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Gedächtnistraining für Jung und Alt: Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen

14.02.2007
Sie treffen sich jeden Donnerstagnachmittag um 14:30 Uhr: Die Bewohner der Häuser des Betreuten Wohnens im Geriatrie-Zentrum Haus Berge in Essen Bergeborbeck. Aber nicht Kaffee und Kuchen gibt es dann, sondern Übungen für den Kopf.

Von Juni 2004 bis Januar 2007 trainierte die 25-köpfige Seniorengruppe im Alter von 70 bis 94 Jahren – aber nicht nur sie: In regelmäßigen Abständen fanden gemeinsame Gedächtnistrainings-Nachmittage mit 30 Vorschulkindern aus dem benachbarten Kindergarten St. Maria Rosenkranz statt.

Ein bisher in Deutschland einmaliges Konzept. Grundlage für dieses neue ‚Generationenübergreifende Gedächtnistraining’ boten die Ideen von Renate Sondermann, einer erfahrenen Gedächtnistrainerin und ehemaligen Grundschulpädagogin. Am Ende dieses richtungsweisenden Pilotprojekts zog man in Essen eine positive Bilanz.

Mit allen Sinnen

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Zwar gab es zuvor bereits einige Einrichtungen, die erkannt hatten, dass das Zusammensein von Kindern und Senioren beiden Seiten gut tut, aber ein gemeinsames Gedächtnistraining wurde bis dato nicht angeboten. Dabei erscheint die Grundidee des generationenübergreifenden Trainings auf den ersten Blick so einfach wie genial. Interessen und Ressourcen lassen sich so zum Vorteil aller Beteiligten bündeln. Das methodische Vorgehen wurde mit Unterstützung der Essener Memory-Clinic nach den Trainingszielen des ganzheitlichen Gedächtnistrainings des Bundesverbandes für Gedächtnistraining entwickelt. Wichtig dabei: Beide Altersgruppen sollten durch das Training gleichermaßen angesprochen und in ihrer Denkflexibilität, Konzentration, Merkfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Fantasie, Wahrnehmung und Kreativität gefördert werden. „Die Ganzheitlichkeit beim Gedächtnistraining spricht alle Sinne der Beteiligen an und bedeutet die Einbeziehung von Körper, Geist und Seele“, so Sondermann. „Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen – ohne Gefühl wird nichts behalten. Wenn aber über geeignete Methoden die fünf Sinne in den Mittelpunkt gerückt werden, können Kinder und ältere Menschen zu gemeinsamem Tun und Erleben motiviert werden.“

Bei uns ist was los

Alle durchgeführten Übungen beim ‚Generationenübergreifenden Gedächtnistraining’ ermunterten Kinder und Senioren, in einen regen Austausch miteinander zu kommen. Jeder der gemeinsamen Nachmittage stand unter einem anderen Motto. ‚Bei uns zu Hause ist was los’ war eins davon. An diesem Tag stand beispielsweise ein Training auf dem Programm, das die Teilnehmer herausforderte, mit wachen Sinnen ihre Umwelt wahrzunehmen, Dinge und Geräusche richtig zuzuordnen. Das Erinnerungsvermögen war dabei stark gefragt. Verschiedene Geräusche wie z.B. Fahrradklingel, Telefon oder Wecker sollten erraten, Gegenstände mit verbundenen Augen erkannt und benannt werden. Ein weiteres Motto: ‚Reise ins Zahlenland’. Selbstgebastelte bunte Zahlen und Rechenzeichen schmückten an diesem Tag die Türen und Wände des Cafés. Denn eine entsprechend gestaltete Umgebung gehört auch dazu, wenn man mit allen Sinnen wahrnehmen will. Kinder und Senioren gingen an diesem Nachmittag unter anderem nach einer vorgegeben Nummernkombination einen Zahlenweg ab. Aber bevor sie eine Aufgabe lösen konnten, wurde ihnen noch ein weiterer Auftrag zugerufen, der zuerst erledigt werden sollte – beispielsweise das Fenster zu öffnen. „Solche Ablenkungen trainieren die Konzentration und das Kurzzeitgedächtnis“, erklärt Sondermann. „Denn sobald etwas von der ursprünglich gestellten Aufgabe ablenkt, wird es schwieriger.“

Zusammen

In den Gruppenarbeiten ermutigten sich Senioren und Kinder gegenseitig und forderten sich heraus. Das soziale Miteinander zwischen den Generationen wurde so sinnvoll und abwechslungsreich gefördert. Dieser Aspekt ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte beabsichtigt. Denn auf der einen Seite gibt es eine Vielzahl von allein lebenden Hochbetagten, auf der anderen immer mehr Einzelkinder, denen der Kontakt zu einer Großelterngeneration fehlt. Beim Lösen von Gedächtnis- und Spielaufgaben oder gemeinsamem Singen wurde mit dem ‚Generationenübergreifenden Gedächtnistraining’ ein Rahmen geschaffen, der eine ungezwungene Begegnungen zwischen Alt und Jung ermöglichte. „Für Kinder bedeutet die Gruppe Gemeinschaft und Konkurrenz. Stärken und Schwächen werden entdeckt, gemeinsame Ziele verhandelt. Es wird gelernt, andere Meinungen zu akzeptieren und voneinander zu profitieren. Ein Zusammenspiel von Jung und Alt, das heißt auch für die Jüngsten, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft zu üben, Spielregeln einzuhalten, andere ausreden zu lassen – auch, wenn es etwas länger dauert“, so Sondermann. „Umgekehrt bedeutet es für die Senioren, sich der jüngeren Generation zu öffnen, Verständnis zu entwickeln, Vorurteile abzubauen und längst vergessen Geglaubtes wieder zu aktivieren. Dazu kommt ein gewisser Ehrgeiz, mit den Kindern mithalten zu können. Das Projekt ‚Generationenübergreifendes Gedächtnistraining’ sehen wir daher vor allem auch als Beitrag zur besseren Verständigung zwischen Jung und Alt.“

Fortsetzung folgt ...

Im Januar 2007 endete das Pilotprojekt ‚Generationenübergreifendes Gedächtnistraining’, denn die Kindergartengruppe wird in diesem Sommer eingeschult. 90 Prozent der Senioren wünschen sich allerdings eine Fortführung des Projektes. In Befragungen wurde von allen Beteiligten der positive Effekt hervorgehoben. „Die bisherige wissenschaftliche Evaluation hat ergeben, dass dieses generationenübergreifende Training den Beteiligten viel bringt“, so Dipl.-Sozialpädagoge Carsten Brandenberg, Fachtherapeut für Hirnleistungstraining und Gedächtnistrainer in der Essener Memory-Clinic. „Neben einer verbesserten Denkleistung und –flexibilität wurden insbesondere die sozialen Komponenten des Trainings geschätzt. 87 Prozent der Teilnehmer gaben bei anschließenden Befragungen an, während des Programms weniger über ihre Krankheiten nachzudenken und zufriedener mit dem Leben zu sein. Die Erzieher hoben vor allem die gesteigerte Konzentrationsfähigkeit bei den Kindern hervor. Außerdem wurde bei ihnen ein hoher emotionaler Bezug sowie ein deutlich ausgeprägtes Verantwortungsgefühl beschrieben. Kinder, die ohne Großeltern aufwachsen, verstünden Senioren nun besser.“ Bei soviel positiven Erfahrungen ist es eigentlich schon sicher, dass das ‚Generationenübergreifende Gedächtnistraining’ nach den Sommerferien fortgesetzt wird. Es wird auch bereits darüber nachgedacht, das Konzept auf weitere Senioreneinrichtungen der Contilia GmbH – dem Träger des Betreuten Wohnens in Essen Bergeborbeck – auszuweiten. „Insgesamt ist das Pilotprojekt auf breites Interesse gestoßen“, so Brandenberg. „Inzwischen gehen sogar Anfragen nach einem Curriculum aus allen Regionen Deutschlands bei uns ein.“

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Weitere Informationen:
http://www.elisabeth-essen.de

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