Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Forscher entdecken Mechanismen des schwangerschaftsbedingten Herzversagens

09.02.2007
Spaltprodukt eines Stilhormons als Ursache / Therapie in Sicht / Veröffentlichung in "Cell"

Lebensbedrohende Erkrankungen des Herzkreislaufsystems gehören für Frauen zu den Hauptgesundheitsrisiken während der Schwangerschaft und in der ersten Zeit nach der Geburt. Ein Teil dieser Erkrankungen kann auf angeborene Herzfehler, Diabetes und Bluthochdruck zurückgeführt und entsprechend behandelt werden.

Wenig bekannt ist dagegen über die schwangerschaftsbedingte Herzschwäche bei gesunden Frauen. Binnen weniger Wochen kann sie durch Herzversagen zum Tod der Mutter führen. Auslöser und damit eine mögliche Behandlung und Prophylaxe dieses schwangerschaftsbedingten Herzversagens (PPCM, von: Prolactin Mediates Postpartum Cardiomyopathy) waren bislang unbekannt.

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben jetzt entdeckt, dass ein Spaltprodukt des Stillhormons Prolaktin die mögliche Ursache für die Erkrankung ist. Diese Ergebnisse veröffentlicht die international renommierte Fachzeitschrift ?Cell? in ihrer neuesten Ausgabe.

Prolaktin wird in der Hirnanhangsdrüse, der Hypophyse, gebildet, es steuert unter anderem die Milchbildung und die Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt. Privatdozentin Dr. Denise Hilfiker-Kleiner und Professor Dr. Helmut Drexler, Direktor der MHH-Abteilung Kardiologie und Angiologie, konnten zeigen, dass es in seltenen Fällen während oder nach Geburt des Babys zur Spaltung dieses Hormons kommt. Das dabei entstehende biologisch aktive Spaltprodukt 16 kDa Prolaktin zerstört am Herzmuskel die kleinen Blutgefäße und schädigt die Blutzirkulation so stark, dass der Herzmuskel darunter leidet. Es kommt zu einer akuten Einschränkung der Pump-Funktion der linken Herzkammer und schließlich zum Herzversagen. In einem Mausmodell dieser schwangerschaftsbedingten Herzschwäche konnten die Forscher die Entwicklung dieser Herzmuskel-Erkrankung komplett verhindern, in dem sie die Freisetzung von Prolaktin mit Hilfe von Bromocriptin stoppten, einem zugelassenen Medikament zum Abstillen.

Hilfiker-Kleiner und Professor Drexler haben in Zusammenarbeit mit Karen Sliwa von der Universitätsklinik in Johannesburg (Südafrika) bei einer kleinen Patientengruppe mit PPCM erste Erfolge verzeichnet. ?Die PPMC kann medikamentös behandelt werden?, erklärt Forschungsleiterin Hilfiker-Kleiner, wobei vor allem eine Früherkennung der Krankheit wichtig sei. Die Behandlung erfolgt mit Bromocryptin, einem in der Gynäkologie zugelassenen Medikament. ?Entscheidend für diesen Forschungserfolg war die fächerübergreifende internationale Zusammenarbeit?, betont Hilfiker-Kleiner. Geplant ist nun eine Multicenter-Studie an 13 Universitätskliniken, um die Häufigkeit der Erkrankung zu ermitteln und mögliche frühe Zeichen der Krankheit identifizieren zu können. ?Aufgrund der unspezifischen Symptomatik und der Ähnlichkeit mit anderen physiologischen oder pathologischen Schwangerschaftszuständen wird eine PPCM häufig nicht rechtzeitig erkannt?, betont Professor Drexler. In der Studie soll auch die Effektivität von Bromocriptin untersucht werden, um den praktizierenden Ärzten eine gut geprüfte Behandlung für ihre Patientinnen an die Hand geben zu können.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Helmut Drexler, drexler.helmut@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-3840 und bei PD Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, hilfiker.denise@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2531.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Berichte zu: Herzversagen PPCM Prolaktin Spaltprodukt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Brände die Tundra langfristig verändern

12.12.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz