Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Veränderungsprozesse des Gesundheitstourismus ...

30.11.2006
... und Raumordnungsfragen für die Tourismusräume sowie ländlichen Räume in Mecklenburg Vorpommern

Vorstellungen zum Gesundheitstourismus gewinnen aus Begriffen wie Wellbeing, Fitness, Sport oder Happiness ihre Kontur. Das heißt, das nachhaltig wirkende Lebensstilkonzept von Gesundheitstourismus setzt sich aus Wohlbefinden, Spaß und guter körperlicher Verfassung fort, stellt diese auch bereit - bis in das hohe Lebensalter hinein.

Gegenwärtig versteht man unter Gesundheitstourismus vor allem marktbezogene Sozial- und Reiseräume, medizinisch fundierte Methoden als alternative sowie ergänzende Anwendungen, natursportliche Aktivitäten oder aktivitätsfördernde "Ruheräume", die das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden des Einzelnen steigern können. Fremdenverkehrseinrichtungen, Hotels, Badeanstalten, Kureinrichtungen bieten unter dem Begriff Gesundheitstourismus zudem Massagen und Bäder in Tages- und Wochenprogrammen an, die ihre Nähe zum Sport- und Kulturtourismus dokumentieren.

Gesundheitstourismus ist ein beliebter Werbeslogan und ein mittlerweile recht inflationär gebrauchter Begriff, da er weder rechtlich geschützt noch forschungsemantisch eindeutig ist. So werden z.B. Mineralwasser, indischer Lassi, Socken, Müsli, Konfitüre und so genannte Nahrungsergänzungsmittel wie Noni als angebliche Gesundheitsartikel marketingmäßig aufgeladen und im Sinne von Wohlfühlartikel in touristischen Umgebungen vermarktet, ohne ausreichend zu fragen, wie der gesundheitstouristische Bezug hinreichend zu begründen wäre.

Seit 1959 wird Gesundheitstourismus sehr stark unter dem Aspekt Wellness gedacht. Der amerikanische Sozialmediziner Halbert L. Dunn hatte das Konzept Wellness neu aufgegriffen und als Lebensstil im "american way of life" rekonstruiert. In den 70er Jahren - als die Kosten im amerikanischen Gesundheitswesen explodierten - entwickelten Donald B. Ardell und John Travis im Auftrag der amerikanischen Regierung neue ganzheitliche Gesundheitsmodelle, die auf Prävention und Eigenverantwortung des Einzelnen für seine Gesundheit aufbauten. Danach beschreibt Wellness einen Zustand von Wohlbefinden und Zufriedenheit und besteht aus folgenden Faktoren:

+ Selbstverantwortung
+ Ernährungsbewusstsein
+ körperliche Fitness
+ Stressmanagement
+ Umweltsensibilität.
Derartige Signaturen können im Wesentlichen gesundheitstouristischen Angeboten gleichsam unterstellt werden, da sie die exponierten Vorstellungen von einer individuell erfüllten und in Gesundheit gelungenen Lebensführung generalisieren.

Welche raumordnerischen Konsequenzen lassen sich nun aber für lokale und regionale Entwicklungsfragen ableiten in einem Bundesland, in dem der Gesundheitstourismus stabil mit 10% wächst, das die herausragende regionalwirtschaftliche Bedeutung von Tourismusmärkten erkannt und bis in die ministerielle Ebene aufgewertet hat?

Gerade in Musterregionen wie Mecklenburg-Vorpommern, die den Gesundheitstourismus als Alleinstellungsmerkmal offensiv positionieren, wird unter spezifischen Raumordnungsbedingungen als harte Standortfaktoren wichtig:

+ vor allem naturbelassene Erholungsumgebungen auf räumliche Entwicklungsbedingungen zu prüfen,

+ die hohe Dichte an Kur- Heilbädern mit Blick auf arbeitsmarktspezifische Auslastung und die damit zusammenhängenden Destinationserweiterungen zu kalkulieren,

+ die Vielfalt an Kur- und Erholungsorten mit der touristischen Entwicklungsabsicht auch des ländlichen Raums und der Stadt-Umland-Räume zu kombinieren,

+ die wirtschaftlichen Wirkungen der Saisonverlängerungen durch professionell geführte Destinationen des Gesundheitstourismus mit neuen Eignungsgebieten der Raumentwicklung im Zusammenhang zu diskutieren und nicht zuletzt

+ raumordnungspolitische Vorgaben durchzusetzen, die die Verwertungsinteressen von Nutzern und Anbietern gesundheitstouristischer Infrastrukturen stärken.

Als Ansatzpunkte für ein innovatives Raumordnungsmanagement, in denen gesetzliche Vorgaben, politische Visionen, markt- und arbeitsmarktspezifische Prozesse sowie Gesundheitsbedürfnisse interferieren, zeichnen sich eine stärke Auslastung der Tourismusräume selbst - vor allem auch der Randgebiete des Küstenraums und das Küstenhinterland - und eine qualitative Verbesserung der Raumordnungsbedingungen im ländlichen Raum eindeutig ab. Indikatoren für diese Ableitung sind die expansiven Auslastungsperspektiven für Kultur-, Wassersport-, Reit- und vor allem Radtourismus und der Gesamtbereich Gesundheitstourismus mit einer deutlichen Entwicklungsoption im Segment Medical Wellness.

Prof. Dr. Gustav Burosch | idw
Weitere Informationen:
http://www.baltic-college.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz