Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was heißt hier ’gute Miene machen’?

14.02.2002


Untersuchungen zur emotionalen Wechselwirkung bei Behandlung mit dem Gift Botulinum

Botulinumtoxin - es ist nicht nur das stärkste bekannte Pharmakon, sondern auch eines der vielfältigsten Medikamente mit mehr als 100 publizierten Indikationen. Als Lifestyle-Therapeutikum hat Botulinumtoxin vor allem bei der Glättung von Gesichtsfalten und bei der Trockenlegung von extrem schwitzenden Körperarealen (fokale Hyperhidrose) Aufsehen erregt. In Deutschland lassen sich mittlerweile 100.000 Patienten mit diesem starken Gift, das aus einem Bakterium gewonnen wird, behandeln. Aufgrund seiner molekularen Größe ist Botulinum nicht für eine Anwendung in Form von Salben geeignet, sondern muß stets per Injektion an den beabsichtigten Wirkort gebracht werden. Die Wirkung setzt erst nach 2-5 Tagen ein und hält am Muskel etwa drei Monate, an den Schweißdrüsen dagegen 6-9 Monate an.

Die Dermatologen des Klinikums der Universität München, die sich im Bereich der klinischen Forschung und der Fortbildung für niedergelassene Ärzte bundesweit einen Namen gemacht haben, interessiert nun ein weiterer Aspekt. Gemeinsam mit Kollegen aus den Fachbereichen Psychosomatik verfolgen sie die Frage, ob und wie die Psyche der Patienten durch die Behandlung beeinflusst werden könnte. "Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass unsere Mimik einen Rückkopplungseffekt auf die emotionale Verfassung haben kann: Wir lachen, wenn wir fröhlich sind, aber umgekehrt hebt auch die rein mechanische Betätigung der Lachmuskeln unsere Stimmung. Dagegen runzeln wir die Stirn, wenn wir traurig oder verärgert sind. Uns interessiert, was passiert, wenn diese Sorgenmuskeln für eine Zeitlang entspannt werden" so Privatdozent Dr. Marc Heckmann, der neben der Behandlung von mittlerweile mehreren hundert Patienten zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichung zum Thema Botulinum vorweisen kann.

WIRKUNG VON BOTULINUM
Die erwünschte ästhetische Wirkung beruht auf einer spezifischen Hemmung von Azetylcholin an der neuromuskulären Endplatte: Einzelne Gesichtsmuskeln, wie der Musculus corrugator ("Sorgenmuskel") können damit selektiv für etwa 3-5 Monate blockiert werden, so dass keine mimisch bedingte Faltenbildung mehr auftritt. In klinisch kontrollierten Studien hat sich die Methode als wirksam und sicher bewährt. In der Öffentlichkeit ist sie zu einer der gefragtesten medizin-ästhetischen Prozeduren avanciert. Das Verfahren kann ingesamt als sicher und für den Patienten als nicht belastend eingestuft werden. Dennoch muss der Patient sorgfältig über seltene, aber mögliche Nebenwirkungen wie Brauenptosis (Schweregefühl oder vorübergehende Absenkung der Brauen) und Lidptosis (vorübergehende Absenkung der Augenlider) informiert werden. Unter Anwendung dieser Standards werden derzeit weitere Untersuchungen in der Dermatologie des Klinikums der Universität München durchgeführt. Auch für die Behandlung der fokalen Hyperhidrose liegen überzeugende klinisch kontrollierte Studien vor, die neue Therapiestandards definieren. Hier geht die Wirksamkeit von Botulinumtoxin weit über eine Lifestyle-Behandlung hinaus, da auch und gerade schwerstbetroffene Hyperhidrosepatienten mit extremer sozialer Stigmatisierung und somatischen Folgeerkrankungen innerhalb von wenigen Tagen zu einer spektakulären Beschwerdefreiheit gelangen können. Bislang ist der Wirkstoff in Deutschland nur für neurologische Erkrankungen zugelassen, in Kanada und England schon für die beschriebenen dermatologischen Anwendungen.


Bei Rückfragen steht zur Verfügung:
Privatdozent Dr. med. Marc Heckmann
Dermatologische Klinik und Poliklinik

Frauenlobstraße 9-11
80337 München
Tel.: 089-5160-6391, Fax: 089-5160-6392
E-Mail Marc.Heckmann@derma.med.uni-muenchen.de

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/public/www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Botulinum Botulinumtoxin Hyperhidrose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics