Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Licht lindert die Leiden von Krebspatienten

14.12.2006
Anfang der 90er-Jahre forschte Alexander Kübler in den USA. Dort lernte er eine neue Form der Krebsbehandlung kennen, mit der er sich seitdem sehr intensiv befasst hat. Jetzt setzt er sie auch an der Uni Würzburg ein - bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren im Bereich von Mund und Rachen.

"Zurzeit verwenden wir die Therapie hauptsächlich als schmerzlindernde Methode in Fällen, bei denen ansonsten überhaupt nichts mehr zu machen ist außer Chemotherapie", erklärt der Professor. Lebensqualität und Überlebenszeit der Patienten werden dadurch deutlich verbessert: Schlucken, sprechen und atmen fällt ihnen leichter, zudem leiden sie weniger stark an Schwellungen und Blutungen.

Die Rede ist von der Photodynamischen Therapie (PDT): Die Patienten bekommen zunächst eine lichtempfindliche Substanz verabreicht. Dieser so genannte Photosensibilisator wird anschließend durch Licht aktiviert und bildet dann aggressive Sauerstoff-Moleküle, welche die Tumorzellen direkt abtöten oder zum Verschluss von Blutgefäßen führen - wodurch ebenfalls Tumorzellen abgetötet werden. Das gesunde Gewebe in der Umgebung wird weitestgehend geschont. Diese Methode ist bei der Behandlung von Hautkrebs weit verbreitet, bei Tumoren im Mund-Rachenraum wird sie dagegen noch selten eingesetzt.

Das Licht kann oberflächlich auf den Tumor eingestrahlt werden. Es ist aber auch möglich, lichtleitende Glasfasern direkt ins Gewebe zu bringen und so den Tumor noch zielgenauer zu attackieren. Schließlich kommt die PDT auch im Verlauf von Operationen zum Einsatz - nämlich dann, wenn ein Tumor wegoperiert wurde und die im Wundbett zurückbleibenden Tumorzellen zerstört werden sollen. Diese Einsatzmöglichkeit erforschen Professor Kübler und seine Mitarbeiter derzeit besonders intensiv: Sie hoffen auf eine geringere Rückfallrate und damit auf bessere Heilungschancen für ihre Krebspatienten.

Alexander Kübler (42) ist an der Uni Würzburg seit Mitte Oktober als Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie tätig. Er tritt die Nachfolge von Jürgen Reuther an, der in den Ruhestand gegangen ist.

Mit der PDT hat sich der neue Professor wissenschaftlich eingehend befasst: Im Rahmen zahlreicher Studien hat er ihre Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten untersucht und weiter entwickelt. In Deutschland und Europa ist die Lichttherapie gegen fortgeschrittene Kopf-Halstumoren seit 2003 zugelassen. Kübler war an der klinischen Entwicklung, Einführung und Zulassung des ersten europäischen Photosensibilisators maßgeblich beteiligt.

Ein weiteres Forschungsgebiet des Professors sind so genannte autologe Knochentransplantationen, bei denen die Patienten körpereigene Knochen transplantiert bekommen. Dieses Verfahren spielt in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie eine wichtige Rolle; es dient dem Wiederaufbau von Knochendefekten nach Tumoroperationen, Unfällen oder dem Verlust von Zähnen.

Kübler hat sich ausführlich damit beschäftigt, wie sich der Ort, an den die Knochen transplantiert werden sollen, bestmöglich auf den Eingriff vorbereiten lässt. Außerdem hat er mit seiner Arbeitsgruppe ein Verfahren zur Kältekonservierung von Knochenspenden entwickelt: Dadurch lassen sich die Knochentransplantate eines Patienten unbegrenzt lange zwischenlagern. Dieses Verfahren wird beim Kieferaufbau vor Zahnimplantationen bereits routinemäßig eingesetzt.

Alexander Kübler wurde 1964 in Stuttgart geboren. Er studierte von 1984 bis 1992 parallel Human- und Zahnmedizin in Mainz. Von 1992 bis 1993 verbrachte er ein Jahr im Rahmen eines DFG-Forschungsstipendiums am Rosewell Park Cancer Institute in Buffalo, einem der führenden Krebsforschungsinstitute der USA. Dort beschäftigte er sich intensiv mit der PDT, der Entwicklung neuer Photosensibilisatoren und deren vorklinischer Erprobung.

Nach Deutschland zurückgekehrt, begann er seine Ausbildung zum Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Universität Heidelberg. Dort habilitierte er sich 1999 und wechselte anschließend als Leitender Oberarzt an die Klinik und Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Universität zu Köln. Im Jahr 2001 erhielt er dort die Zusatzbezeichnung "Plastische Operationen" und wurde im gleichen Jahr zum C3-Professor für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ernannt. Kübler ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Fachgesellschaften und hat mehrere Preise gewonnen.

Kontakt: Prof. Dr. Alexander Kübler, T (0931) 201-72730, Fax (0931) 201-72700, E-Mail kuebler_a@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Gesichtschirurgie Krebspatient PDT Photosensibilisator Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie