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Globale Grippepandemie könnte 62 Mio. Tote fordern

22.12.2006
96 Prozent der Todesfälle in der Dritten Welt

Eine globale Grippepandemie könnte 62 Mio. Todesopfer fordern, warnen Wissenschafter der Harvard University. 1918 starben 50 Mio. Menschen. Die Experten sagen in The Lancet voraus, dass die Krankheit heute trotz des medizinischen Fortschritts mehr Todesfälle zur Folge haben würde. Die ärmsten Länder der Welt wären aufgrund von Faktoren wie HIV und Malaria am stärksten betroffen. Gerade diese Länder verfügen jedoch über die geringsten Mittel zur Bekämpfung einer Pandemie.

Weltweit treten tödliche Grippe-Epidemien laut BBC drei bis vier Mal in einem Jahrhundert auf. Einige Experten gehen davon aus, dass eine neue durch die Vogelgrippe ausgelöste Epidemie bevorstehen könnte. Bisher sind 258 Menschen am Vogelgrippevirus H5N1 erkrankt. Befürchtungen gehen dahin, dass dieser Stamm mutieren, sich rasch über die Infizierten ausbreiten und so eine tödliche Pandemie auslösen könnte. Es wird geschätzt, dass zum Beispiel in Großbritannien zwischen 50.000 und 700.000 Menschen sterben könnten. Für ihre Vorhersage untersuchte das Team um Christopher Murray die Ereignisse rund um die Pandemie der Spanischen Grippe 1918 - 1920.

Extrapoliert man die Sterberaten auf die Weltbevölkerung von 2004, könnte es bei einem ähnlich schweren Ausbruch zwischen 51 und 81 Mio. Todesopfer geben. Als Mittelwert gehen die Wissenschafter von 62 Millionen Toten aus. Von 96 Prozent dieser Todesfälle wären die ärmsten Länder aufgrund der Überbevölkerung und dem eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung betroffen. Murray warnte, dass die Last der nächsten Grippepandemie überwiegend von der Dritten Welt zu tragen sein würde. "Es wäre klug sich auf durchführbare und finanzierbare Strategien zu konzentrieren."

Der Grippe-Experte Neil Ferguson vom Imperial College London http://www3.imperial.ac.uk betonte, dass der Zugang zu Impfstoffen, antiviralen Präparaten und Antibiotika für die am ehesten Betroffenen ein Teil der Lösung sei. Es könnte jedoch pragmatischer sein, sich auf allgemeine Maßnahmen wie die Schließung von Schulen, Quarantäne der Privathaushalte und das Tragen von Gesichtsmasken zu konzentrieren. Es seien jedoch mehr Beweise dafür erforderlich, ob diese Maßnahmen eine Pandemie verzögern oder ihre Auswirkungen verringern können.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.harvard.edu
http://www.thelancet.com
http://www3.imperial.ac.uk

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