechs Universitätskliniken 240 Melanom-Patienten, bei denen der Tumor bereits gestreut hat, über einen Zeitraum von zwei Jahren chemo- oder immuntherapeutisch behandelt. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das insgesamt vier Jahre dauernde Projekt mit über zwei Millionen Mark.

"Impfen gegen Krebs" - diese neue Therapieform hat im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt: Es gab erste erfolgversprechende Ergebnisse zur Wirksamkeit von Tumor-Impfstoffen, welche die körpereigene Abwehr gegen die Krebszellen mobilisieren sollen. Nierenzellkrebs und schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom) scheinen besonders gut auf die neue Methode anzusprechen. Jedoch wurden bislang nur sehr wenige Patienten im Rahmen klinischer Studien mit Tumor-Impfstoffen behandelt.

Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt eine klinische Studie, die bei Patienten mit einem Melanom, das bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat, die Wirksamkeit einer Chemotherapie im Vergleich zu einer experimentellen Impftherapie prüfen soll. Studienleiter Professor Dr. Dirk Schadendorf, Leiter der klinischen Kooperationseinheit für Dermatoonkologie am Universitätsklinikum in Mannheim, zu dem multizentrisch angelegten Projekt: "Insgesamt sollen in den nächsten zwei Jahren 240 Melanom-Patienten therapiert werden, gegen deren Metastasen zuvor noch keine anderen Medikamente eingesetzt wurden. Die Hälfte davon wird mit einer standardisierten Chemotherapie behandelt, die anderen Betroffenen erhalten einen "Impfcocktail". Anlaufstellen für Patienten sind die Universitätshautkliniken in Erlangen, Mainz, Mannheim, Münster, Würzburg und Zürich."

Schadendorf arbeitet bei der auf jeden einzelnen Krebspatienten abgestimmten Impfstoff-Herstellung mit speziellen Immunzellen. Die so genannten dendritischen Zellen spielen für das Funktionieren des Immunsystems eine herausragende Rolle. Sie präsentieren beispielsweise Fragmente krankhaft veränderter Zellen - ein aktivierendes Signal für bestimmte Abwehrzellen, die entarteten Zellen im Körper aufzuspüren und zu vernichten. Die Mannheimer Wissenschaftler machen sich diese wichtige Eigenschaft zunutze: Nachdem sie die dendritischen Zellen aus dem Blut der Melanom-Patienten isoliert haben, beladen sie diese mit Eiweiß-Bruchstücken (Antigene), die nur in Hautkrebszellen vorkommen. Insgesamt stehen den Forschern 20 unterschiedliche Antigene zur Verfügung. Aus dendritischer Zelle und Proteinbruchstück stellen sie ein "Fahndungsfoto" für die körpereigene Abwehr her. Den individuellen Impfcocktail spritzen die Mediziner ihren Patienten unter die Haut. Im Körperinneren angekommen, signalisieren die maßgeschneiderten antigenbeladenen Zellen dem Immunsystem, dass es sich gegen Krebszellen rüsten muss: T-Lymphozyten, die Killerzellen der körpereigenen Abwehr, werden aktiviert und damit beauftragt, den Tumor zu vernichten.

In einer Pilotstudie wies Professor Schadendorf nach, dass die antigentragenden dendritischen Zellen dem Immunsystem der Patienten auf die Sprünge helfen können. 30 Prozent der Betroffenen mit metastasierendem Hautkrebs sprachen selbst in weit fortgeschrittenen Stadien positiv auf die Impfung an: Die Tumoren verkleinerten sich um mindestens die Hälfte oder verschwanden sogar - ein großer Behandlungserfolg bei Krebskranken, deren Leiden bislang meist als unheilbar galt.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Hautkrebs Krebszelle Metastase Tumor-Impfung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik