Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Transplantationsverfahren für Hornhäute an der Augenklinik des UKS: Excimer-Laser unterstützt Präzisionsarbeit am Auge

31.01.2007
Professor Dr. Berthold Seitz: "Durch den Einsatz eines speziellen Lasers der Firma Zeiss-Meditec können wir unseren Patienten als bundesweit zweite Universitäts-Augenklinik eine sehr präzise und schonende Transplantationsmethode anbieten.

Wir haben in Homburg bisher 100 Patienten nach dieser Methode operiert und stellen kürzere Heilungszeiten, weniger Nebenwirkungen und eine höhere Sehkraft fest. Diese Ergebnisse sind auch durch klinische Studien belegt."

Bei dieser neu etablierten Methode der Hornhaut-Transplantation, der so genannten Excimer-Keratoplastik, wird anstatt des üblichen Rundmessers ein Laser zum Ausschneiden des Transplantats genutzt. Durch den Laser werden Spenderhornhaut und Empfängerauge präzise aufeinander abgestimmt. Dieses spezielle Verfahren erzeugt senkrechte und passgenaue Schnittkanten, die beim bisher üblichen Verfahren so nicht gewährleistet werden können. Ein spezielles Schlüssel-Schloss-Prinzip beim Zuschnitt von Transplantat und Empfängerauge sorgt dann für eine exakte Ausrichtung und verbessert die Schnittränder. "Neben dem klaren Transplantat und der erforderlichen Krümmung der Hornhaut sind Nahttechnik sowie Schnittführung für den Heilungsverlauf von großer Bedeutung, da sich ansonsten eine erneute Hornhautverkrümmung mit Sehkraftbeeinträchtigung ausbilden kann", erläutert Professor Seitz.

Bei den bisher etablierten Transplantations-Verfahren können durch den mechanischen Druck des Rundmessers Stauungen bzw. Zerrungen beim Transplantat- oder Empfängergewebe entstehen und als Spannung beim Nähen gespeichert werden. Beim Entfernen der Fäden können sich diese Spannungen entladen und so zu einer höheren Krümmung der Hornhaut und einer schlechteren Sehkraft beim Patienten führen. Dies kann durch das neue Laser-Verfahren meist vermieden werden.

"Eine Hornhaut-Transplantation bedeutet für die Empfänger den Weg zurück in ein normales Leben oder wie es viele treffend beschreiben - einen Unterschied wie Tag und Nacht", betont Prof. Seitz. "Damit möglichst viele Patienten von einer Transplantation profitieren können, muss die Bevölkerung stärker über die Bedeutung der Hornhautspende informiert werden. Deshalb möchten wir im Rahmen der Pressekonferenz eine Studentin zu Wort kommen lassen, die über ihr Leben vor und nach der Transplantation berichten wird."

Die in Erlangen mit Professor Dr. Seitz entwickelte Excimer-Keratoplastik wird seit März 2006 auch in Homburg/Saar eingesetzt. Das spezielle Schlüssel-Schloss-Prinzip beim Zuschnitt von Transplantat und Empfängerauge sorgt dann für eine exakte Ausrichtung und verbessert die Schnittränder. Acht mikroskopisch kleine (0,3x0,2 mm) Zähnchen nach außen bei der Spenderhornhaut korrespondieren mit acht Kerben beim Patienten.

Klinische Studien belegen die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Methode. Die Transplantation verlangt dem Augenchirurgen ein Höchstmaß an Konzentration und Feinarbeit ab. Wegen eventueller Abstoßungsreaktionen in der ersten Zeit bedarf die Transplantation einer intensiven Nachbehandlung.

Hintergrundinfo:

Neben der Verpflanzung von Organen wie Niere, Herz oder Leber, ist auch eine Übertragung von Geweben wie Gehörknöchelchen oder der Hornhaut des Auges möglich. Die Hornhaut schließt die Augenoberfläche wie ein Uhrglas ab. Sie ist verhältnismäßig dünn und durchsichtig. Infektionen, Verletzungen oder angeborene Erkrankungen können die Hornhaut des Auges trüben. Damit büßt der Betroffene sein Sehvermögen ein und kann erblinden. Eine Hornhautverpflanzung kann ihm das Augenlicht zurückgeben. Die getrübte Hornhaut wird entfernt und durch die gesunde, klare Hornhaut eines Spenders ersetzt.

Die häufigsten Erkrankungen, die eine Transplantation erforderlich machen, sind bei jüngeren Patienten der Keratokonus (Formveränderungen mit irregulärer Vorwölbung und Verdünnung der Hornhaut) und bei älteren Menschen die Fuchs-Dystrophie (warzenförmige Verdickungen an der Rückfläche der Hornhaut).

Die Hornhauttransplantation gehört heute zu den erfolgreichsten Gewebeverpflanzungen überhaupt (etwa 90% Erfolgsrate). 5000 Hornhaut-Transplantationen werden in Deutschland pro Jahr durchgeführt, wobei der jährliche Gesamtbedarf bei schätzungsweise 8000 Transplantaten liegt.

Qualitätssicherung durch eigene Hornhautbank am UKS: Die LIONS - Hornhautbank Saar - Lor - Lux, Trier / Westpfalz

In der Hornhautbank des UKS wird die Hornhaut unter dem Mikroskop untersucht, fotografiert und nach bestimmten Kriterien beurteilt. Dabei gilt beispielsweise die Zelldichte auf der Hornhautrückseite (des Endothels) als ein wesentliches Qualitätsmerkmal. Diese sorgfältige Analyse und die nachfolgende Beobachtung der Hornhaut im Konservierungsverfahren gewährleisten die Bereitstellung von optimalen Transplantaten. Gleichzeitig schließen mikrobiologische Tests und Untersuchungen des Spenderblutes aus, dass Krankheiten auf den Empfänger übertragen werden.

Einladung zur Pressekonferenz am Montag, dem 5. Februar 2007, um 14.30 Uhr in der Klinik für Augenheilkunde im Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS). Interviewmöglichkeit mit Herrn Professor Seitz, einer jungen Patientin und Vorstellung des neuen Excimer-Lasers. Treffpunkt: Gebäude 22 im UKS, Erdgeschoss, Sekretariat von Herrn Professor Dr. Berthold Seitz

Kontakt für Rückfragen:
Augenklinik des Universitätsklinikums des Saarlandes, Professor Dr. Berthold Seitz, Tel. (06841) 16-22387, E-Mail: berthold.seitz@uks.eu

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de
http://www.uks.eu/augenklinik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Sonnencremes: Darauf kommt es bei der Darstellung der Wirksamkeit an
21.06.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Informationstechnologie - Internationale Konferenz erstmals in Aachen

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

22.06.2017 | Geowissenschaften

Wie Protonen durch eine Brennstoffzelle wandern

22.06.2017 | Energie und Elektrotechnik

Tröpfchen für Tröpfchen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie