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Botulinumtoxin-Therapie bei Stimmbandkrampf

18.01.2007
Krampfartig pressen sich ihre Stimmlippen zusammen. Dadurch klingt ihre Stimme gepresst und abgehackt "Keiner konnte mehr verstehen, was ich sagte", erzählt die Rentnerin Betty S. (Name geändert). Bei einer neuartigen Therapie lähmt das von Bakterien produzierte Gift Botulinumtoxin eine Stimmlippe und verbessert so die Stimmbildung. Neben anderen wenigen Zentren bietet neuerdings auch die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Bonn diese Therapie an und half so Betty S..

Der Stimmbandkrampf, die so genannte spasmodische Dysphonie, ist eine neurologische Erkrankung, deren Ursache nicht bekannt ist. "Die Muskelbewegungen bei der Stimmgebung sind nicht koordiniert - es gibt nur Vollgas oder Leerlauf", erklärt Professor Dr. Götz Schade, Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie an der Bonner Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde.

Die innere Kehlkopfmuskulatur zieht die Stimmlippen zusammen und ist bei dem so genannten Adduktor-Typ einer spasmodischen Dysphonie verkrampft. Die Stimme klingt gepresst und knarrend. Bei starken Krämpfen bricht sogar die Stimme weg.

Bei dem selteneren Abduktor-Typ ist der Muskel, der die Stimmlippen öffnet, betroffen und die Stimmlippen können sich nicht mehr schließen. Dieses äußert sich in einer flüsternden und hauchenden Stimme. Eine spasmodische Dysphonie kann so schwer sein, dass eine sprachliche Kommunikation nicht mehr möglich ist. Nicht selten isoliert sich der Betroffene völlig.

Das Gehör weist dem Arzt den Weg

Oft laufen Patienten mit Stimmbandkrampf hilflos von einem Arzt, Logopäden oder Sprachtherapeuten zum anderen, denn nur wenige kennen das Krankheitsbild. So waren insgesamt acht Sitzungen bei einer Logopädin für Betty S. umsonst. Mit Botulinumtoxin - dem stärksten für medizinische Zwecke eingesetzte Zellgift - können die Bonner Ärzte dagegen die Symptome bekämpfen. Dazu schieben sie eine spezielle, sehr dünne Nadel von außen durch die Haut bis ins Kehlkopfinnere.

"Das geht auch ohne Betäubung. Unser Patient spürt nur einen kleinen Einstich wie beim Blutabnehmen und zu einem Würgereiz kommt es so gut wie nicht", sagt Professor Schade. Während der Patient einige Töne produziert, tastet sich der Arzt vorsichtig mit der Nadelspitze an die Stimmlippen heran und spritzt einen kleinen Tropfen Botulinumtoxin in den Muskel. Dabei dient die Nadel auch als Elektrode und misst die elektrische Muskelaktivität. So macht die so genannte Elektro-Myographie (EMG) Muskelbewegungen hörbar, und Professor Schade kann die Nadel lokalisieren: "Wenn es knattert, hat die Nadel ihr Ziel erreicht. Das erfordert viel Geschick und Erfahrung", sagt Professor Schade.

Kleiner Eingriff - große Wirkung

Eingespritzt in einen Stimmlippenmuskel, lähmt das Bakteriengift Botulinumtoxin eine Seite der Stimmlippen. Nach einer anfänglichen Heiserkeit hat der Patient dadurch etwa vier Monate lang eine deutlich verbesserte Stimme. "Ich traue mich wieder, an einem Gespräch teilzunehmen", sagt Betty S.. Der Einsatz von Botulinumtoxin ist unbedenklich, und eine Therapie kann bis zu vier Mal im Jahr durchgeführt werden. Doch die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht immer. "Aber die Therapie lohnt sich, denn sie steigert die Lebensqualität erheblich. Zudem gibt es keine andere Option, die einem Betroffenen wirklich helfen kann", konstatiert Professor Schade.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Götz Schade
Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudologie
Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Bonn
Telelefon: 0228/287-11280
E-Mail: goetz.schade@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2007/015.html

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