Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jugendliche können gut mit einem transplantierten Herzen leben

19.02.2002


Mit einem fremden Organ zu leben, kann eine große psychische Belastung bedeuten, denn die Organ-Empfänger bleiben chronisch krank.

Doch die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin vermitteln der Eindruck, dass zumindest das Leben herztransplantierter Jugendlicher fast so verläuft wie das gesunder Heranwachsender. Im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts wurden Interviews mit sechs herztransplantierten Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren und deren Eltern sowie mit Ärzten und Psychologen aus dem Transplantationsbereich geführt. Der Abstand zur Transplantation betrug ein bis drei Jahre.

Die Experten waren sich einig darin, dass die Jugendlichen nach Überstehen der akuten Phase nach der Operation bald ein körperliches Leistungsniveau erreichen, das dem gesunder Gleichaltriger sehr nahe kommt – allerdings unter dem Vorbehalt, dass keine außergewöhnlichen organischen Komplikationen auftreten. Die meisten transplantierten Jugendlichen waren in der Lage, aktiv am normalen Leben teilzunehmen, und auch in der Schule gab es kaum Schwierigkeiten. In ihren Familien führten die Betroffenen offenbar ein Leben ohne große Einschränkungen.

Befragt nach seinem typischen Tagesablauf berichtete ein Junge, seine Tage verliefen „ganz normal, bis auf die Tablettenpause immer dazwischen“. Zu Routineuntersuchungen mussten die Jugendlichen nur noch in halb- oder ganzjährigen Abständen. Die Anzahl der Medikamente, die täglich eingenommen werden mussten, hatte sich bei den meisten inzwischen auf eine vergleichsweise geringe Dosis reduziert. Alle gingen in Regelschulen und hatten durch den Eingriff oft kaum mehr als drei Wochen Schulunterricht verpasst. Sie waren in der Lage, in Maßen Sport zu treiben, mit Ausnahme des Schwimmens in öffentlichen Bädern wegen der drohenden Infektionsgefahr.

Bei der Auswertung der Interviews mit den Jugendlichen deutete sich allerdings auch an, dass sich hinter der Fassade der Normalität Unsicherheiten und Ängste verbargen. Allen Befragten war bewusst, dass sie ohne die Transplantation gestorben wären und dass eine Abstoßung des Spenderorgans auch Jahre nach der Transplantation jederzeit auftreten kann. Vor den Routineuntersuchungen hatten alle Jugendliche selbst dann Angst, wenn sie sich körperlich gut fühlten und äußerlich kein Anlass zur Sorge bestand. Für sie bestand außerdem die Notwendigkeit, das Organ eines fremden Menschen, der gestorben ist, in ihr Selbstbild zu integrieren – und das in einer Lebensphase, in der die Entwicklung einer sicheren Identität eine wichtige Aufgabe darstellt. Es wurde auch deutlich, dass den Jugendlichen eine soziale Integration in die Gruppe der Gleichaltrigen infolge der Erkrankung erschwert war und somit die Loslösung vom Elternhaus nur eingeschränkt erfolgte.

Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, im ärztlichen Beratungsgespräch noch stärker als bisher die soziale Lebenssituation und die Ängste der Betroffenen zu thematisieren und auf die Gefahr psychosozialer Belastungen frühzeitig und eindringlich hinzuweisen. Den Familien solle auch ermöglicht werden, ihren Ängsten Ausdruck zu verleihen und entsprechende Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

mc | (mc)

Weitere Berichte zu: Transplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise