Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Organabstoßung mit tierischen Stammzellen unterdrückt

01.02.2002


Eine der gefürchtetsten Komplikationen in der Transplantationsmedizin ist die Abstoßung des verpflanzten Organs durch das Immunsystem des Empfängers. Medikamente, die dafür sorgen, dass der Empfänger das Spenderorgan toleriert und nicht abstößt, müssen ein Leben lang eingenommen werden und können langfristig Nebenwirkungen haben. Wissenschaftler und Kliniker versuchen deshalb neue Strategien zu entwickeln, um die Toleranz des Immunsystems gegenüber einem Spenderorgan zu erhöhen und eine Abstoßung zu verhindern. So ist es mit Blutstammzellen in einigen Tierversuchen gelungen, Toleranz zu erzielen. In der Klinik hat sich dieser Ansatz zur Auslösung von Immuntoleranz jedoch nach Aussage von Prof. Fred Fändrich (Universität Kiel) nicht bewährt, denn es traten verschiedene Abstoßungsreaktionen auf. Prof. Fändrich hat jetzt in Zusammenarbeit mit Forschern des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch sowie der Universität von Iowa (USA) bei Laborratten Toleranz mit embryonalen Stammzellen von Ratten erzielen können. Die Forschungsarbeit von Prof. Fändrich und Dr. Michael Bader sowie Dr. Bert Binas (beide MDC) hat jetzt das renommierte Fachblatt Nature Medicine (Vol. 8, Nr. 2, 2002, pp. 171-178)* veröffentlicht. Noch haben die Wissenschaftler nicht genau klären können, wie die Abstoßung durch das Immunsystem der Tiere verhindert wird. Sie sehen aber in dieser Methode einen vielversprechenden Ansatz, künftig Toleranz bei Organtransplantationen zu erzeugen.



Die Wissenschaftler haben Stammzellen von so genannten Wistar-Kyoto-Ratten auf Laborratten eines anderen Stamms, kurz DA genannt, übertragen. Das Immunsystem der DA-Tiere stieß die übertragenen Stammzellen nicht ab. Nach sieben Tagen pflanzten die Forscher den Tieren, die zuvor die embryonalen Rattenstammzellen erhalten hatten, ein Herz in die Bauchhöhle ein, das ebenfalls von Wistar-Kyoto-Ratten stammte. Bei rund 70 - 80 Prozent der Tiere schlugen die transplantierten Herzen nach Aussage von Prof. Fändrich länger als 100 Tage, ohne dass Abstoßungsreaktionen beobachtet worden waren.

... mehr zu:
»Immunsystem »Stammzelle


Beide Transplantate - sowohl die embryonalen Stammzellen als auch die Herzen stammen von ein und demselben Rattenstamm, den Wistar-Kyoto- Ratten, sie sind also immunologisch identisch. Weshalb aber das Immunsystem der Organempfängerratten weder die embryonalen Stammzellen noch das transplantierte Herz abgestoßen haben, ist, so die Wissenschaftler, nicht völlig verstanden.

Mitentscheidend ist bei diesem Prozess jedoch nach Auffassung der Forscher ein Protein, das sie auf der Oberfläche der von ihnen eingesetzten embryonalen Rattenstammzellen nachweisen konnten. Dieses Protein, in der Fachsprache Fas ligand (FasL/CD95) genannt, befindet sich normalerweise auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen, den aktivierten T-Zellen und Killerzellen. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Immunantwort. Die Forscher weisen zugleich darauf hin, dass bei diesem Ansatz das umstrittene "therapeutische Klonen" entfallen könnte, das bisher für zukünftige Therapien mit Zellpräparaten aus menschlichen embryonalen Stammzellen für notwendig erachtet werde. Eine Abstoßung dieser Implantate könnte, so die Forscher weiter, durch vorherige Injektion undifferenzierter embryonaler Stammzellen verhindert werden.

Weitere Informationen erhalten Sie von:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Abt. für Allgemeine u. Thoraxchirurgie
Prof. Fred Fändrich
Tel.: 04 31-597-44 81
Fax: 04 31-597-45 86
e-mail: ffaendrich@surgery.uni-kiel.de

Susanne Schuck | idw

Weitere Berichte zu: Immunsystem Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie