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Diabetes und Stillen - spezielle Stillvorbereitung für Schwangere mit Diabetes in München

22.11.2006
Im Rahmen des Projektes "Diabetes und Stillen" möchte das Institut für Diabetesforschung in Schwabing untersuchen, warum Frauen mit Diabetes seltener und kürzer stillen als andere Mütter und wie man sie beim Stillen unterstützen kann.

Dazu werden an Diabetes erkrankte Schwangere von einem interdisziplinären Team aus einer Stillberaterin, einer Diabetesberaterin und einem Diabetologen während Schwangerschaft und Stillzeit geschult und individuell beraten. Dadurch sollen mit dem Diabetes verbundene Komplikationen bei Schwangerschaft und Entbindung verhindert und die Frauen bei Stillschwierigkeiten unterstützt werden.

Im Verlauf des Projekts werden die Frauen regelmäßig zu ihrem Stillverhalten befragt. Der erste Stillvorbereitungskurs für Schwangere und Ihre Partner findet am Samstag, den 25. November von 14-17 Uhr in der Diabetesberatung des Klinkums Schwabing statt. Der Kurs ist kostenlos. Anmeldungen unter: 089 - 30 79 31 14.

Den Anstoß zu diesem Projekt gab die Erkenntnis aus der Wissenschaft, dass Typ 1 Diabetikerinnen und Gestationsdiabetikerinnen deutlich seltener und kürzer stillen als gesunde Mütter. Insbesondere insulinbehandelte Gestationsdiabetikerinnen mit einem Body-Mass-Index über 30 stillen extrem wenig: nur 35% und damit gerade einmal ein Drittel dieser Frauen stillt überhaupt. Bei einer Untersuchung in München betrug die Stilldauer bei dieser speziellen Gruppe im Mittel nur 4 Wochen. Das entspricht einem Sechstel der empfohlenen Stillzeit von sechs Monaten. Zwar lag die Stillquote bei den Gestationsdiabetikerinnen insgesamt und bei den Typ 1 Diabetikerinnen deutlich höher. Die mittlere Stilldauer betrug jedoch auch hier kaum mehr als die Hälfte der empfohlenen Stillzeit.

Eine kurze Stilldauer bringt für die Säuglinge Nachteile mit sich: Das Stillen ermöglicht nicht nur allgemein eine optimale Entwicklung des kindlichen Darms und des Immunsystems des Neugeborenen. Gestillte Kinder haben auch ein geringeres Risiko für späteres Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen. Gerade Kinder diabetischer Mütter haben schon von vornherein ein erhöhtes Risiko für späteres Übergewicht und könnten in dieser Hinsicht vom Stillen profitieren. Bedeutsam ist für diese Kinder auch der besondere Infektionsschutz durch das Stillen, da ihre Mütter zu häufigeren Infektionen neigen. Auch für die Mutter-Kind-Bindung ist das Stillen von Vorteil, da diese bei chronisch kranken Müttern erschwert sein kann.

Bisher wurden noch keine Gründe für das abweichende Stillverhalten diabetischer Frauen erhoben. Als möglicher Einflussfaktor kommen jedoch Schwierigkeiten bei der Stoffwechseleinstellung der Mutter während der Schwangerschaft und bei Entbindung in Betracht. Dadurch kann es zu Komplikationen beim Kind kommen, die eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich machen. Der Säugling muss dann schon kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt werden, was einen erfolgreichen Stillbeginn behindert. Zudem werden diabetische Mütter häufiger per Kaiserschnitt entbunden als gesunde, sie sind im Schnitt bei Geburt jünger und ihre Schwangerschaften kürzer, was ebenfalls das Stillen erschweren kann.

Angelika Locher | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifdf.de

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