Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Impfung gegen Nierenkrebs wird klinisch erprobt

13.12.2006
Neu entdeckte Tumor-Antigene sollen Immunreaktion verstärken

Die Impfung gegen Krebs stellt eine viel versprechende Therapie-Option dar. Ihr Ziel: Die körpereigene Abwehr gegen den Tumor zu verstärken. Ein Team um Professor Dr. Stefan Stevanovic, Universität Tübingen hat Strukturen - so genannte Tumor-Antigene - auf Nierenkrebszellen identifiziert, die zur Impfung gegen Nierentumoren eingesetzt werden. Erste klinische Studien mit diesen Antigenen laufen bereits. Die Deutsche Krebshilfe hat dazu erforderliche Forschungsarbeiten mit über 80.000 Euro gefördert.

Das Immunsystem hat die Aufgabe, Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Pilze zu zerstören. Die Abwehrzellen des Immunsystems erkennen die Erreger aufgrund von Eiweißstoffen, die auf der Oberfläche der "Eindringlinge" sitzen. Auch Krebszellen verraten sich gegenüber dem Immunsystem durch das Vorhandensein von verdächtigen Eiweiß-Molekülen auf ihrer Oberfläche - den so genannten Tumor-Antigenen. Spüren Abwehrzellen diese Strukturen auf, lösen sie eine Immunreaktion im Körper aus. Im Idealfall kann also das körpereigene Abwehrsystem den Krebs bekämpfen. "Die Immunantwort ist jedoch meist zu schwach, um die bösartigen Zellen effektiv zu vernichten", erklärt Stevanovic vom Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen.

Die Tumor-Antigene lassen sich allerdings einsetzen, um die Abwehrreaktion gegen die Krebszellen zu erhöhen. Bei dieser so genannten Immuntherapie wird der Patient mit Tumor-Antigenen geimpft, die auch auf den Krebszellen in seinem Körper vorkommen. Auf diese Weise werden die Krebs-spezifischen Strukturen den Abwehrzellen vermehrt gezeigt. Dies kann die Immunreaktion erheblich verstärken.

Im Mittelpunkt der körpereigenen Abwehr stehen die so genannten T-Zellen. Sie kommen in zwei Formen vor: Während die T-Killerzellen das "Fußvolk" für die grobe Arbeit sind, stellen die T-Helferzellen die "Dirigenten" einer Immunreaktion dar. Denn im Gegensatz zu den Killerzellen, die Krankheitserreger zerstören, rufen die Helferzellen alle Abwehrzellen des Immunsystems auf den Plan, wenn sie fremde Strukturen erkennen. So regulieren sie die Abwehrreaktion und erhöhen wesentlich deren Stärke und Dauer.

"Es sind bereits viele Dutzend Tumor-Antigene bekannt, die zu einer Reaktion der T-Killerzellen gegen Krebs führen", erklärt Stevanovic. "Der große Vorteil der von uns entdeckten Tumor-Antigene ist, dass sie auch die T-Helferzellen aktivieren, von denen wir uns eine besonders effektive Immunreaktion versprechen."

Der Tübinger Arbeitsgruppe ist es außerdem gelungen, den Bauplan dieser Tumor-Antigene aufzuschlüsseln. So können sie diese im Labor herstellen und für eine Immuntherapie einsetzen. Drei dieser Tumor-Antigene werden derzeit an der Klinik für Urologie unter der Leitung von Professor Dr. Arnulf Stenzl in klinischen Studien als Impfstoff zur Immuntherapie bei Nierenzellkrebs erprobt. "Dabei konnten wir bereits ein Ansprechen von T-Zellen in Patienten beobachten, ohne dass schwerwiegende Nebenwirkungen auftraten. Zudem ist die Impfung technisch einfach", erklärt Stevanovic. "Die tatsächliche Bedeutung für die klinische Praxis können wir jedoch erst nach einer Zwischenauswertung - voraussichtlich Ende 2007 - beurteilen." Diese Art der Immuntherapie könnte in Zukunft insbesondere dafür eingesetzt werden, um Tumorreste, die beispielsweise nach einer Operation noch im Körper sind, zu vernichten.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Abwehrzelle Immunreaktion Immunsystem Immuntherapie Impfung Tumor-Antigene

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten