Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rettungsanker für Brustkrebs-Familien

14.03.2001


... mehr zu:
»BRCA »Brustkrebs »Verbundprojekt
Deutsche Krebshilfe stellt Ergebnisse des Verbundprojektes vor

In manchen Familien ist Brustkrebs wie ein Fluch: Er

betrifft jede Generation, und schon junge Frauen fallen ihm zum Opfer. Von den 46.000 Frauen, die Jahr für Jahr in Deutschland an Brustkrebs erkranken, sind 5 bis 10 Prozent erblich vorbelastet. Um Risikofamilien helfen zu können, fördert die Deutsche Krebshilfe seit 1996 bundesweit zwölf universitäre Zentren. Die Zwischenergebnisse dieses Verbundprojektes sind beachtlich: Über 3.000 Familien wurden bislang beraten, bei über 1.000 Familien wurde eine molekulargenetische Analyse durchgeführt, und bei 300 Familien konnten Gen-Veränderungen nachgewiesen werden. Über 1.000 Frauen aus diesen Familien werden mittlerweile in einem intensiven Früherkennungsprogramm betreut, um mögliche Tumoren bei ihnen frühzeitig entdecken und heilen zu können. Das Verbundprojekt "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs" läuft noch bis zum Jahre 2003 und wird von der Deutschen Krebshilfe mit insgesamt fast 25 Millionen Mark finanziert.

Mathilde H. erkrankte 1996 im Alter von nur 25 Jahren an Brustkrebs. Ihre Mutter war mit 37 Jahren an den Folgen von Brustkrebs gestorben, und auch zwei Tanten sind bereits erkrankt. Die junge Frau, selbst Mutter von zwei Kindern, wurde operiert. In ihrer Angst suchte sie nach einem Rettungsanker: Nachdem sie erfahren hatte, dass manche Brustkrebserkrankungen erblich bedingt sind, wandte sie sich als eine der ersten Patientinnen an das Bonner Zentrum des Verbundprojektes der Deutschen Krebshilfe "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs". Schnell stellte sich heraus, dass die Familie von Frau H. zur Hochrisiko-Gruppe gehört: In dieser Familie konnte eine Veränderung (Mutation) des für Brustkrebs verantwortlichen Gens BRCA 1 festgestellt werden. Alle Familienmitglieder, die sich haben testen lassen und bei denen die Gen-Veränderung nachgewiesen werden konnte, unterziehen sich seither regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Ihr Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken, ist statistisch deutlich erhöht, doch je früher ein Tumor erkannt wird, desto größer ist ihre Chance auf Heilung.

Neben der Einrichtung in Bonn finanziert die Deutsche Krebshilfe interdisziplinäre Zentren in Berlin, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt, Heidelberg, Kiel, Leipzig, München, Münster, Ulm und Würzburg. Dort arbeiten Frauenärzte, Humangenetiker, Molekulargenetiker und Psychologen eng zusammen und betreuen die ratsuchenden Familien nach einem bundesweit einheitlichen Konzept. Mittlerweile wurden über 3.000 Familien beraten. 40 Prozent der Ratsuchenden konnten beruhigt werden: Aufgrund ihrer Familienkonstellation ist kein erhöhtes Brustkrebs-Risiko anzunehmen. Bei mehr als 1.000 Familien, die aufgrund der Anamnese zur Risikogruppe gezählt werden müssen, wurde eine komplette Mutations-Analyse in den beiden bekannten Brustkrebs-Genen (BRCA 1 und 2) durchgeführt. In 210 Familien fanden sich tatsächlich Veränderungen des BRCA 1-Gens, in 90 Familien ist das BRCA 2-Gen mutiert. Etwa 20 Prozent der getesteten Personen konnten jedoch als Anlageträger ausgeschlossen werden - sie wissen nun definitiv, dass sie keine Gen-Mutation geerbt haben.

Die Entscheidung für oder gegen einen Gentest ist für die Frauen nicht einfach zu treffen. Daher wird vor jeder molekulargenetischen Untersuchung ein ausführliches Beratungsgespräch geführt, an dem auch Psychologen beteiligt sind. Erst dann kann eine Frau selbst entscheiden, ob eine molekulargenetische Analyse für sie sinnvoll ist. 60 Prozent der Frauen aus Hochrisiko-Familien entschieden sich bislang für einen Gentest, 40 Prozent lehnten die Untersuchung ab.

Den Frauen, die eine genetische Veranlagung für die Entstehung von Brustkrebs tragen, werden verschiedene Handlungsmöglichkeiten angeboten: Prophylaktisch können Brustdrüse und/oder Eierstöcke entfernt werden - eine Option, die bislang nur zwei Prozent aller Betroffenen wahrgenommen haben. Außerdem kann durch eine Behandlung mit Antihormonen der Entstehung von Brustkrebs vorgebeugt werden. Erst vor kurzem ist hierzu eine Therapiestudie angelaufen. Die meisten betroffenen Frauen nehmen das Angebot der engmaschigen Früherkennungsuntersuchung wahr: 1.000 Frauen wurden bislang in dieses Programm aufgenommen, im Rahmen dessen mit Ultraschall, Mammographie, Kernspin und Tastuntersuchung die Entstehung von Brustkrebs so früh wie möglich entdeckt werden soll.

Interviewpartner, Fotos und die Broschüre "Familiärer Brust-und Eierstockkrebs" auf Anfrage!

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw

Weitere Berichte zu: BRCA Brustkrebs Verbundprojekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Allergieforschung: Weltweit erstes automatisches Pollennetz in Bayern am Start
28.09.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Heidelberg Laureate Forum: Eine Veranstaltung mit Zukunft

29.09.2016 | Veranstaltungen

Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane - Oktober 2016

29.09.2016 | Veranstaltungen

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schwerste Atome im Rampenlicht

29.09.2016 | Physik Astronomie

Zelluläres Kräftemessen

29.09.2016 | Interdisziplinäre Forschung

K 2016: Von OLED-Verkapselung bis Plagiatschutz

29.09.2016 | Messenachrichten