Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immunologie im Weltall und auf der Intensivstation

21.12.2006
Astronaut Thomas Reiter beteiligt sich an medizinischer Studie

Der Aufenthalt des Menschen im Weltraum führt im Organismus zu Anpassungsvorgängen. Dabei können auch schwerwiegende, die Gesundheit der Kosmonauten/Astronauten gefährdende Veränderungen, vergleichbar mit Reaktionen bei schwerstkranken, intensivtherapiebedürftigen Patienten auftreten.

So erfahren sowohl die Kosmonauten/Astronauten in der Schwerelosigkeit als auch Schwerstkranke auf der Intensivstation ausgeprägte psychische und physische Stresssituationen. In Folge fehlender Bewegung, Störung der Verdauung und der Schlaf-Wach-Zyklen, und der Tatsache, sich in Lebensgefahr zu befinden, kommt es in beiden Situationen zu ausgeprägten Veränderungen der Immunabwehr und somit zu einer Gefahr für das Leben des Menschen. Dr. Alexander Chouker und Prof. Dr. Manfred Thiel (Klinik für Anästhesiologie des Klinikums der Universität München, LMU) erforschen derzeit die Folgen (bmb+f/DLR Fördernummer 50WB0523) von verschiedenen Stressfaktoren auf das Immunsystem, insbesondere den Verlust der natürlichen Schwerkraft. Dazu werden auch die immunologischen Folgen fehlender Erdanziehung beim Aufenthalt des deutschen Astronauten Thomas Reiter in der Internationalen Raumstation ISS analysiert.

Das Immunsystem spielt sowohl im Weltall als auch auf den Intensivstationen eine Schlüsselrolle. Einerseits muss eine ausreichende Abwehrkraft zum Schutz vor pathogenen Keimen bereitgestellt werden, andererseits darf das Immunsystem nicht zu stark aktiviert werden, um den menschlichen Organismus nicht von "innen" zu schädigen. Ziel der modernen Immunologie ist es, diese Ambivalenz des Immunsystems besser zu verstehen. Aufgrund der Schwerelosigkeit im Weltraum bietet sich nun erstmals die einzigartige Möglichkeit, neue, beim Leben des Menschen auf der Erde durch die Schwerkraft "hervorgerufene" Mechanismen zu entdecken. Denn seit Beginn der Entwicklung des Lebens auf der Erde vor etwa einer Milliarde Jahren hat die Schwerkraft auf die Interaktion von Molekülen während des Zellwachstums, der Zellkommunikation und somit auf jegliche Form von Leben fortwährend Einfluss genommen.

Die zu erwartenden Erkenntnisse werden die Entwicklung neuer prophylaktischer oder therapeutischer Maßnahmen fördern, die das Gesundheitsrisiko des Menschen bei Langzeitraumflügen reduzieren. Außerdem eröffnen die geplanten Untersuchungen Perspektiven für neue innovative Therapieansätze schwerkranker Patienten in der Intensivmedizin.

Ansprechpartner:
Dr. Alexander Chouker und Prof. Dr. Manfred Thiel
Klinik für Anästhesiologie am
Klinikum der Universität München
Tel: +49 (0)89 7095-3410
E-Mail: manfred.thiel@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 83.000 Patienten stationär und 371.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über 2.400 Betten. Von insgesamt 9000 Beschäftigten sind rund 1800 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München zählt zu den größten Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und hat im Jahr 2005 mehr als 55 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Das Klinikum der Universität München ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Immunologie Immunsystem Intensivstation Schwerkraft Weltall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie