Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verbesserte Wundheilung durch radioaktive Betastrahler

29.01.2007
900.000 Euro stellt die Bayerische Forschungsstiftung dem Projekt "BetaMod", das die Verbesserung der Wundheilung durch die Platzierung von Betastrahlern im Körper untersucht, zur Verfügung.

Damit kann die Projektleiterin am Klinikum rechts der Isar, die Augenärztin Prof. Dr. med. Ines Lanzl, drei Jahre lang gemeinsam mit Kollegen aus der Strahlentherapie (Klinikum rechts der Isar), der Physik (LMU), der Veterinärmedizin (LMU) der Urologie (Klinikum Großhadern) und der Gastroenterologie (Klinikum Großhadern) an dem Projekt arbeiten. Durch den Beitrag von industriellen Partnern erhöht sich der Gesamtumfang der Studie auf rund 1,8 Millionen Euro.

Viele Menschen haben das Problem schon am eigenen Leib erfahren: Verletzungen und Entzündungen führen häufig zu Narbenbildung - nicht nur auf unserer Haut, sondern auch im Körperinneren. Gerade nach Operationen ist dieser Vorgang meist unerwünscht. Manchmal verhindert er sogar, dass das Ziel einer Operation erreicht wird. Das ist insbesondere bei röhrenartigen Strukturen wie Harnwegen, Gallenwegen oder Tränenwegen der Fall, die durch Narben stark verengt werden können.

Schon seit Jahrzehnten weiß man, dass Radioaktivität die Bildung von Narben verringert. Doch bislang hatte diese Möglichkeit einen entscheidenden Nachteil: Gesundes Gewebe wird durch radioaktive Bestrahlung geschädigt und eine exakte Konzentration ausschließlich auf entzündetes Gewebe war nicht möglich.

"Genau dieses Problem hatten wir bei Operationen des Grünen Stars", erläutert Augenärztin Lanzl. "Wir modulieren dabei einen kleinen Kanal im Auge, der nach der Operation leider häufig verklebt. Das Auftragen einer chemotherapeutischen Flüssigkeit bei der Operation wirkt dem zwar entgegen, lässt sich aber nicht genau dosieren." Daher untersuchte Prof. Lanzl in den vergangenen drei Jahren, wie die Narbenbildung durch winzige Implantate, die mit dem Betastrahler Phosphor 32 beschichtet sind, auf kontrollierte Weise verhindert werden kann. Möglich wurde dieses Vorgehen durch die technische Ausstattung und das Knowhow der Abteilung für Physik der LMU: Deren Garchinger Beschleunigerlabor verfügt über einen so genannten "Ionenimplanter", der das Implantat mit einer genau berechenbaren Anzahl von Phosphor-Atomen bestückt.

"Die guten Ergebnisse unserer vorklinischen Untersuchung haben uns veranlasst, die dort gewonnenen Erkenntnisse auch auf andere medizinische Bereiche zu übertragen", sagt Lanzl. Damit war der Startschuss für das jetzt geförderte Projekt gefallen.

Nicht nur im Auge, sondern auch in anderen Bereichen der Medizin treten Probleme mit der Narbenbildung in "Röhren" auf. Betroffen sind insbesondere die Harn- und die Gallenwege. Daher lag es nahe, Spezialisten aus der Urologie und der Gastroenterologie als Projektpartner zu gewinnen. Hier wird die Röhrenstruktur nach Operationen ohnehin bereits durch Implantate gegen Narbenbildung geschützt; die Integration der radioaktiven Betastrahler kann daher direkt auf diesen Kathetern erfolgen. Die Forscher nutzen die Studie überdies, um auch die Kathetermaterialien weiter zu entwickeln. So kann beispielsweise durch die Verwendung noch glatterer Oberflächen bei den Gallenkathetern deren Verkrustung durch die aggressiven Gallensalze verringert werden.

Prof. Lanzl freut sich über die Kooperation: "Die Zusammenarbeit über die Fachgrenzen hinweg nützt uns allen. Denn jede Disziplin hat ihre eigenen Lösungswege und jeder kann vom anderen etwas Neues lernen."

Ziel des Projektes ist es, den routinemäßigen Einsatz von Kathetern, die mit Betastrahlern bestückt sind, zu ermöglichen. Dann kann bereits bei der Operation gezielt der späteren Narbenbildung vorgebeugt werden.

Projektbeteiligte:

o Prof. Dr. Ines Lanzl: Augenklinik, Klinikum rechts der Isar
o PD Dr. Walter Assmann: Department für Physik, LMU
o Prof. Dr. Burkhard Göke: Abteilung für Medizin II (Gastroenterologie), Klinikum Großhadern
o Prof. Dr. Peter Kneschaurek: Klinik für Strahlentherapie, Klinikum rechts der Isar
o Prof. Dr. Ulrike Matis: Abteilung für Veterinärmedizin, LMU
o Prof. Dr. Christian Stief: Abteilung für Urologie, Klinikum Großhadern
Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Ines Lanzl
Augenklinik am Klinikum rechts der Isar
Tel.: 089-4140-2797
E-Mail: ines.lanzl@lrz-tu-muenchen.de

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Betastrahler Gastroenterologie Implantat LMU Narbenbildung Physik Urologie Wundheilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften