Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bluttest für Schizophrenie

18.01.2001


Ein relativ einfacher Bluttest zur Diagnose von Schizophrenie wurde von Wissenschaftlern am Weizmann Institut vorgeschlagen. Die Studie, die von Prof. Sara Fuchs und der Doktorandin Tal Ilani von der Abteilung
Immunologie durchgeführt wurde, wird am 16 Januar in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences, U.S.A., veröffentlicht.

Schizophrenie, die etwa ein Prozent der Bevölkerung betrifft, zeichnet sich durch Störungen der emotionalen Funktionen, der Realitätswahrnehmung und der Gedankenabläufe aus. Da die biologische Grundlage der Krankheit noch im Dunkeln liegt, gründet sich die Diagnose auf psychiatrische Bewertung und Beurteilung des Verhaltens. Zahlreiche Forschungsergebnisse legen jedoch eine mögliche Verbindung zwischen der Krankheit und einer übermäßig starken Aktivität von Dopamin nahe, einem chemischen Botenstoff oder Neurotransmitter, der bei der Kommunikation zwischen Nervenzellen im Gehirn eine Rolle spielt. Diese Aktivität hängt unter anderem von der Zahl der Dopaminrezeptoren auf der Oberfläche der Nervenzellen ab. In der Tat haben Postmortem-Untersuchungen an Gehirnen schizophrener Patienten sowie PET-Untersuchungen an Gehirnen lebender Patienten gezeigt, dass die Zahl dieser Rezeptoren bei Schizophrenie erhöht ist. Daher könnte man möglicherweise durch Messen ihrer Anzahl die Krankheit diagnostizieren. Leider ist es jedoch nicht möglich, Zahl und Lage der Dopaminrezeptoren im Gehirn lebender Schizophrenie-Patienten mit ausreichender Präzision festzustellen.

Prof. Sara Fuchs und Tal Ilani schlagen ein Verfahren vor, das dieses Problem umgeht. Sie empfehlen, die Anwesenheit von Dopamin-Rezeptoren an der Oberfläche weißer Blutkörperchen, Lymphozyten, als möglichen Test auf Schizophrenie zu messen. Um dies zu überprüfen, verglichen die Wissenschaftler Blutproben von Schizophrenie-Patienten in psychiatrischen Kliniken in Israel mit Blutproben gesunder Personen.

Da die Identifizierung von Dopaminrezeptoren auf der Oberfläche weißer Blutkörperchen extrem schwierig ist, konzentrierten sich die Wissenschaftler auf eine frühe Stufe der Rezeptorbildung - jener Stufe, auf der die Boten-RNS-Molekuele die genetische Information für die Herstellung von Dopaminrezeptoren aus dem Zellnukleus an das Ribosom übertragen, jener kleinen "Zellfabrik", welche die Rezeptoren produziert.

Eine statistische Analyse zeigte, dass das Blut von Patienten mit Schizophrenie im Durchschnitt 3,6 mal so viele Boten-RNS-Molekuele für Dopamin-Rezeptoren einer bestimmten, D3 genannten Sorte, aufwies, wie das Blut von Gesunden. Die hohen Werte konnten sowohl bei mit unterschiedlichen Medikamenten behandelten Patienten beobachtet werden, als auch bei Patienten, die keine medikamentöse Behandlung erhalten. Auf Grundlage dieser Ergebnisse schlagen die Wissenschaftler vor, den Bluttest, der die Werte der mRNA für D3-Rezeptoren auf den Membranen der weißen Blutkörperchen feststellt, als Test für Schizophrenie anzuwenden.

Zum Forscherteam gehörten Dr. Dorit Ben-Shachar vom Rambam Medical Center und B. Rappaport von der Medizinischen Fakultät des Technion - Israel Institute of Technology, Dr. Rael D. Strous und Dr. Moshe Kotler vom Psychiatrischen Zentrum Beer Yaakov und Dr. Marina Mazor und Dr. Ala Sheinkman vom Psychiatrischen Zentrum in Tirat Hacarmel, Haifa.

Professor Sara Fuchs ist Inhaberin des Professor-Ernst-B.-Chain-Lehrstuhls für Neuro-Immunologie. Ihre Forschung wird unterstützt von der Abramson-Familienstiftung, der Wood-Byer-Stiftung, dem Crown Endowment Fund für Immunologieforschung, dem Irwin-Green-Forschungsfonds in Neurowissenschaft, dem Levine-Center für angewandte Forschung, dem Edward-D.-und-Anna-Mitchell-Forschungsfonds und dem Cemach-und-Anna-Oiserman-Forschungsfonds.

Debbie Weiss | idw

Weitere Berichte zu: Dopaminrezeptor Nervenzelle Schizophrenie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics