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Stammzell-Therapie nach Herzinfarkt

15.11.2006
Immer mehr Patienten überleben einen Herzinfarkt - doch daraus resultiert ein Folgeproblem: Viele von ihnen leiden fortan unter einer chronischen Herzschwäche. Denn das Organ ist durch den Infarkt so geschädigt, dass seine Pumpleistung deutlich nachgelassen hat.

Der spannenden Frage, ob sich die Funktion des Herzens durch eine Stammzell-Therapie wieder verbessern lässt, ist eine Studie nachgegangen, an der sich neben 16 weiteren bedeutenden Herzzentren auch die I. Medizinische Universitätsklinik Mannheim beteiligt hat. "Die Ergebnisse sind ermutigend," zeigt sich Privat-Dozent Dr. Tim Süselbeck zufrieden.

Er arbeitet als Oberarzt an der von Professor Dr. Martin Borggrefe geleiteten Klinik und gelangt zu dem Fazit: "Die in dieser Form weltweit erste Studie zeigt, dass die Herzfunktion nach einem Infarkt durch eine Infusion von Stammzellen, die aus dem Knochenmark gewonnen wurden, verbessert werden konnte." Damit biete die Stammzelltherapie den Ärzten ganz neue Perspektiven, denn: "Heute zur Verfügung stehende Medikamente ermöglichen im Grunde nur eine Schadensbegrenzung. Bei der Therapie mit Stammzellen besteht dagegen die begründete Hoffnung auf eine mehr oder weniger ausgeprägte echte Regeneration der Herzfunktion." Das Mannheimer Universitätsklinikum wird diese Therapie daher künftig in geeigneten Fällen seinen Patienten anbieten.

Der Untersuchungsleiter, Professor Dr. Volker Schächinger von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt / Main, hat die Ergebnisse der Studie jetzt im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht, Privat-Dozent Dr. Süselbeck ist einer der Mitautoren. Bei 200 Patienten wurden dafür aus dem körpereigenen Knochenmark Stammzellen gewonnen. Nach drei bis sechs Tagen erhielten die Patienten die aufbereiteten Zellen über einen Herzkatheter. Bei ihnen erhöhte sich innerhalb von vier Monaten die Herzleistung um 5,5 Prozent, in der Kontrollgruppe mit herkömmlicher Behandlung waren es nur 3 Prozent. Am meisten profitierten Patienten, die einen besonders schweren Infarkt erlitten hatten. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie lautet, dass die Therapie nicht zu früh nach einem Herzinfarkt durchgeführt werden sollte. So hatten die Stammzellen keinen signifikanten Effekt bei Patienten, denen sie innerhalb von vier Tagen nach Herzinfarkt zugeführt wurden. Auf welche Weise die intrakoronare Stammzelltherapie in die Umbauprozesse des Herzens eingreift, ist noch weitgehend ungeklärt. Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie die Durchblutung des Herzens verbessern, indem sie Blutgefäße neu bilden.

Mit diesem Zweig medizinischer Forschung betreten die Kardiologen Neuland - dies zeigt sich unter anderem darin, dass in derselben Ausgabe der Fachzeitschrift eine Studie publiziert wurde, bei der sich keine Effekte der Stammzelltherapie nachweisen ließen. Daraus schließen die Herzspezialisten, dass ein Schlüssel des Erfolges mutmaßlich auch in der Aufbereitung der Stammzellen liegen dürfte.

Bei einem Herzinfarkt wird Herzmuskelgewebe infolge verminderter Blut- und damit Sauerstoffversorgung geschädigt. Ursache ist ein Verschluss der Herzkranzgefäße. Insgesamt erleiden in Deutschland jährlich fast 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Die Zahl der tödlichen Herzinfarkte liegt bei etwa 85.000 pro Jahr.

Klaus Wingen | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum-mannheim.de

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