Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was kommt nach der Analyse des Humangenoms?

01.03.2001


... mehr zu:
»Dopamin »Parkinson
Rostocker Forschungsgruppe untersucht die genetischen Ursachen der Parkinson-Krankheit

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms erleichtert die Arbeit seiner Forschungsgruppe entscheidend, so Professor Olaf Rieß, Humangenetiker an der Universität Rostock. Waren früher Zeiträume bis zu einem Jahr notwendig, um die genaue Struktur eines Genes zu ermitteln, genügt heute ein Blick ins Internet.
Jedoch: Mit der Bestimmung der Struktur der Gene beginnt erst die eigentliche Forschung. Die einfache Kenntnis der genetischen Daten bringt noch keinen großen Nutzen. Erst wenn die genetischen Strukturen mit Veranlagungen zu bestimmten Krankheiten, Eigenschaften oder Verhaltensweisen verbunden werden können, lassen sich therapeutisch oder diagnostisch relevante Aussagen treffen.
Diesen Schritt geht die Arbeitsgruppe von Olaf Rieß in Bezug auf die Parkinson-Krankheit, einer der häufigsten neurologischen Erkrankungen.
Die Erforschung der genetischen Komponente der Parkinson-Krankheit begann vor etwa 10 Jahren. Damals wurde bekannt, dass die Veranlagung zur "Schüttellähmung" in zehn italienischen und griechischen Familien erblich weiter gegeben wird. Die Entdeckung einer deutschen Familie, die das Risiko, an der Parkinson-Krankheit zu erkranken, gleichfalls vererbt, geht auf den Rostocker Humangenetiker zurück. Seine Arbeitsgruppe konnte zudem nachweisen, dass bei dieser Familie eine andere Mutation am Chromosomen 4 als bei den anderen Familien verantwortlich ist. Damit setzte in Deutschland die Erforschung der genetischen Komponente des "Morbus Parkinson" ein.
Seitdem hat sich das Bild der Parkinson-Krankheit entscheidend verändert. Früher galt sie als Krankheit, die mit den Symptomen Bewegungsstarre und unkontrolliertem Gliederzittern einhergeht. Heutzutage lassen sich für das selbe klinische Bild 20 bis 30 unterschiedliche Ursachenkomplexe angeben. Für die 250 000 Menschen, die allein in Deutschland an der Parkinson-Krankheit leiden, macht das noch keinen Unterschied. Die Standardtherapie basiert nach wie vor auf der Behandlung der Symptome, welche durch einen Mangel am Nervenbotenstoff Dopamin hervorgerufen wird. Die therapeutische Kompensation des Mangels kann das weitere Fortschreiten der Krankheit jedoch nicht verhindern. In der Tiefe des menschlichen Hirns sterben die Nervenzellen weiter, die das Dopamin produzieren sollen.
Den tatsächlichen Ursachen der Parkinson-Erkrankung auf die Spur zu kommen, daran arbeiten gegenwärtig die Rostocker Humangenetiker um Olaf Rieß. Dabei verfolgen sie zwei Wege. Zum einen versuchen sie über Tiermodelle einzelne genetische Veränderungen herauszufinden, deren Auftreten mit der bekannten Parkinson-Symptomatik korrespondiert. Anhand sogenannter transgener Tiermodelle wird beispielsweise untersucht, ob sich die bekannten Bewegungsstörungen an ihnen nachweisen lassen. Zum zweiten versucht die Arbeitsgruppe von Olaf Rieß, als eine der ersten und wenigen Forschungsgruppen überhaupt, verschiedene genetische Faktoren zu kombinieren. So wurde herausgefunden, dass sich das Risiko, an der Parkinson-Erkrankung zu erkranken, signifikant erhöht, wenn zusätzlich genetische Modifikationen vorhanden sind, die bei der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen.
Damit deutet sich eine Neuorientierung in der genetischen Forschung an. Statt der Erforschung einzelner genetischer Faktoren wird es immer mehr um das Zusammenwirken verschiedener Faktoren gehen, und schließlich auch um die Koppelung mit außergenetischen Ursachen. Und möglicherweise gelingt es erst dann, den genetischen Code zum "Sprechen" zu bringen. Die Gefahr ist groß, dass die Strukturen des Humangenoms ohne derartige Forschungen nichtssagend bleiben. Direkte Verbindungen zu einem Punkt des Human-Genoms werden zudem die große Ausnahme bleiben. Vom Zusammenwirken verschiedener genetischer Faktoren, zudem mit Umwelteinflüssen, muss in der Regel ausgegangen werden. Die Erforschung solcher multifaktorieller Komplexe jedoch, so Olaf Rieß, steckt noch in den kleinsten Kinderschuhen.
Holm Graeßner
Tel.: 3814907120

  Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw

Weitere Berichte zu: Dopamin Parkinson

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie