Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Defekt finden - gezielte Therapie entwickeln

09.01.2007
Deutsche Krebshilfe fördert Forschungsverbund zu Leukämien und Lymphomen

Die Heilungschancen bei Leukämien (Blutkrebs) und Lymphomen (bösartige Veränderungen des Lymphsystems) sind sehr unterschiedlich: viele Leukämien im Kindesalter sind zu rund 80 Prozent heilbar, andere Erkrankungen aus diesem Formenkreis, gerade bei Erwachsenen, haben nur Heilungsraten von 15 bis 40 Prozent.

Mit fast zwei Millionen Euro fördert die Deutsche Krebshilfe jetzt ein Verbundforschungsprojekt mit dem Ziel, den molekularen Ursachen dieser Krebserkrankungen auf den Grund zu gehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Der Verbund besteht aus acht Teilprojekten, an denen Grundlagenforscher aus Frankfurt/Main, Essen, Jena und Mainz beteiligt sind.

Leukämien und Lymphome sind eine Gruppe verschiedener bösartiger Erkrankungen des Blut- beziehungsweise Lymphsystems. Sie entstehen, wenn Lymph- oder Abwehrzellen entarten und dann unkontrolliert wachsen. Die Behandlung der Wahl ist eine Chemotherapie. Hinzu kommen Bestrahlung und in schweren Fällen auch die Stammzelltransplantation. "Doch trotz verbesserter Therapien stoßen die zurzeit verfügbaren Behandlungsformen oft an ihre Grenzen", sagt Professor Dr. Rolf Marschalek, Sprecher des Forschungverbundes am Biozentrum der Universität Frankfurt/Main. "Wir werden die Heilungschancen nur steigern können, wenn wir den Erkrankungsmechanismen auf die Spur kommen." Zudem greift eine Chemotherapie alle sich schnell teilenden Zellen im Körper an - also auch gesunde Zellen.

Das Ziel einer effektiven und möglichst nebenwirkungsarmen Therapie muss es daher sein, zielgenau nur die Krebszellen zu zerstören. Hier setzt der Verbund an: "Wir wollen die molekularen Ursachen von Leukämien und Lymphomen entschlüsseln", erklärt Marschalek. "Unsere Forschungsarbeiten sollen zeigen, welche Gene bei welcher Krebserkrankung verändert sind und wie die Zelle dadurch außer Kontrolle gerät. Wenn wir die krank machenden Vorgänge in der Zelle kennen, können wir maßgeschneiderte Medikamente entwickeln, um die veränderten Genprodukte zu blockieren."

Bislang gibt es nur wenige Therapiekonzepte, die selektiv wirken und direkt an den genetischen Ursachen von Krebserkrankungen ansetzen. Dazu gehört beispielsweise das Medikament Imatinib, das gegen eine bestimmte Leukämieform eingesetzt wird. Es hemmt ganz gezielt ein verändertes Eiweiß im Körper, das für das unkontrollierte Wachstum der Leukämiezellen verantwortlich ist. Die gezielte Blockade dieses Enzyms stoppt das Wachstum der Leukämiezellen und führt zum Zelltod. Da das entartete Protein in gesunden Zellen nicht vorkommt, bleiben diese Zellen von der Therapie verschont. Langfristiges Ziel der Forschergruppe ist es, neue therapeutische Optionen für weitere hochmaligne Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems zu entwickeln, die parallel zur konventionellen Behandlung eingesetzt werden können.

"Durch die Arbeit in einem Forschungsverbund entstehen wertvolle Synergie-Effekte", betont Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. "Außerdem findet ein regelmäßiger und intensiver Informationsaustausch zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen statt. Dadurch können Neuentwicklungen schneller umgesetzt werden." Ziel der Forschungsförderung der Deutschen Krebshilfe ist es, krebskranken Menschen zu helfen und wissenschaftliche Ergebnisse rasch in die Verbesserung von Therapieverfahren zu überführen.

Infokasten: Leukämien und Lymphome

Leukämien und Lymphome stellen eine uneinheitliche Gruppe verschiedener Krebserkrankungn des Blut- beziehungsweise Lymphsystems dar. Grund für diese Heterogenität ist die große Anzahl verschiedener Lymphom- und Abwehrzellen im Körper, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer Entwicklung entarten und zu einer Krebserkrankung führen können. Die Behandlung von Leukämien und malignen Lymphomen ist für die verschiedenen Erkrankungsformen unterschiedlich. Wichtig für eine optimal angepasste Therapie ist die Einteilung der Erkrankung nach Krankheitsstadien, ihren feingeweblichen und molekularbiologischen Charakteristika sowie ihrer Bösartigkeit. Häufig werden verschiedene Therapieformen miteinander kombiniert. Dazu zählen vor allem die Chemo- und Strahlentherapie, die durch eine Immuntherapie oder Stammzelltransplantation ergänzt werden können.

Projektnummer: 102362

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie