Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einfluss der genetischen Vielfalt auf Prognose und Therapieerfolg von Melanompatienten

11.12.2006
In den letzten Jahrzehnten ist die Wahrscheinlichkeit, am schwarzen Hautkrebs (Melanom) zu erkranken, deutlich gestiegen. Sofern der Tumor in einem frühen Stadium operativ entfernt wird, besteht eine hohe Heilungschance.

Diese verringert sich jedoch dramatisch wenn der Krankheit erst in einem späten Stadium diagnostiziert wird. Um diesen Patienten besser helfen zu können, werden eine Reihe von neuen Therapien untersucht, wobei zahlreiche dieser Therapien auf die Verstärkung der körpereigenene Immunantwort basieren. Für die Erfolgsaussichten solcher immunmodulierender Therapien, aber auch der Prognose des Krankheitsverlaufs per se scheint die genetische Prädisposition des Patienten von entscheidender Bedeutung zu sein.

In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt möchte das Forscherteam um Prof. Jürgen Becker und Dr. David Schrama von der Universitätshautklinik Würzburg untersuchen, ob Polymorphismen in ausgewählten Genen, die für immunregulierende Botenstoffe bzw. deren Rezeptoren kodieren, einen Einfluss auf Prognose und Therapieansprechen bei Melanompatienten besitzen.

Aufgrund einer jährlichen Inzidenzzunahme um 3 bis 8%, hat sich das kutane Melanom zu einem großen Problem der öffentlichen Gesundheit entwickelt. Die in den vergangenen Jahren erzielte Prognoseverbesserung des kutanen Melanoms ist in erster Linie die Diagnose zu frühen Zeitpunkten der Erkrankung zurückzuführen. Die Prognose von Patienten mit metastasiertem Melanom ist dagegen weiterhin nahezu unverändert schlecht. Nachdem Chemotherapien bisher nur einen geringen Einfluss auf das Überleben der Melanompatienten haben, wird intensiv nach neuen Therapieansätzen zu der Behandlung des Melanoms gesucht.

Dabei spielt die Immuntherapie entweder als Mono- oder in Form von Kombinationstherapien eine wichtige Rolle, besonders da viele Beobachtungen die Immunogenität des Melanoms nahe legen.

Für eine Immunantwort ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren entscheidend. Dabei spielen Zytokine, d.h. von Zellen produzierte Proteine, die das Verhalten anderer Zellen beeinflussen, sowohl bei der Initiierung, Regulierung und Vermittlung einer Immunantwort eine wichtige Rolle. Die Gene, in denen die Information für Zytokine bzw. deren Rezeptoren enthalten sind, lassen sich daher als Immunantwort-zugehörige Gene zusammenfassen.

In der Bevölkerung natürlich vorkommende Sequenzvariationen, so genannte Polymorphismen, können die Menge an produziertes Zytokin bzw. dessen Funktion beeinträchtigen und somit auch Auswirkung auf die Immunreaktion haben. Dies kann sowohl den Verlauf der Krankheit als auch den Erfolg von Therapien beeinflussen. Daher will die Würzburger Arbeitsgruppe nun gezielt die prognostische Relevanz und den Einfluss von immune-response-related Genpolymorphismen auf den Therapieerfolg untersuchen.

Die Analysen erfolgen an eine mehr als 3000 Melanompatienten umfassende Kohorte, deren Krankheitsverläufe gut dokumentiert sind. Ziel des Projekts ist die Evaluierung von Polymorphismen als prognostische Marker, und für spezifische Therapien "günstige" bzw. "ungünstige" Polymorphismen zu identifizieren. Dadurch sollte es langfristig ermöglicht werden, Patienten individuell angepasste Therapien anzubieten, bzw. von Therapien abzusehen, bei denen nur ein geringer Nutzen zu erwarten ist.

Weitere Informationen:
Dr. rer. nat. David Schrama, Univ. Hautklinik Würzburg
Tel: +49 931 20126756, Fax: +49 931 20126700,
email. Schrama_d@klinik.uni-wuerzburg.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000€.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Immunantwort Melanom Melanompatient Polymorphismen Therapieerfolg Zytokin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie