Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Angiographie-Projekt bei DESY erfolgreich abgeschlossen

29.01.2001


Die intravenöse Koronarangiographie NIKOS ist eine neue und für den Patienten besonders schonende Methode zum Röntgen der Herzkranzgefäße. Entwickelt wurde sie beim Forschungszentrum DESY in Zusammenarbeit mit
Medizinern vom Universitäts-Krankenhaus Hamburg-Eppendorf und der Herz-Kreislauf-Klinik Bevensen sowie Physikern von der Universität Siegen. "Von DESY-Seite aus ist das Angiographie-Projekt jetzt sehr erfolgreich abgeschlossen. Nun können Mediziner federführend die Einführung des Verfahrens in den Klinikbetrieb vorantreiben", berichtete der Physiker und Projektleiter Dr. Wolf-Rainer Dix anlässlich der Jahrestagung des Hamburger Synchrotronstrahlungslabors HASYLAB am 26. Januar beim Forschungszentrum DESY. "Wir haben mit dem neuen Verfahren bei DESY insgesamt 379 Patienten untersucht, die aus ganz Deutschland und zum Teil aus dem Ausland anreisten - die Akzeptanz war sehr hoch", so Dix.
Nach dem erfolgreichen Abschluss bei DESY könnte nun ein routinemäßiger Einsatz des neuen Angiographie-Verfahrens in einer dafür ausgestatteten Klinik vorbereitet werden. Dafür ist eine kompakte, hochintensive Quelle für monochromatische Röntgenstrahlung erforderlich. Ein erster Entwurf für eine solche Quelle auf der Basis eines Speicherrings wurde bei DESY erstellt. Wenn Investoren für dieses Projekt zu gewinnen sind, kann dieser Entwurf als Grundlage für die dann notwendig werdende Industriestudie zum Bau eines Speicherringes für medizinische Anwendungen dienen.
Die Kranzgefäße umschließen das Herz und versorgen es mit Blut. Verengen sie sich, so droht ein Herzinfarkt. Um diese lebensgefährlichen Verengungen (Stenosen) zu erkennen, führen Mediziner normalerweise einen langen Katheter von der Leiste durch die Aorta in die Gefäße ein. Dann spritzen sie ein jodhaltiges Kontrastmittel durch den Katheterschlauch und machen eine Röntgenaufnahme. Bei der NIKOS-Methode hingegen bleibt dem Patienten der Eingriff erspart. Stattdessen wird das Jod über eine kleine Kanüle intravenös in die Armbeuge injiziert. Weil sich das Kontrastmittel auf seinem Weg durch die Blutbahn ganz erheblich verdünnt und in den Herzkranzgefäßen nur noch in relativ schwacher Konzentration ankommt, reicht eine herkömmliche Röntgenröhre nicht aus, um die Kranzgefäße auf der Röntgenaufnahme deutlich abzubilden. Die HASYLAB-Wissenschaftler nutzten daher das intensive und monochromatische Röntgenlicht aus dem Ringbeschleuniger DORIS bei DESY und eine spezielle "Zwei-Farben-Methode, welche die Gefäßkonturen sichtbar macht.
Bei 60 der insgesamt 379 Patienten, die bei DESY mit der NIKOS-Methode untersucht wurden, lag zum Vergleich auch eine Diagnose einer konventionellen Aufnahme vor, die kurz danach gestellt worden war. Beide Diagnosen stimmten gut überein: selbst unabhängige, völlig untrainierte Kardiologen erreichten bis zu 79 Prozent Übereinstimmung bei der Beurteilung des Schweregrades einer Stenose, bei Bypässen sogar 82 Prozent.
Außer NIKOS gibt es auch andere nicht-invasive bzw. minimal invasive Verfahren für die Darstellung der Herzkranzgefäße, z.B. das "Magnetic Resonance Imaging" (MRI) und die "Electron Beam Computed Tomography" (EBCT). Im Vergleich zu diesen Methoden hat das NIKOS-Verfahren heute die beste Bildqualität, die Auflösung ist besser und, anders als bei MRI, führen metallische Implantate nicht zur Beeinträchtigung der Bildqualität. Trotzdem werden auch langfristig alle diese Verfahren die herkömmliche Koronarangiographie nicht ersetzen können, weil diese zusätzlich zur Darstellung auch Interventionen wie Angioplastien oder Stent-Implantationen während der Untersuchung erlaubt. Für die drei Verfahren gibt es aber bestimmte Bereiche, in denen sie ohne Risiko für den Patienten sehr wirkungsvoll eingesetzt werden könnten. Für das NIKOS-Verfahren sind das insbesondere die Darstellung von Bypässen und Stents bei Kontroll- und Nachsorge-Untersuchungen nach Interventionen, sowie postoperative Kontrollen. Eine ausführliche Auswertung der Patientenstudie hat ergeben, dass durch weitere Verbesserungen am NIKOS-System, vor allem aber auch im Untersuchungsablauf, die Bildqualität und damit die Aussagekraft der Diagnosen noch einmal erhöht werden könnte.

Petra Folkerts | idw

Weitere Berichte zu: Angiographie-Projekt MRI NIKOS-Methode

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie