Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stechender Mäusedorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2002

06.02.2002


Ruscus aculeatus
Der Stechende Mäusedorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2002


Vor allem in Frankreich und Italien ist der Stechende Mäusedorn (Ruscus aculeatus) bereits ein bekanntes Mittel gegen Venenschwäche. Weil dieses Gewächs aber auch hierzulande immer mehr Aufmerksamkeit findet, wurde es vom Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2002 gewählt.

Schätzungsweise sechs Millionen Bundesbürger leiden an einer chronischen Venenschwäche: Sie haben Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, sie müssen nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen erdulden.

Vor allem in Italien und Frankreich gehören Ruscus-Präparate bereits zu den Venentherapeutika der ersten Wahl. In Deutschland ist der Mäusedorn hingegen weniger bekannt. Dabei seien die pharmakologischen Daten überzeugend, wie der Studienkreis mitteilt: Der Wurzelextrakt erhöht die Spannung der Venen und stimuliert den lymphatischen Transport, wodurch das Gewebevolumen signifikant abnimmt. Neuesten Studien zufolge schützen die Wirkstoffe der Ruscuswuzel auch die Venenstützfaser Elastin, wodurch die Venen elastisch bleiben.

Der Mäusedorn ist eine mediterrane Pflanze, die aber auch in deutschen Gärten gedeiht. Auf den immergrünen, wie gewöhnliche Blätter aussehenden und zwei bis drei Zentimeter langen Seitensprossen sitzen die unscheinbaren weißlichen Blüten. Diese entwickeln sich zu kugeligen, korallenroten Früchten.

Die Seitensprosse sind recht spitz, woher der deutsche Name "Stechender Mäusedorn" herrührt. Vermutlich war es früher Brauch, die Zweige dieser Pflanze zum Fleisch zu hängen, um Mäuse vom Vorrat fernzuhalten. Darüber hinaus wurde mit den Ruscus-Zweigen auch gefegt.

In der Antike fand sich der Mäusedorn sogar auf dem Speiseplan: Seine jungen unterirdischen Sprosse wurden wie Spargel als Gemüse verzehrt. Ebenfalls aus der Antike stammen die ersten arzneilichen Anwendungen, die sich über das Mittelalter bis in die großen Kräuterbücher des 16. und 17. Jahrhunderts erhalten haben. Diese Anwendungen waren aber in der Regel nicht sehr spezifisch - bis auf die Empfehlung, eine Wurzelabkochung bei Wassersucht zu nutzen. Denn tatsächlich bilden sich Wasseransammlungen im Gewebe bei regelmäßiger Anwendung von Ruscusextrakt zurück.

Die venenstabilisierenden Eigenschaften des Mäusedorns wurden erst in den 1950er Jahren wiederentdeckt. Verantwortlich dafür sind die Inhaltsstoffe Ruscogenin und Neoruscogenin, die auch gegen Hämorrhoiden angewandt werden. Inzwischen sei die Wirksamkeit des Extrakts aus den unterirdischen Sprossen bei chronischer Venenschwäche klinisch belegt, so der Studienkreis. Die Würzburger Arzneipflanzenkundler verweisen hierzu auf eine für die Krankheitsstadien I und II in Deutschland durchgeführte plazebokontrollierte Doppelblindstudie.

Weitere Informationen: Dr. Ralf Windhaber, T (0931) 790-3810, Fax (0931) 790-3811.

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Arzneipflanze Venenschwäche

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise