Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tuberkulose: Resistenzen gegen Medikamente nehmen zu

18.12.2006
Sowjetunion und China besonders stark betroffen

Das Problem von gegen mehrere Medikamente resistenter Tuberkulose dürfte weit ernster sein als bisher angenommen. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation über 79 Länder hat ergeben, dass bei fast jedem Menschen eine Resistenz vorliegt. Besonders stark betroffen sind einige Regionen der früheren Sowjetunion und Teile von China. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Tuberkulosebakterium infiziert. Rund 8,9 Millionen Menschen erkranken jährlich. 2004 starben 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Die Ergebnisse der Studie wurden in The Lancet veröffentlicht.

Medikamente gegen Mikroben haben sich in der Vergangenheit als sehr effektiv für die Behandlung von Tuberkulose erwiesen. Experten gehen laut BBC davon aus, dass ihr falscher Einsatz den Bakterien zu viele Möglichkeiten gegeben hat, neue Abwehrstrategien zu entwickeln. Das größte Problem besteht darin, dass Patienten ihre Medikamente nicht vollständig einnehmen. Auch wenn die Symptome verschwunden sind, können kleine Mengen der Bakterien zurückbleiben, die in der Lage sind zu mutieren. Besonders gefährlich sind jene Bakterienstämme, die gegen die beiden wirksamsten Medikamente, Isoniazid und Rifampicin, resistent sind.

Die aktuelle Studie wurde im Rahmen des 1994 ins Leben gerufenen Global Project on Anti-Tuberculosis Drug Resistance Surveillance http://www.who.int/tb/dots/dotsplus/surveillance/en/index.html durchgeführt. Basierend auf ihren Analysen geht das Team der WHO davon aus, dass es 2004 weltweit 424.000 Fälle von multiresistenter Tuberkulose gegeben hat. Die Hälfte der Betroffenen stammte aus China, Indien und Russland. Die Forscher nehmen an, dass rund ein Prozent der neuen Erkrankungen durch multiresistente Bakterienstämme verursacht werden. In acht Ländern, inklusive Kasachstan und Lettland, lag dieser Wert bei über 6,5 Prozent. In Andorra, Island und Malta gab es keine Fälle von Resistenzen gegen Medikamente. In Amerika, Hongkong und Kuba ging die Anzahl der Erkrankungen zurück.

Peter Davies von TB Alert erklärte, dass weltweit rund 500 Millionen Dollar für die Suche nach neuen Medikamenten ausgegeben würden. Dieser Betrag entspräche jedoch nur der Hälfte der Summe, die ein Pharmaunternehmen für die Entwicklung eines neuen Produktes ausgeben würde. "Wir bekommen einfach nicht die für neue Medikamente und Impfstoffe erforderlichen Mittel. Immer wieder werden neue Medikamente entdeckt. Es gibt aber kein Geld für die klinischen Tests." Dieses Problem sei bereits seit 20 Jahren bekannt.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.who.int
http://www.thelancet.com
http://www.tbalert.org

Weitere Berichte zu: Bakterie Bakterienstämme Medikament Resistenz Tuberkulose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften