Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Intensivstation - Herausforderung für die Arzneimitteltherapie

17.11.2006
"Auch und gerade Patienten, deren Überleben in Frage steht, verdienen, dass wir alles tun, damit die vorhandenen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Dazu müssen wir die pharmakotherapeutischen Herausforderung annehmen, die die Versorgung von Intensivpatienten mit sich bringen und lernen, mit den komplexen Pharmakokinetiken bei Vielfachmedikationen und Multiorgandefizienzen umzugehen."

Das betonte Prof. Dr. Karl Werdan, Leopoldina-Mitglied und Direktor des Zentrums für Innere Medizin am Klinikum der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Eingang des Symposiums "Pharmakotherapie beim kritisch kranken Patienten auf der Intensivstation", das heute und morgen in Berlin stattfindet.

Hierzu hat die Paul-Martini-Stiftung, Berlin, in Verbindung mit der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle (Saale), eingeladen. Das Symposium bringt führende Experten aus Kliniken und Unternehmen sowie Vertreter von Ministerien, Behörden und Verbänden zusammen. Professor Werdan leitet es zusammen mit dem Leopoldina-Mitglied und Sprecher der Leopoldina-Sektion Innere Medizin Prof. Dr. Dr. h.c. Peter C. Scriba von der Ludwig-Maximilian-Universität München.

Bei den typischen Krankheitsbildern der Intensivmedizin wie Multiorgan-Dysfunktions-Syndrom (MODS), Schock, Systemischem Inflammations-Reaktions-Syndrom (SIRS) und Sepsis liegt die Letalitätsrate immer noch zwischen 30 und 100 Prozent. Fortschritte in der Etablierung besserer medikamentöser Interventionsmöglichkeiten erfordern es, sich die typischen Funktionsausfälle von Organsystemen einzeln anzusehen. Die Problematik des Nierenversagens für die Dosierung von Medikamenten ist offensichtlich; im Symposium werden aber auch Störungen des Verdauungs- und des Herz-Kreislauf-Systems sowie endokrine Dysfunktionen als Einflussgrößen für die medikamentöse Therapie analysiert.

Eine wichtige Funktion kommt in der Intensivmedizin der Ernährung zu. Durch sie muss nicht nur die funktionelle Körpermasse aufrecht erhalten oder wieder hergestellt werden; vielmehr ist sie - so Prof. Dr. Wilfred Druml (Wien) - eine gezielte metabolische Intervention, die den Organismus in die Lage versetzen soll, mit einer Akuterkrankung fertig zu werden. Kann der Patient seinen Substratbedarf nicht oral decken, muss eine künstliche Ernährung vorgenommen werden, wobei enterale und parenterale Ernährung in Betracht kommen. Eine besondere Rolle hat die Immunonutrition, also die gezielte Versorgung des Patienten mit Substraten, die seine Immunkompetenz verbessern. Hierfür wurden Arginin, Omega-3-Fettsäuren, Nukleotide, Glutamin, Selen und anderen Antioxidantien in Betracht gezogen; dabei gibt es insbesondere für Glutamin und Selen gute Belege für die Wirksamkeit, vor allem hinsichtlich einer Senkung der Sepsis-Morbidität.

Antiinfektiva bilden einen weiteren Schwerpunkt des Symposiums. Gegen schwere bakterielle Infektionen sind in den letzten Jahren mehrere "resistenzbrechende" Antibiotika verfügbar geworden; auch das Arse-nal der Antimykotika wurde um Präparate ausgeweitet, die bei bislang nur schwer bekämpfbaren Erregern wie z.B. Aspergillen wirken. Diese Präparate haben die Chancen für Intensivpatienten erheblich verbessert, wenn sie vor Eintreten einer Sepsis zum Einsatz kommen können. Ist jedoch erst einmal eine Sepsis eingetreten, dann sind die medizinischen Möglichkeiten weiterhin limitiert, wie die Sterblichkeit von rund 54 Prozent zeigt. Ein Fortschritt ist von einer weiteren Verbreitung der seit 2006 verfügbaren Leitlinien der Deutschen Sepsis-Gesellschaft und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin zu erwarten.

Die Paul-Martini-Stiftung

Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zu Fragen der Arzneimittelforschung und -entwicklung zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden pharmazeutischen Industrie und anderen Forschungseinrichtungen sowie Behörden. Träger der Stiftung ist der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA), Berlin, mit seinen derzeit 39 Mitgliedsunternehmen.

Die Stiftung ist benannt nach dem herausragenden Bonner Wissenschaftler und Arzt Professor Paul Martini (1889 - 1964), in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Förderung und Weiterentwicklung der klinisch-therapeutischen Forschung, die er mit seiner 1932 veröffentlichten "Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung" über Jahrzehnte wesentlich geprägt hat. Nach ihm ist auch der jährlich von der Stiftung verliehene Preis für herausragende klinische Forschung benannt.

Die Akademie Leopoldina

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle an der Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie fördert inter- und transdisziplinäre Diskussionen durch öffentliche Symposien, Meetings, Vorträge, die Arbeit von Arbeitsgruppen, verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse, berät die Öffentlichkeit und politisch Verantwortliche durch Stellungnahmen zu gesellschaftlich relevanten Themen, fördert junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und betreibt wissenschaftshistorische Forschung.

Die Leopoldina ist die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Akademie in Deutschland. Ihr gehören etwa 1.200 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen sowie aus den Technik-, Kultur- und den empirischen Geistes-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben. Unter den derzeit lebenden Nobelpreisträgern sind 34 Mitglieder der Leopoldina.

Kontakt Paul-Martini-Stiftung:
Dr. Rolf Hömke
Pressereferent
Tel. 030 20604-204
Fax 030 20604-209
rolf.hoemke@paul-martini-stiftung.de
Kontakt Leopoldina:
Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefüg, Generalsekretärin
Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
Telefon: + 49 (0) 345-4 72 39 25
Telefax: + 49 (0) 345-4 72 39 19
Postadresse: Postfach 11 05 43, 06019 Halle (Saale)
Besucheradresse: Emil-Abderhalden-Straße 37, 06108 Halle (Saale)

Dr. Rolf Hömke | idw
Weitere Informationen:
http://www.leopoldina-halle.de
http://www.paul-martini-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Arzneimitteltherapie Naturforscher Sepsis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Medikamente mildern Mukoviszidose
23.01.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Dreifachblockade am Glioblastom
23.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics