Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

G-Proteine: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

23.11.2006
Viele Medikamente wirken im Körper dort, wo normalerweise Adrenalin und andere Hormone ihre Arbeit verrichten. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben jetzt neue Erkenntnisse über den Einsatzort dieser Arzneimittel gewonnen.

Darüber berichten sie im "Journal of Biological Chemistry".

Den Herzschlag steigern, den Blutdruck erhöhen - bevor ein Hormon diese Wirkungen ausüben kann, läuft auf der Ebene der Moleküle ein ausgeklügelter Prozess ab: Das Hormon dockt zunächst an so genannte Rezeptoren an, die sich auf der Außenseite der Zellen befinden. Durch diesen Vorgang werden auf der Innenseite der Zelle spezielle G-Proteine aktiviert, die dann ihrerseits Effekte in der Zelle auslösen.

Bislang war der genaue zeitliche Ablauf dieser Prozesse unklar. Doch dem Team von Peter Hein und Arbeitsgruppenleiter Moritz Bünemann am Lehrstuhl für Pharmakologie der Uni Würzburg ist hier ein Durchbruch gelungen: Mit mikroskopischen Methoden, die sie selbst entwickelt haben, können die Forscher die fraglichen Vorgänge direkt an lebenden Zellen beobachten.

... mehr zu:
»G-Proteine »Hormon »Rezeptor

Bei ihren Experimenten stellte sich heraus: Der erste Schritt der Hormon- bzw. Arzneimittelwirkung geht sehr schnell. Es braucht nur 50 tausendstel Sekunden, um den Rezeptor zu aktivieren und ihn die Verbindung zu den G-Proteinen aufnehmen zu lassen. Doch die G-Proteine selbst nehmen sich dann wesentlich mehr Zeit. Es dauert eine halbe Sekunde, bis sie aktiv werden - wobei auch das noch ein durchaus schneller Vorgang ist.

"Über 50 Prozent der in Deutschland verschriebenen Medikamente greifen an Rezeptoren an, die mit G-Proteinen in Wechselwirkung treten", sagt Peter Hein. Dazu gehören zum Beispiel Beta-Blocker, die etwa gegen Bluthochdruck eingesetzt werden, oder Adrenalin-ähnliche Substanzen, die akute Asthmaanfälle beenden oder auch zur Wehenhemmung eingesetzt werden.

Aus diesem Grund interessieren sich die Würzburger Forscher für die Vorgänge, die an diesen Rezeptoren ablaufen. Je besser man darüber Bescheid weiß, umso größer sind die Chancen, dieses Wissen in der Zukunft für die Entwicklung von Medikamenten zu nutzen, die noch zielgerichteter wirken und weniger Nebenwirkungen haben.

Weitere Informationen: Dr. Moritz Bünemann, T (0931) 201-48854, E-Mail: m-buenemann@toxi.uni-wuerzburg.de

Peter Hein, Francesca Rochais, Carsten Hoffmann, Sandra Dorsch, Viacheslav O. Nikolaev, Stefan Engelhardt, Catherine H. Berlot, Martin J. Lohse und Moritz Bünemann: "GS Activation Is Time-limiting in Initiating Receptor-mediated Signaling", J. Biol. Chem., Nov 2006; 281: Seiten 33345 - 33351; doi:10.1074/jbc.M606713200

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de
http://www.jbc.org/

Weitere Berichte zu: G-Proteine Hormon Rezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops