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Stammzelltransplantation optimieren

28.02.2001


Neues Verbundprojekt der Deutschen Krebshilfe

Bonn (so) - Viele Leukämie-Patienten können durch die Transplantation von Stammzellen geheilt werden: Blutbildende Zellen eines gesunden Spenders ersetzen die kranken Zellen des Patienten und übernehmen deren Aufgaben. Das Transplantat hat aber noch eine weitere wichtige Funktion: Es greift die Krebszellen an und versucht sie zu vernichten. Wie es zu diesem Phänomen - dem so genannten graft-versus-leukemia-Effekt (Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt) - kommt, ist bislang nicht geklärt. Daher fördert die Deutsche Krebshilfe Forschergruppen in Kiel, Düsseldorf, Köln, Leipzig, Regensburg und Mainz, die gemeinsam untersuchen wollen, was hinter dieser Antitumor-Wirkung steckt. Ziel ist es, den graft-versus-leukemia-Effekt bei der Behandlung von bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems effektiver als bisher zu nutzen sowie für die Therapie anderer Krebskrankheiten einzusetzen. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Verbundprojekt für zwei Jahre mit knapp 6,3 Millionen Mark.

Methode der Wahl bei der Behandlung vieler Krebserkrankungen ist die Transplantation von Knochenmark oder Blutstammzellen. Das Prinzip: Entartete Stammzellen werden durch eine hochdosierte Chemo- und Strahlentherapie zerstört und anschließend durch intakte blutbildende Zellen eines gesunden Spenders ersetzt. Doch durch Chemo- und Strahlentherapie wird auch die Immunabwehr der Patienten geschwächt. Bestimmte Immunzellen des Spenders, die mit dem Transplantat in den Körper des Empfängers gelangt sind, können daher das gesunde Gewebe des Patienten ohne Gegenwehr angreifen. Auf der Haut kann sich diese Attacke in einem kleinfleckigen Ausschlag äußern. Außerdem können Leber und Darm betroffen sein. Diese so genannte graft-versus-host-Reaktion (Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion) ist eine gefürchtete Nebenwirkung der Stammzelltransplantation.

Die Eigenschaft der fremden Immunzellen, Körperzellen des Patienten anzugreifen, ist jedoch nicht allein von Nachteil: Sie attackieren nämlich auch bösartig veränderte Zellen und tragen damit maßgeblich zum Erfolg der Stammzelltransplantation bei. Allerdings ist bislang nicht genau geklärt, wie es zu diesem so genannten graft-versus-leukemia-Effekt kommt. Im Rahmen des neuen multizentrischen Schwerpunktprogramms "Immunologische Tumortherapie durch allogene Stammzelltransplantation" der Deutschen Krebshilfe werden in mehreren Teilprojekten die Mechanismen der Antitumor-Wirkung analysiert, um die vom Spender stammenden Zellen in Zukunft optimal einzusetzen. Ziel ist es, den graft-versus-leukemia-Effekt bestmöglich zu nutzen, während der graft-versus-host-Effekt möglichst unterdrückt werden soll.

Professor Dr. Norbert Schmitz, Sprecher des Schwerpunktprogramms und leitender Oberarzt an der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, betont die Vorteile des an den Universitätskliniken in Kiel, Düsseldorf, Köln, Regensburg, Leipzig und Mainz laufenden Projektes: "Durch die enge Kooperation der verschiedenen Institutionen ist gewährleistet, dass kostbare Untersuchungsmaterialien allen Wissenschaftlern zur Verfügung stehen, notwendige Geräte und Methoden gemeinsam genutzt werden können sowie neue Erkenntnisse ohne zeitliche Verzögerung für alle Beteiligten zugänglich sind. Letztendlich soll durch die gemeinsame Durchführung klinischer Studien die Frage nach dem therapeutischen Wert neuer Behandlungsprinzipien beim Menschen so schnell wie möglich beantwortet werden."


Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw

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