Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einsatz von Immunglobulinen kritisch beleuchtet

15.01.2007
RUB-Neurologen berichten in NATURE
Helfer im Kampf gegen Autoimmunkrankheiten der Nerven

Wenn die körpereigene Abwehr sich gegen den falschen Feind wendet, hat das mitunter schlimme Folgen. Werden eigene Zellen fälschlich als fremd erkannt, greifen Immunzellen sie an und zerstören sie.

So geht zum Beispiel bei der Multiplen Sklerose die Isolierschicht der Nervenzellen zugrunde, ähnliche Abläufe sind Ursache des so genannten Guillain-Barré-Syndroms, das durch sich rasch ausbreitende Lähmungserscheinungen gekennzeichnet ist. Hilfe bieten Immunglobuline, die die krankmachenden Bestandteile des körpereigenen Abwehrsystems neutralisieren können.

Leitlinien zum Einsatz dieses wirksamen, aber auch teuren Wirkstoffs stellen Forscher um Prof. Dr. Ralf Gold (Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef Hospital) in der aktuellen Ausgabe von NATURE Clinical Practice Neurology zusammen. Die Autoren haben in den letzten 15 Jahren intensiv über Mechanismen von Immunglobulinen in Grundlagen- und klinischer Forschung gearbeitet und präsentieren den aktuellen Stand der Wissenschaft und therapeutischen Anwendung.

Krankmachende Antikörper neutralisieren

In den letzten zehn Jahren haben sich die Erfolge in der Behandlung neurologischer Autoimmunerkrankungen stark verbessert. "Das beruht vor allem auch darauf, dass unsere Therapieoptionen durch den Einsatz intravenöser Immunglobulin-Präparate verbessert wurden", sagt Prof. Gold. Immunglobuline sind körpereigene Eiweiße, die mit einem Ende an ganz bestimmte Fremdkörper andocken können. Andere Zellen des Immunsystems erkennen so den markierten Eindringling und machen ihn unschädlich.

Mit dem anderen Molekülende werden Elemente des angeborenen Immunsystems moduliert. Bei Autoimmunkrankheiten angewandt erkennen und neutralisieren die Immunglobuline krankmachende Antikörper und unterdrücken entzündungsfördernde Stoffe im Gewebe. Die zur Therapie verwendeten Immunglobuline werden aus dem Blutplasma von 5.000 bis 10.000 gesunder Spender gewonnen. Ein und dasselbe Präparat eignet sich daher zur Behandlung unterschiedlicher Autoimmunkrankheiten.

Therapie der Wahl für verschiedene Erkrankungen

Auf Grundlage Evidenz-basierter klinischer Studien sind intravenöse Immunglobuline nun die Therapie der Wahl beim Guillain-Barré-Syndrom und bestimmten Nervenentzündungen wie der chronisch-demyelinisierenden Polyneuritiden und der multifokalen motorischen Neuropathie. Darüber hinaus sind sie eine wichtige Therapie für Patienten mit sich rasch verschlechternder Myasthenie (eine Form von Muskelschwäche), als Therapiealternative bei Dermatomyositis (eine Muskelentzündung mit Beteiligung der Haut), Stiff-person Syndrom, bei dem die Muskelspannung aufgrund eines Befalls des zentralen Nervensystems krankhaft gesteigert ist, und in bestimmten Lebensabschnitten von Patienten mit Multipler Sklerose.

Wirkstoff ist knapp und teuer

"Das breite Repertoire an Immunmechanismen zusammen mit dem hervorragenden Sicherheitsprofil hat dazu geführt, dass das Medikament immer großzügiger eingesetzt wurde, sogar bei solchen Erkrankungen, für die nur eine schwache Datenlage existiert", stellt Prof. Gold fest. Das führt nicht nur zu einer zunehmenden Verknappung des Wirkstoffs, sondern auch zu einem immensen Kostenanstieg für Immunglobuline. "Deshalb müssen beim therapeutischen Einsatz neben Kostenaspekten auch viele praktische Gesichtspunkte, unter Berücksichtigung möglicher Wirkmechanismen bedacht werden", so Gold. Verschiedene Erkrankungen bedürfen zum Beispiel unterschiedlicher Dosierungen und unterschiedlich häufiger Behandlungen.

Titelaufnahme

Ralf Gold, Martin Stangel and Marinos C Dalakas: Drug Insight: the use of intravenous immunoglobulin in neurology - therapeutic considerations and practical issues. In: NATURE CLINICAL PRACTICE NEUROLOGY, Januar 2007, Vol. 3 No. 1, doi: 10.1038/ncpneuro0376

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ralf Gold, Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital, Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234/509-2410, Fax: 0234/509-2414, E-Mail: ralf.gold@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Autoimmunkrankheit Immunglobuline Immunglobulinen Sklerose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung