Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Blutfluss im Herzmuskel auf der Spur

21.03.2001


Forschern von der Medizinischen Klinik und vom Lehrstuhl für Biophysik der Universität Würzburg ist es gelungen, mittels Magnetresonanzbildgebung ein Verfahren zu entwickeln, um die Durchströmung
und den Aufbau der kleinsten Blutgefäße im Herzmuskel zu messen und mit einem bildgebenden Verfahren sichtbar zu machen: "Es wird so kommen, dass nach jedem großen Herzinfarkt dem Patienten eine Magnetresonanzuntersuchung angeboten wird", sagte der Kardiologe Dr. Wolfgang Bauer von der Würzburger Medizinischen Universitätsklinik.

Herzinfarkt - Herzmuskelschwäche - Wasser in Lunge und Beinen - Schwächen beim Treppensteigen: Aus jedem dritten Herzinfarkt entwickelt sich nach der akuten Phase eine chronische Herzschwäche. Der Grund liegt in der Mehrbelastung des durch den Infarkt reduzierten Herzmuskels.

Der Herzinfarkt ist in den Industrienationen eine der häufigsten potenziell tödlich verlaufenden Erkrankungen. Die Ursache des Herzinfarktes liegt im Verschluss eines Herzkranzgefäßes, was zum Absterben eines Teils des Herzmuskels führt. Die akute Sterblichkeit durch den Herzinfarkt wurde in den letzten Jahren durch neue Diagnostik- und Therapieverfahren deutlich gesenkt. Die akute Gefährdung stellt aber nur eine Seite dieser Erkrankung dar.

Überlebt ein Patient seinen Herzinfarkt, dann muss das verbleibende Herzmuskelgewebe die Arbeit des abgestorbenen Gewebes mit übernehmen, es muss also mehr Arbeit leisten. Der restliche Herzmuskel begegnet diesem Mehrarbeitsaufwand, indem er dicker wird. Allerdings steigt die Blutversorgung nicht in gleichem Maße - mit dem Ergebnis, dass der Muskel unterversorgt wird. Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine Herzmuskelschwäche und die Patienten haben Luftnot bei Belastung und leiden unter Wassereinlagerungen im Körper.

An der Universität Würzburg werden im Rahmen eines Sonderforschungsbereiches interdisziplinär die Erkennung, die Ursachen und Therapiemöglichkeiten dieser Herzmuskelschwäche angegangen. Im Rahmen des Sonderforschungsbereiches wurde in Zusammenarbeit der Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Klinik um Dr. Wolfgang R. Bauer mit dem Lehrstuhl für Biophysik der Universität Würzburg, Prof. Dr. Axel Haase, ein neues Verfahren entwickelt, das mittels Magnetresonanzbildgebung die Durchströmung und die Dichte der Mikrogefäße sichtbar macht.

Bei der Magnetresonanzbildgebung wird ausgenutzt, dass natürlicherweise vorkommende Atomkerne des Wassers sich wie kleine Magneten verhalten, deren Bewegung gemessen werden kann. Die neuen Verfahren sind so ausgelegt, dass die Bewegung dieser Magneten von der Durchströmung und der Anordnung der kleinsten Gefäße abhängt. "Bei der Magnetresonanzbildgebung benötigen wir keine Röntgenstrahlen oder Nuklearmedizin und können deshalb Patienten auch über längere Zeiträume untersuchen, ein völlig harmloses Verfahren also", erklärte der Biophysiker Prof. Dr. Haase.

Am Tiermodell konnte nun gezeigt werden, dass sich die kleinsten Gefäße, die für die Versorgung des Herzmuskels verantwortlich sind, nach einem Herzinfarkt weitstellen, und die Durchblutung für eine kurze Zeit sogar leicht erhöht ist. Im weiteren Verlauf kommt es jedoch trotz Weitstellung dieser Gefäße zu einer verminderten Durchblutung und damit zu einer Unterversorgung des Herzens. Die neuen Techniken sind so ausgelegt, dass sie jetzt auch am Patienten angewendet werden können. Damit ergibt sich die Möglichkeit, neue Therapieverfahren, die der Durchblutungsstörung und damit der Herzschwäche nach Herzinfarkt entgegenwirken, auf ihre Wirkung hin direkt zu testen.

Robert Emmerich | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie