Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit erste künstliche Leber für Kinder in Rostock entwickelt

19.02.2002


Biotech- und Medizintechnik-Unternehmen TERAKLIN AG bringt im Sommer Fortentwicklung der Leberunterstützungstherapie MARS(R) auf den Markt

Das Rostocker Biotech- und Medizintechnik-Unternehmen TERAKLIN AG wird Mitte dieses Jahres die weltweit erste künstliche Leber für Kinder "MARSmini" auf den Markt bringen. Damit hat die TERAKLIN AG das vor drei Jahren selbst erfolgreich eingeführte Verfahren MARS(R) auf die speziellen Anforderungen ausgerichtet, die bei der Behandlung von Kindern und Kleinkindern mit schwerem Leberversagen zu berücksichtigen sind.

"Wir sind froh, schon bald eine Therapie speziell für Kinder anbieten zu können", sagte Teraklin Vorstandsvorsitzender Mathias Klingler heute in Rostock im Rahmen einer Veranstaltung des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern. "Viele Kinder mussten bisher sterben, weil die Wartezeit bis zur Transplantation einer geeigneten Leber nicht ausreichte." Durch die Entwicklung von MARSmini, so Klingler, wird sichergestellt, dass auch Kinder eine längere Wartezeit überbrücken können (bei Erwachsenen wurden bisher bis zu 100 Tage erreicht). Das neu entwickelte Gerät sorge dafür, dass der Anteil des Blutvolumens, das außerhalb des Körpers zirkuliert, nicht zu groß werde. Klingler: "Damit können bisherige Behandlungsrisiken wie Hypothermie (Unterkühlung) verhindert werden."

Die Zahl der weltweit an schwerem Leberversagen erkrankten Kinder nimmt kontinuierlich zu. Das von der TERAKLIN AG 1999 eingeführte Therapiesystem MARS(R) (Molecular Adsorbents Recirculating System) ist eine weltweit einzigartige Methode in der Behandlung des akuten und chronischen Leberversagens. Es übernimmt die Entgiftungsfunktion der Leber außerhalb des Körpers, wenn diese so weit geschädigt ist, dass sie das Blut nicht mehr selbständig reinigen kann. Das Verfahren kann somit den Ausfall des Organs überbrücken und die Regeneration der geschädigten Leber unterstützen. Seit Einführung von MARS(R) vor drei Jahren hat es über 7.000 erfolgreiche Behandlungen bei mehr als 1.400 Patienten gegeben.

Die Funktion des MARS(R)Gerätes ähnelt dem Dialyseprinzip: Das Blut des Patienten wird in einen externen Kreislauf geleitet. Blut und Reinigungsflüssigkeit strömen aneinander vorbei und sind durch eine Membran getrennt. Deren Poren sind so fein, dass sie nur von eiweißgebundenen und wasserlöslichen Giftstoffen aus dem Blut durchdrungen werden können. In der Reinigungsflüssigkeit befindet sich genau das Transporteiweiß (das Albumin), welches im Körper die Entgiftungsfunktion übernimmt. Mit dessen Hilfe werden die mit Giftstoffen beladenen Eiweiße im Blut sozusagen "ausgetrickst": Sie werden an die Membran "herangelockt" und geben die Toxine frei. Die Giftstoffe wandern durch die Membran hindurch in die Reinigungslösung, wo sie an die Trägereiweiße gebunden werden. Die Eiweiße, die dem Körper erhalten bleiben sollen, lässt die Membran dagegen nicht durch. So werden die Giftstoffe selektiv entfernt und das gereinigte Blut wird - ohne mit dem Dialysat in Verbindung zu geraten - wieder zurück in den Körper geleitet. In einem zweiten Kreislauf wird die Reinigungsflüssigkeit von den Giftstoffen befreit und kann erneut zur Blutentgiftung eingesetzt werden. Dieser Prozess gewährleistet eine kontinuierliche Therapie und spart Behandlungskosten.

MARS(R) ist mit der Standard-Dialysetechnik kompatibel und kann dadurch in den meisten Intensiv- und Dialysestationen angewendet werden. Die Geräte sind inzwischen weltweit im Einsatz. Für den nordamerikanischen Markt soll die Zulassung bei der FDA (Food and Drug Administration der US-Regierung) noch in diesem Jahr beantragt werden.

Die 1998 gegründete TERAKLIN AG ist bisher in 25 Ländern weltweit geschäftlich tätig und unterhält Tochtergesellschaften bzw. Repräsentanzen in Frankreich (Lyon), England (Liverpool), Spanien (Barcelona), Polen (Warschau), den USA (San Diego) und China (Shanghai). Das Unternehmen beschäftigt 74 Mitarbeiter, davon 61 in Rostock und Hamburg. Im Jahr 2001 erwirtschaftete die TERAKLIN AG einen Umsatz von 5 Millionen Euro. Im November letzten Jahres wurde das Wissenschaftlerteam von Teraklin für die Entwicklung von MARS(R) für den Deutschen Zukunftspreis 2001 - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - nominiert. Neben der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb von MARS(R) arbeitet das Unternehmen außerdem an der Entwicklung eines medizinischen Bioreaktors für die Behandlung von Blutvergiftungen. Die erste klinische Anwendung dieses Therapiesystems wird noch in diesem Jahr erwartet.

Natascha Koch | ots

Weitere Berichte zu: Giftstoff Leberversagen Mars Membran

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Medikamente mildern Mukoviszidose
23.01.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Dreifachblockade am Glioblastom
23.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

Die Flugerprobung des Airbus A320neo

23.01.2018 | Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

CES Innovation Award für kombinierte Blick- und Spracheingabe im Auto

23.01.2018 | Förderungen Preise

Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

23.01.2018 | Physik Astronomie

Neue Formeln zur Erforschung der Altersstruktur nicht-linearer dynamischer Systeme

23.01.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics