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Neue Ansätze zur Therapie von Infektionen bei Transplantationspatienten

11.12.2006
Empfänger einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation sind für Monate bis Jahre immunsupprimiert. Während dieser Zeit sind die Patienten einem erhöhten Risiko von Infektionserkrankungen ausgesetzt. Erkrankungen, die durch das humane Cytomegalovirus (HCMV), einem Herpesvirus, ausgelöst werden, sind eine gefürchtete Komplikation, da es hier zu lebensbedrohlichen Infektionsverläufen kommen kann.

Die Chemotherapie des Erregers ist problematisch, da die verwendeten Substanzen erhebliche Nebenwirkungen haben. Deshalb wird in den letzten Jahren verstärkt an Strategien gearbeitet, die Immunantwort gegen das Virus im Patienten zu verbessern. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt suchen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und Mediziner der Universitätsklinik Würzburg gemeinsam nach einem neuen Konzept der Immuntherapie der HCMV-Infektion bei Transplantationspatienten.

Herpesviren sind weltweit verbreitete Erreger mit hohen Durchseuchungsraten von 40% bis zu nahezu 100% bei den einzelnen Vertretern. Die primäre Infektion verläuft in der Regel ohne klinische Symptome, so daß in der Mehrzahl der Infizierten die Infektion nicht bemerkt oder diagnostiziert wird. Kommt es zu einer symptomatischen Infektion, treten so unterschiedliche Erkrankungen auf wie z.B. Windpocken (hervorgerufen durch das Varizella-Zoster-Virus), Herpes labialis (Herpes simplex Virus) oder Pfeiffersches Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus). Die primäre Infektion mit HCMV in einem gesunden Menschen kann sich in seltenen Fällen in Grippe-ähnlichen Symptomen bemerkbar machen.

Allen Herpesviren gemeinsam ist die spezifische Eigenschaft, nach der Primärinfektion lebenslang im Körper zu verbleiben. Während dieser sog. Persistenz werden keine nennenswerten Mengen an infektiösen Viren gebildet und es treten keine Krankheitssymptome auf. Ursache dafür ist die Kontrolle des Virus durch das Immunsystem. Vor allem zwei unterschiedliche Mechanismen tragen zu dieser Kontrolle bei: Zytotoxische T-Zellen ("Killer Zellen"), die Virus-infizierten Körperzellen eliminieren und Antikörper, die in der Lage sind, die Infektiosität von freien Viren zu neutralisieren. Treten Defekte in einzelnen Komponenten der Immunantwort oder im gesamten Immunsystem auf, kann es zu einer Reaktivierung der Virusvermehrung, die zu einer symptomatischen Erkrankung führen kann, kommen. Paradebeispiel ist hier der immer wiederkehrende Lippenherpes (Herpes labialis). Patienten nach einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation haben in der frühen Phase nach der Transplantation kein voll funktionsfähiges Immunsystem. Endogen persistierende Herpesviren können sich in dieser Phase ungehemmt vermehren. Eine exogene Infektionsquelle ist hierfür nicht notwendig.

In dem Forschungsvorhaben wird untersucht, ob die Übertragung von sog. Gedächtnis B-Zellen vom Spender des Transplantats auf den Empfänger dazu beitragen kann, die Vermehrung von HCMV zu hemmen. Gedächtnis B-Zellen könnten nach Kontakt mit dem Virus im Patienten aktiviert werden und als Folge Antikörper produzieren, die das Virus neutralisieren. Gedächtnis B-Zellen sind eine zentrale Komponente des Immunsystems. Sie werden nach jedem Kontakt mit Infektionserregern gebildet und überleben für Jahrzehnte im Körper. Bei einem wiederholtem Kontakt mit dem gleichen Erreger werden sie aktiviert und vermitteln den Schutz durch Antikörperproduktion. Bei den gängigen Transplantationsverfahren werden diese Zellen nicht mit übertragen. Falls sich die Zellen als wirksam bei einer HCMV Infektion erweisen, könnten auch andere Infektionserreger wie z.B. Pilze oder Bakterien mit diesem Verfahren bekämpft werden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Mach, Institut für Klinische und Molekulare Virologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, Schloßgarten 4, 91054 Erlangen, Tel.: +49 9131 8522487, e-mail: Michael Mach@viro.med.uni-erlangen.
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 210.000€.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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