Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Immundetektor für Krebszellen

11.12.2006
Das menschliche Immunsystem kann mit seinen so genannten Natürlichen Killerzellen (kurz: NK Zellen) bestimmte Tumorzellen erkennen und zerstören. Ein wichtiger "molekularer Spürhund" auf der Oberfläche von NK Zellen, der das Erkennen von Tumorzellen ermöglicht, ist der Rezeptor NKG2D.

Ungewöhnlicherweise enthält das menschliche Genom für NKG2D acht verschiedene Bindungspartner (NKG2D-Liganden), die ihrerseits häufig auf Tumorzellen zu finden sind. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung gefördertem Projekt untersucht ein Forscherteam um Dr. Alexander Steinle an der Universität Tübingen die Bedingungen, unter denen diese NKG2D-Liganden auf Tumorzellen erscheinen, um die natürliche Immunität gegen Krebs besser zu verstehen.

Seit dreißig Jahren ist bekannt, dass die NK Zellen des menschlichen Immunsystems die Fähigkeit besitzen Tumorzellen abzutöten. Dabei sind insbesondere solche Tumorzellen im Visier der NK Zellen, die durch Mutationen ihre Erkennungsstrukturen für die T Killerzellen verloren haben. Lange Zeit war unbekannt, wie NK Zellen Tumorzellen von gesunden Körperzellen unterscheiden können. Erst die Entdeckung des Rezeptors NKG2D auf NK Zellen und der dazugehörigen molekularen Zielstrukturen auf Tumorzellen, den NKG2D-Liganden, brachte hier einen entscheidenden Fortschritt. Infolgedessen konnten mehrere Forschergruppen zeigen, dass Tumorzellen, die auf ihrer Oberfläche NKG2D-Liganden tragen, von dem Immunsystem erkannt und abgestoßen werden können. Diese Befunde untermauerten die in Fachkreisen kontrovers diskutierte Hypothese, wonach das körpereigene Immunsystem Tumorzellen in Schach halten kann ("tumor immunosurveillance hypothesis").

Der Mensch besitzt acht verschiedene NKG2D-Liganden und damit eine außergewöhnlich hohe Zahl von NKG2D-Bindungspartnern. Derzeit ist unklar, warum NKG2D mit so vielen verschiedenen Molekülen wechselwirkt, wie sich die NKG2D-Liganden in ihrer Funktion voneinander unterscheiden, welche NKG2D-Liganden für eine Tumorimmunüberwachung besonders wichtig sind und warum diese Immunkontrolle bei Krebs versagt. Alexander Steinle und seine Mitarbeiter versuchen im Rahmen des geförderten Projektes diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Sie konnten bereits herausfinden, dass sich Tumorzellen dem "Immundetektor" NKG2D dadurch entziehen, indem sie die NKG2D-Liganden von ihrer Oberfläche abwerfen. Gelingt die Entschlüsselung dieses Prozesses auf molekularer Ebene wäre die Entwicklung von Medikamenten möglich, die dieses Abwerfen verhindern und so die Tumorzellen für das Immunsystem sichtbarer machen. Auch durch eine gezielte therapeutische Erhöhung der NKG2D-vermittelten Aktivität von NK Zellen wäre eine Stärkung der natürlichen Immunantwort gegen Tumorzellen denkbar. So ist das Fernziel der Tübinger Forscher durch eine Steigerung der NKG2D-Aktivität im Verbund mit anderen immuntherapeutischen Maßnahmen die natürliche Immunität gegen Krebs bei Tumorpatienten wirkungsvoll zu mobilisieren.

... mehr zu:
»Immunität »Immunsystem »NKG2D »Tumorzelle
Weitere Informationen:
Dr. Alexander Steinle, Universität Tübingen
Tel.: +49-(0)7071-2980992, Fax: +49-(0)7071-295653,
E-mail; alexander.steinle@uni-tuebingen.de.
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 180.000€.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Immunität Immunsystem NKG2D Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie