Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alzheimer: Energiemangel als Risikofaktor?

21.02.2001


... mehr zu:
»Alzheimer »Nervenzelle
Je älter der Mensch wird, desto weniger Energie steht seinem Gehirn zur Verfügung. An der Universität Würzburg wird erforscht, ob und wie sich ein Energiemangel in den Nervenzellen auf das Entstehen der
Alzheimer-Krankheit auswirkt.

Das Problem der Alzheimer-Erkrankung wird mit der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung in den Industriestaaten immer drängender werden. Deshalb erfährt die Alzheimer-Forschung seit einigen Jahren eine immer stärkere Unterstützung. So auch durch die "Hirnliga e.V. - Liga zur Erforschung, Erkennung und Behandlung von Hirnleistungsstörungen" mit Sitz in Nümbrecht (Nordrhein-Westfalen), die ein Projekt an der Universität Würzburg fördert.

Hierbei arbeitet PD Dr. Reinhard Schinzel vom Lehrstuhl für Physiologische Chemie I mit der Klinischen Neurochemie der Universitäts-Nervenklinik (Prof. Dr. Peter Riederer) und der Abteilung Neurowissenschaften des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung in Leipzig (PD Dr. Gerald Münch) zusammen. Die Wissenschaftler untersuchen die Auswirkungen eines Energiemangels auf zwei wichtige Vorgänge in Nervenzellen, die zu den charakteristischen Veränderungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten und damit zum Nachlassen der geistigen Fähigkeiten führen.

Einer dieser Vorgänge ist die Ablagerung von unlöslichen Eiweißbruchstücken im Gehirn. Die Ablagerungsstellen, "senile Plaques" genannt, können als Entzündungsherde wirken und so benachbarte Nervenzellen schädigen. Die zweite Veränderung ist die Bildung von Eiweißfäden in den Nervenzellen: Diese Ablagerungen können durch eine chemische Reaktion mit Zuckern so vernetzt werden, dass sie unwiederbringlich verklumpen und das Funktionieren der Zelle behindern.

Die Würzburger Forscher wollen nun herausfinden, welchen Einfluss die Energieversorgung der Nervenzellen auf diese Prozesse hat. Als Modellsystem verwenden sie im Labor kultivierte Nervenzellen, in denen durch einen stufenweisen Entzug von Glukose ein Energiemangel ausgelöst wird.

Dr. Schinzel: "Zunächst untersuchen wir, ob die beiden für Alzheimer typischen Veränderungen durch den Energiemangel ausgelöst oder beschleunigt werden." Dies sei denkbar, weil die Schutzsysteme der Zellen viel Energie verbrauchen. Der Mangel könnte also ihre Funktion beeinträchtigen und die Anfälligkeit der Zellen für degenerative Prozesse erhöhen.

Zur Entwicklung von neuen Therapieansätzen solle zudem festgestellt werden, ob der Energiemangel und die durch ihn verursachten biochemischen Veränderungen durch die Zugabe von Arzneistoffen ausgeglichen werden können. Möglicherweise könnten solche Medikamente, die beispielsweise bereits zur Behandlung von diabetischen Nervenfunktionsstörungen zugelassen sind, auch den Ausbruch von Alzheimer verzögern.

Weitere Informationen: PD Dr. Reinhard Schinzel, T (0931) 888-4140, Fax (0931) 888-4150, E-Mail: schinzel@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Alzheimer Nervenzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften