Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Scharlach-Erregern auf der Spur

06.03.2001


Den Zuschlag für ein neues Projekt zur Erforschung von Krankheitserregern erhielten Jenaer Wissenschaftler vom Institut für Molekularbiologie der Friedrich-Schiller-Universität. Zusammen mit
Arbeitsgruppen von der Universität Rostock und der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig wollen die Mikrobiologen der Frage nachgehen, welche Gene für die krankheitsverursachenden Eigenschaften von Bakterien verantwortlich sind. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Kompetenznetzwerk zur Erforschung pathogener Mikroorganismen, an dem bundesweit weitere Gruppen beteiligt sind, mit insgesamt 20 Millionen DM über einen Zeitraum von zunächst drei Jahren.

Der Jenaer Beitrag zu dem Projekt beschäftigt sich mit Streptokokken, kugelförmigen Bakterien, die sich perlschnurartig aneinander reihen. Sie verursachen Haut- und Racheninfektionen, wie zum Beispiel Scharlach.

"In letzter Zeit nahm die Zahl der lebensbedrohlichen Erkrankungen durch Streptokokken weltweit dramatisch zu", erläutert Prof. Dr. Horst Malke, Direktor des Institutes für Molekularbiologie. Immer häufiger drängen die Erreger auch in das Blutsystem der Patienten ein und lösten so einen toxischen Schock aus. Scharlach hat dagegen seinen Schrecken, den es noch Anfang des 20. Jahrhunderts hatte, heute verloren. Wie es zu diesen Veränderungen in der Gefährlichkeit kommt und was die besonders aggressiven Streptokokken von den vergleichsweise harmlosen Varianten unterscheidet, ist nach Angaben Malkes noch unbekannt. "Diese Unterschiede wollen wir durch unsere Untersuchungen verstehen", so der Jenaer Wissenschaftler.

Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, herauszufinden, welche Gene dafür verantwortlich sind, dass sich die Erreger überhaupt im menschlichen Körper so gut durchsetzen können. "Wir wollen herausfinden, wie sich die Bakterien an den Wirt anpassen können, wie es ihnen also zum Beispiel gelingt, tief ins Gewebe oder das Zirkulationssystem einzudringen", erklärt Malke. "Auf Reize aus ihrer Umgebung reagieren die Mikroorganismen mit dem An- oder Abschalten bestimmter Gene. So können sie sich schnell an veränderte Gegebenheiten anpassen", beschreibt der Mikrobiologe die Strategie der Streptokokken. Wenn es gelänge, dieses Wechselspiel zwischen Umweltfaktoren und Genen zu verstehen, hätte man einen Ansatzpunkt für neue Wirkstoffe. "Dann könnte man gezielt diejenigen Gene beeinflussen, ohne deren Funktion der Mikroorganismus sich nicht weiterentwickeln kann, und so die Infektion stoppen", hebt Malke hervor.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, erläutert der Jenaer Wissenschaftler, zunächst müsse noch eine Menge Grundlagenforschung geleistet werden. Seine Jenaer Gruppe untersucht dazu mit Hilfe der sogenannten DNA-Chip-Technologie die Gesamtheit aller Gene der Streptokokken. "Diese Bakterien haben etwa 2000 Gene, Informationen über die Funktion haben wir aber bisher nur bei etwa 60 Prozent", beschreibt Malke die Ausgangslage.

Auf einem DNA-Chip sind Teile all dieser Gene auf kleinstem Raum aufgetragen. Die Wissenschaftler können gezielt untersuchen, welches der Gene unter welchen Umweltbedingungen aktiv ist. "Damit sind wir in das postgenomische Zeitalter eingetreten", betont Malke.  Es ginge nicht mehr darum, die Sequenz des Erbgutes zu entziffern, diese Arbeit sei weitgehend abgeschlossen. Nun konzentrieren sich die Wissenschaftler auf die Funktion der einzelnen Gene und darauf, wie die Genfunktionen miteinander wechselwirken.

Die Idee, bundesweite Netzwerke zu bilden, findet Horst Malke sinnvoll: "Damit können wir die in Deutschland vorhandenen Kompetenzen effizienter und koordinierter nutzen". Auch Kooperationen mit der Industrie sollen sich in den Netzwerken entwickeln, damit die Erkenntnisse der Grundlagenforschung möglichst rasch in die Medikamentenentwicklung einfließen können.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Horst Malke
Institut für Molekularbiologie
Tel.: 03641/ 65 75 30
Fax: 65 75 20
E-Mail: hmalke@imb-jena.de

Susanne Liedtke
Friedrich Schiller Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel: 03641/ 93 10 40
Fax: 03641/ 93 10 42
E-Mail: Susanne.Liedtke@uni-jena.de

Susanne Liedtke | idw

Weitere Berichte zu: Gen Scharlach-Erreger Streptokokken

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften